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30.10.2013

14:52 Uhr

Inflation auf Tiefstand

Spanien erzielt wieder Wachstum

Spanien hat die Rezession überwunden: Das Bruttoinlandsprodukt des Krisenlandes ist um 0,1 Prozent gestiegen. Zudem hat die Inflationsrate des Staats den tiefsten Stand seit vier Jahren erreicht.

Spaniens Premierminister Mariano Rajoy: Die Inflationsrate seines Landes erreichte den tiefsten Stand seit vier Jahren. dpa

Spaniens Premierminister Mariano Rajoy: Die Inflationsrate seines Landes erreichte den tiefsten Stand seit vier Jahren.

MadridSpanien hat die Rezession überwunden und erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder ein wirtschaftliches Wachstum erzielt. Wie das Nationale Statistik-Institut (INE) in Madrid mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euro-Krisenlandes im dritten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Die Behörde bestätigte damit den Wert, den die Zentralbank in der vorigen Woche auf der Grundlage von Schätzungen veröffentlicht hatte.

Getragen wurde das Miniwachstum demnach vor allem vom Export. Die Binnennachfrage dagegen blieb schwach. Die Arbeitslosigkeit lag mit knapp 26 Prozent immer noch auf sehr hohem Niveau. Die Verbraucherpreise gingen nach Angaben des INE im Oktober im Vergleich zum Oktober 2012 um 0,1 Prozent zurück. Die Inflationsrate erreichte den tiefsten Stand seit vier Jahren.

Spaniens Baustellen

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem. Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.

Immobilienmarkt

In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert. Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken - anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren - gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.

Haushaltslage

In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession. Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen.

Bankenkrise

Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge. Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.

Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Das Land leidet noch immer unter den Folgen der 2008 geplatzten Immobilienblase und steckte seit 2011 in der Rezession.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.10.2013, 14:15 Uhr

na klar - die Rezession überwunden ... Unglaublich - was Urlauber bewirken können ... Freue mich auf das nächste Quartal .. Würde mich wirklich freuen - wenn Journalisten auch mal ein excel-sheet bedienen könnten ... Aber Wahrscheinlich ist einfach das Germanistik Studium wichtig und weniger die naturwissenschaftlichen Fächer .. Leistungskurs Mathe wäre da schon mal ein Anfang gewesen ..

Account gelöscht!

30.10.2013, 14:19 Uhr

Eine Rezessionsphase ist im Allgemeinen gekennzeichnet durch:

Abschwächung der Hochkonjunktur
pessimistische Prognosen für die Wirtschaftslage
Rückgang der Nachfrage
überfüllte Lager
Abbau von Überstunden und beginnende Kurzarbeit
fehlende Investitionen
teilweise Stilllegung von Produktionsanlagen
stagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsen
fallende Börsenkurse

also ich würde eher auf Depression tippen und bei 0,1% Zuwachs im Verhältnis kann man meines Erachtens eher an saisonale Effekte als denn generelle Umkehrung der Konjunktur. Zudem sind diese einer noch höheren Verschuldung geschuldet - na vielen Dank.

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