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07.07.2013

16:54 Uhr

Industriepark öffnet wieder

Zarte Annäherung zwischen Nord- und Südkorea

Es ist ein symbolischer Schritt: Nord- und Südkorea wollen den gemeinsamen Industriekomplex Kaesong nach Monaten wieder in Betrieb nehmen. Allerdings sind noch nicht alle Ärgernisse aus dem Weg geräumt.

Der Industriepark Kaesong: Nord- und Südkorea wollen die gemeinsame Anlage wieder in Betrieb nehmen. dpa

Der Industriepark Kaesong: Nord- und Südkorea wollen die gemeinsame Anlage wieder in Betrieb nehmen.

SeoulSüd- und Nordkorea setzen nach den heftigen Spannungen in den vergangenen Monaten ihre zaghafte Annäherung fort. Beide Länder einigten sich am Wochenende prinzipiell auf eine Wiederinbetriebnahme des gemeinsamen Industriekomplexes in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong. Der Komplex ist seit gut drei Monaten geschlossen. Nach etwa 16-stündigen Marathonverhandlungen im Grenzort Panmunjom zwischen Vertretern beider Länder kündigte das Vereinigungsministerium in Seoul am Sonntag weitere Gespräche über eine Wiedereröffnung am kommenden Mittwoch an.

Süd- und Nordkorea hätten sich geeinigt, den betroffenen südkoreanischen Fabrikbesitzern bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Es herrsche Einvernehmen darüber, „den Betrieb in der Industriezone Kaesong schrittweise wieder zu stabilisieren“.

Die südkoreanische Seite verlangt allerdings von Nordkorea eine Zusage, dass die Sonderwirtschaftszone Kaesong in Zukunft nicht mehr ohne Zustimmung Seouls dichtgemacht wird. Das jetzt getroffene Abkommen sei bezüglich dieses Problems sehr vage, wurde der südkoreanische Unterhändler Suh Ho von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Seoul werde das Thema deshalb beim nächsten Treffen am Mittwoch in Kaesong weiter ansprechen.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Beide Seiten hatten sich darauf geeinigt, dass südkoreanischen Unternehmer von Mittwoch an ihre zurückgelassenen Fabriken in Kaesong besuchen können. Zusammen mit Fachleuten sollen sie den Zustand der Anlagen prüfen können. Auch stimmte Nordkorea zu, dass die Unternehmer Fertigprodukte und Rohmaterialien aus Kaesong nach Südkorea bringen können.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte den Industriepark im April „vorübergehend“ geschlossen. Hintergrund waren die zunehmenden Spannungen. Das Industrieprojekt ist nicht nur ein Symbol der innerkoreanischen Annäherung, sondern gilt auch als wichtiger Devisenbringer für den verarmten, aber hochgerüsteten Norden. Die Spannungen in der Region hatten sich infolge des dritten nordkoreanischen Atomtests im Februar deutlich verschärft. Zuletzt hatte Pjöngjang jedoch wieder Entspannungssignale ausgesendet.

Auf die Gespräche auf Arbeitsebene in Panmunjom hatten sich beide Länder am Donnerstag geeinigt. Zuvor hatte Nordkorea angeboten, südkoreanische Unternehmer zur Inspektion ihrer Fabriken in Kaesong einreisen zu lassen.

Von

dpa

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