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11.04.2013

11:43 Uhr

Industriepark

Südkorea ruft Nordkorea an den Verhandlungstisch

Nordkorea droht weiter mit Raketen und übt sich weiter in seiner Kriegsrhetorik. Trotzdem möchte Südkorea mit dem Norden über die Lage im gemeinsamen Industriepark Kaesong ins Gespräch kommen.

Ein südkoreanischer Soldat patrouilliert nahe Kaesong. Südkorea möchte mit Nordkorea ins Gespräch kommen. Reuters

Ein südkoreanischer Soldat patrouilliert nahe Kaesong. Südkorea möchte mit Nordkorea ins Gespräch kommen.

SeoulUngeachtet der Kriegsdrohungen aus Nordkorea hat Südkorea das Nachbarland zu Gesprächen über die Normalisierung des Betriebs eines gemeinsamen Industrieparks aufgerufen. „Pjöngjang sollte sofort an den Verhandlungstisch kommen“, sagte Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae am Donnerstag vor Journalisten in Seoul. Beide Länder könnte dabei über den Industriepark in der grenznahen nordkoreanischen Stadt Kaesong reden, wurde Ryoo von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert.

Die Produktion in dem Gewerbekomplex steht seit Dienstag still. Pjöngjang hatte zuvor alle rund 53 000 Landsleute abgezogen, die dort zuletzt für 123 Unternehmen aus Südkorea gearbeitet hatten.

Die USA, Südkorea und Japan stellten sich weiter auf Raketentests in Nordkorea ein. Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, eine nordkoreanische Rakete notfalls abzuschießen, sollte diese eine Gefahr für Südkorea darstellen. Nach Einschätzung des südkoreanischen Militärs bereitet sich Nordkorea auf den Start mehrerer Raketen vor, darunter eine oder zwei Mittelstreckenraketen.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen traf derweil zu einem Besuch in Südkorea ein. Es stünden während seines Besuchs Diskussionen „über unsere wertvolle Partnerschaft“ an, twitterte Rasmussen nach seiner Ankunft in Seoul. Es ist der erste Besuch eines Generalsekretär des Atlantischen Bündnisses in Südkorea.

Von

dpa

Kommentare (5)

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MichaelM

11.04.2013, 11:52 Uhr

Südkorea ist eher von zweitrangiger Wichtigkeit für Nordkorea. Mit den USA wollen sie verhandeln. Hoffentlich springt dennoch irgend etwas Positives dabei heraus.

KennMichNichtMehrAusInKorea

11.04.2013, 12:37 Uhr

Also, dieses Säbelrasseln von Kim-Un ist nicht von ungefähr. Das ist ein Spiel, in dem es um Südkorea geht. Südkorea ist der Spielball. Die Frage ist, ob die Amis es schaffen können, dass Südkorea und Nordkorea nicht miteinander verschmelzen und dann zum Chinesischen Imperium gehören. Hey, es geht hier tatsächlich um kapitalistische Gelder im Billionbereich, man schaue nur auf Samsung. Da wäre man evtl. schnell enteignet und sein Geld los. Manche Leute glauben sogar, dass es hierbei eigentlich um eine amerikanische Übernahme der großen südkoreanischen Unternehmen geht bzw. dem Schutz amerikanischen Invests in der Tehnologiebranche...

Goldi

11.04.2013, 12:48 Uhr

Spannend! Short auf Samsung und Co.?

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