Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2015

15:31 Uhr

Industriellen-Chef zu Griechenland

„Die Ära der Illusionen ist vorbei“

VonGerd Höhler

Der Präsident des griechischen Industrieverbandes SEV, Theodoros Fessas, plädiert im Interview für einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens, um das Land zum Wachstum zurückzuführen.

„Wir brauchen investitionsfreundliche, stabile Rahmenbedingungen.“ PR

Verbandschef Theodore Fessas

„Wir brauchen investitionsfreundliche, stabile Rahmenbedingungen.“

AthenDer Sitz des griechischen Industrie-Verbandes in der Athener Xenophon-Straße ist gesichert wie eine Festung. Der Eingang erinnert an die Tür eines Tresors. Das massive Stahlportal wird von einem Elektromotor geöffnet, so schwer ist es. Erst kürzlich haben Anarchisten das Gebäude mit Molotowcocktails attackiert und die Fassade des klassizistischen Patrizierhauses mit Farbbeuteln beworfen. Im Interview spricht der Präsident des griechischen Industrieverbandes SEV, Theodoros Fessas, über das neue Kabinett, die wichtigsten Aufgaben und Griechenlands Zukunft.

Vita Theodoros Fessas

Der Unternehmer

Der Selfmademan aus dem nordgriechischen Thessaloniki studierte Elektro-Ingenieurwesen am Athener Polytechnikum und im britischen Birmingham. 1981 gründete Fessas das IT-Unternehmen Info-Quest. 1998 brachte er die Firma an die Börse. Heute gehören zur Quest Holding auch Griechenlands größter Kurierdienst ACS und die auf erneuerbare Energien fokussierten Stromerzeuger Quest Energy und Quest Solar. Der 63-järige Fessas ist Hauptaktionär und Chairman der Unternehmensgruppe.

Der Verbandschef

Die 1907 gegründete Hellenische Föderation der Industrieunternehmen (SEV) ist der einflussreichste Unternehmerverband des Landes und das Pendant zum deutschen BDI. Theodoros Fessas war bereits seit den 2000er-Jahren Vorstandsmitglied und lange Jahre Vizepräsident des Verbands, bevor er im Mai 2014 zum Präsidenten gewählt wurde. Die Ansichten des Verbandspräsidenten haben in Wirtschaft, Politik und Medien des Landes großes Gewicht.

Herr Fessas, was sagen Sie zu dem neuen Kabinett?

Die Regierung wird danach beurteilt werden, wie sie die Maßnahmen des Anpassungsprogramms umsetzt. Zeit hat sie jedenfalls nicht zu verlieren, vor allem nicht mit ewigen Neuverhandlungen. Jetzt geht es um die Umsetzung. Ein erster positiver Schritt ist die Wiedereinführung des Industrieministeriums. Das war seit langem eine Forderung unseres Verbandes, um die Industrie und das verarbeitende Gewerbe in Griechenland wieder aufzubauen.

Wie stabil ist diese Regierung mit 155 von 300 Mandaten?

Es wäre nicht richtig, gleich nach der Wahl Debatten über die Stabilität einer Regierung zu beginnen. Sie hat ein klares Mandat der Wähler. Die Regierung wirkt geschlossen und geeinter, als es vielleicht eine breitere Koalition wäre. Vergessen wir nicht, dass 80 Prozent der Abgeordneten des neuen Parlaments das neue Rettungsprogramm und die europäische Perspektive des Landes unterstützen. Die Opposition wird ihre Rolle sehr bedacht wahrnehmen. Die Ära der Illusionen und des Schattenboxens ist für alle vorbei.

Griechenland: Tsipras Arbeitsliste

Griechenland

Premium Tsipras Arbeitsliste

Bewährungsprobe für Griechenlands Premier: Alexis Tsipras muss zahllose Reformen im Eiltempo umsetzen. Allein 105 Maßnahmen fordern die Geldgeber bis Jahresende. Doch die Regierung ist schon wieder in Rückstand.

Hatten Sie gehofft, parteilose Technokraten in der neuen Regierung zu sehen?

Einen Ausweg aus der objektiv schwierigen Lage, in der sich unser Land befindet, finden wir nur mit politischem und sozialem Konsens. Diese wichtige Voraussetzung ist gegeben, seit das Parlament im August mit großer Mehrheit für das neue Anpassungsprogramm stimmte. Zugleich sollten die Politiker aber jede technische Hilfe in Anspruch nehmen, die innerhalb und jenseits unserer Grenzen für die Umsetzung des Programms zur Verfügung steht.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.10.2015, 15:43 Uhr

Wachstum geht nur OHNE EURO und mit einer eigenen Währung. Fordert die AfD schon seit 2013! Danke!

Herr Marc Otto

01.10.2015, 15:48 Uhr

Gelungenes Timing. Gerade jetzt dürfte sich Deutschland besonder liebevoll um die "berechtigten" Nachforderungen der Griechen kümmern. Vor allem aber auch, weil wir uns imemr mehr mit unseren persichen Freunden unterhalten.

Alexander der Große ist auch uns inzwischen wieder bekannt, aber eben ganz anders.

Herr Vinz Queri

01.10.2015, 15:52 Uhr

>> Vor allem im Tourismus, im Energiesektor, in der Lebensmittelverarbeitung, im Groß- und Einzelhandel und in der Logistik. >>

Um hier wieder KONKURRENZFÄHIG“ zu werden, müssten die Griechen erst mal wieder ihre Drachme einführen ! Sonst beim € …….NO CHANCE !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×