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01.02.2011

15:56 Uhr

Inflations-Alarm

IWF warnt vor Ausbreitung des Ägypten-Virus

Steigende Öl- und Nahrungsmittelpreise bergen nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sozialen Sprengstoff. Es drohten Unruhen und Kriege, gerade in ärmeren Ländern, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Dienstag. Die steigenden Lebenshaltungskosten gelten mit als Auslöser für die jüngsten Unruhen in Ägypten und Tunesien.

Proteste in Kairo: Die Armen begehren auf. dpa

Proteste in Kairo: Die Armen begehren auf.

HB SINGAPUR/BANGKOK. Auch die hohe Arbeitslosigkeit sei Grund zur Sorge. Allein in den kommenden zehn Jahren drängten 400 Millionen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. „Wir sehen uns mit einer „verlorenen Generation' junger Menschen konfrontiert, deren Schicksal es ist, ihr ganzes Leben lang unter Arbeitslosigkeit und schlechten sozialen Bedingungen zu verbringen.“

Die steigenden Lebensmittel- und Ölpreise treiben derzeit in vielen Ländern weltweit die Teuerungsraten in die Höhe. In Ägypten hat sich die Inflation bei elf Prozent eingependelt. Ohne Bildung und ohne Qualifikation schaffe es das Land nicht, Fortschritte zu machen, sind sich Experten sicher. Denn ein Land, das selbst wenig erwirtschafte, weil eben nicht genügend produziert werde, müsse gezwungenermaßen auf ausländische Produkte zurückgreifen. Und das führe zur Inflation. Dies gilt vor allem in Zeiten, in denen die Preise für Lebensmittel stark steigen, wie das momentan der Fall ist. 14 Prozent der gesamten Importe Ägyptens sind Nahrungsmittel. Hohe Preise für Lebensmittel treffen aber vor allem die arme Bevölkerung, also diejenigen, die nur wenig verdienen oder überhaupt keinen Job haben.

In Indonesien, Südkorea und Thailand legten die Lebenshaltungskosten im Januar stärker zu und setzen damit die Zentralbanken unter Zugzwang. Der kräftige Anstieg der Energiepreise sei ein Ausdruck des starken Wachstums in Schwellenländern, sagte Strauss-Kahn.

Doch die Bevölkerung bekommt die teurere Nahrung zu spüren. „Alles ist teurer - Speiseöl, Gemüse, wirklich alles“, sagte Yupin Waiyarabut, eine 38-jährige Besitzerin eines Imbissstandes in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. „Die Lebensmittelpreise sind in den vorigen ein bis zwei Monaten stark gestiegen.“ In Indonesien sind es besonders grüne Chilischoten, die den Köchen das Leben schwer machen. „Was soll ich denn machen? Mein Chef sagt schon, dass ich das Essen nicht so scharf würzen soll“, sagt Fendi, der in Jakarta einen Imbiss betreibt.

Experten gehen zwar davon aus, dass die Teuerung nach dem chinesischen Neujahrsfest etwas an Fahrt verliert. Nach der Reis-Ernte im März und April sei weitere Entspannung in Sicht, sagte ING-Analyst Tim Condon. Dennoch dürften die Zentralbanken nicht darum herumkommen, ihre Zügel zu straffen. In Indonesien, wo die Teuerung mit 7,02 Prozent inzwischen so hoch ist wie seit 21 Monaten nicht mehr, wird schon für Freitag mit höheren Zinsen gerechnet, in Thailand soll es im März soweit sein.

Kommentare (4)

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Goldmund

01.02.2011, 18:00 Uhr

Der kräftige Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise ist nicht allein auf das kräftige Wachstum in den Schwellenländern zurückzuführen, sondern auf die Gier der Spekulanten und investoren. Mineralkonzerne, die Gewinne verdoppeln, die tragen dazu bei; niemand sonst. Steckt diese Verbrecher endlich in den Knast. Wir haben uns lange genug verar.... lassen.

@Goldmund

01.02.2011, 18:51 Uhr

das ist etwas zu einfach gedacht.

Wen stecken Sie denn nun alles in den Knast?
Die Oma, die ihr erspartes in Staatsanleihen hält? Griechischen, irischen?
iSt die eine Spekulantin?

Der Sekretärin, die blickt, daß der Euro nicht mehr lange so viel wert ist und die zusieht, daß sie ihr Erspartes in irgendwelchen Aktien oder Edelmetallen anlegt, um es vor der inflation zu schützen? Wo ziehen Sie die Grenze?

Jeder, der sein Geld verzinslich anlegt "spekuliert" auf Gewinn.

Wenn das strafbar werden soll - wie sollen dann die Staaten Kredite in Form von Staatsanleihen aufnehmen?
Verstaatlichung, Zwangsenteignung? Gemeinschaftszahnbürste?

Die Welt ist nicht sooo einfach...

Sie ist viel einfacher: wir haben hier - und wir tun es stets noch - über unsere Verhältnisse gelebt.

Sie etwa nicht? Trinken Sie Kaffee? Haben Sie etwa einen höheren Preis bezahlt? Sie förden dann ja das Spekulantentum?


Tja.... selbst im Knast.
Arbeitslager wäre noch konsequenter...

Grüßens!

Der Flächebrand ist doch schon längst unterwegs, bisher

01.02.2011, 21:38 Uhr

haben wir einfach Glück gehabt. Aber jede Glückssträhne geht mal zu Ende!
Wir stehen bald wieder dort, wo man mal angefangen hat. beim Master und Servant!

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