Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.03.2013

08:16 Uhr

Industriestaaten

Mehr Asylanträge wegen Syrien-Krieg

In den Industriestaaten ist die Zahl der Asylanträge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Zahl der syrischen Asylbewerber hat sich sogar verdreifacht. In Europa wurden die meisten Anträge in Deutschland gestellt.

Syrische Flüchtlinge tragen ihr Gepäck an der Grenze zu Jordanien im Flüchtlingslager Zaatari. Die Zahle der syrischen Asylbewerber hat sich verdreifacht. dpa

Syrische Flüchtlinge tragen ihr Gepäck an der Grenze zu Jordanien im Flüchtlingslager Zaatari. Die Zahle der syrischen Asylbewerber hat sich verdreifacht.

GenfDie Zahl der Asylanträge in den Industriestaaten ist im vergangenen Jahr insbesondere in Folge des Bürgerkriegs in Syrien deutlich gestiegen. 2012 seien in den Industrieländern knapp 480.000 Asylanträge und damit acht Prozent mehr als im Vorjahr gestellt worden, hieß es in einem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Die Zahl der Asylbewerber aus Syrien habe sich fast verdreifacht. Sie stieg demnach um 191 Prozent auf 24.800. Damit stieg Syrien vom 15. zum zweiten Platz der Herkunftsländer von Asylbewerbern auf.

Mehr als die Hälfte der syrischen Asylbewerber stellten Aufnahmeanträge in Schweden und Deutschland, hieß es in dem UN-Bericht. Auf Schweden entfielen demnach 7800 Anträge, auf Deutschland 6.200. In der Schweiz baten 1400 Syrer um Aufnahme, in Großbritannien 1300 und in Österreich 920. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch zugesagt, in den kommenden Monaten 5000 weitere Syrer aufzunehmen.

Gemessen an der Zahl der Syrer, die in den Nachbarländern ihrer Heimat Schutz suchten, sei die Zahl der Asylanträge von Syrern in den Industriestaaten aber „moderat“, hob das UNHCR hervor. In Ländern wie Jordanien und der Türkei flüchteten demnach mehr als 1,1 Millionen Syrer.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Mit 36.600 Anträgen kamen die meisten Asylbewerber in den Industrieländern dem Bericht zufolge auch 2012 aus Afghanistan. Nach Syrien folgen Serbien und das Kosovo auf dem dritten Platz. In den 44 untersuchten Ländern wurden insgesamt 479.300 Asylanträge gestellt. Dies sei die höchste Zahl seit 2003 und setze den 2006 eingesetzten Trend einer Zunahme von Asylbewerbern fort, hieß es.

„Kriege bringen immer mehr Menschen dazu, Asyl zu suchen“, erklärte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres. Es sei daher „mehr als je zuvor notwendig, für die Anerkennung des internationalen Asylrechts zu sorgen“. „Ich ermahne die Länder, ihre Grenzen in Konfliktzeiten für Menschen offen zu halten, die flüchten, um ihr Leben zu retten“, fügte Guterres hinzu.

Chronologie – der Konflikt zwischen Türkei und Syrien

6. Juni 2011

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien in die Türkei setzt ein. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verspricht den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später sind bereits fast 10 000 Syrer in türkischen Lagern.

12. November

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus.

16. März 2012

Die Türkei ruft ihre Bürger auf, Syrien wegen der Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt Ankara die Botschaft in Damaskus.

9. April

Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben rund 25 000 Syrer.

30. Mai

Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.

22. Juni

Syrien schießt vor der Küste einen türkischen Militärjet ab. Beide Piloten sterben. Das Flugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.

26. Juni

Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagt in einer vom Fernsehen übertragene Ansprache: „Bis sich das syrische Volk von diesem Diktator (Baschar al-Assad) mit blutbefleckten Händen befreit hat, wird die Türkei ihm (dem Volk) jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen.“

28. Juni

Ankara stationiert Raketenabwehrsysteme und Militärfahrzeuge an der Grenze.

6. Juni 201130. Juni

Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.

20. August

Wegen der schnell steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100 000 Menschen aufnehmen. 70 000 sind bereits in die Türkei geflüchtet, tausende warten tagelang auf der syrischen Seite der Grenze auf die Einreise in die Türkei.

18. September

Bei Kämpfen syrischer Regierungstruppen mit Rebellen werden in dem türkischen Grenzdorf Akcakale mehrere Menschen durch Schüsse aus Syrien verletzt.

3. Oktober

In Akcakale schlagen mindestens drei aus Syrien abgefeuerte Granaten ein. Eine Mutter und ihre vier Kinder sterben. Wenig später greift die türkische Armee erstmals Ziele im Nachbarland an. In den folgenden Tagen schlagen im Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück.

4. Oktober

Das Parlament in Ankara erlaubt der Regierung für ein Jahr Einsätze auch über die Grenze hinweg. Die Türkei habe aber kein Interesse an einem Krieg mit Syrien, heißt es.

10. Oktober

Die türkische Luftwaffe zwingt ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung in Ankara. Die Maschine war auf dem Weg von Moskau nach Damaskus. Es seien Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung an Bord gefunden worden.

Die meisten neuen Asylanträge in Europa wurden 2012 in Deutschland gestellt: 64.500 Menschen und damit 41 Prozent mehr als im Vorjahr baten hier um Aufnahme. Auf dem zweiten und dritten Rang folgten Frankreich mit 54.900 Anträgen (plus fünf Prozent) und Schweden mit 43.900 Anträgen (+ 48 %). Im weltweiten Vergleich wurden die meisten Anträge - nämlich 83.400 - in den USA gestellt, zumeist von Chinesen (24 Prozent der Anträge) oder Mexikanern (17 %).

Von

afp

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rene

21.03.2013, 09:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

hugo

21.03.2013, 10:46 Uhr

Wir sollten nur christliche und keine anderen Syrer aufnehmen. Das hat nichts mit Diskriminierung sondern mit der Beurteilung der Risiken zu tun.

Billyjo

21.03.2013, 11:00 Uhr

Wir sollten weder noch aufnehmen denn es sind schon zu viele Asylanten(Wirtschaftsasylanten) aus dem türkisch/arabischen Ausland hier,denn es werden die meisten versuchen hier zu bleiben,was eigentlich verständlich ist, wer verläßt schon freiwillig das Schlaraffenland. Die Kulturen, Lebensarten der beiden Gruppen lassen sind nicht vereinbaren.

Helfen vor Ort, JA, hier in Europa aufnehmen NEIN.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×