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15.02.2017

09:32 Uhr

Infrastruktur-Probleme in Kalifornien

Maroder Staudamm befeuert Machtkampf mit Trump

VonAxel Postinett

Der Oroville-Damm droht zu brechen. Doch Donald Trump schweigt – und unternimmt bislang nichts, um dem Golden State Hilfe des Landes zukommen zu lassen. Weil sich Kalifornien in der Einwanderungspolitik gegen ihn stellt?

Nach wochenlangem Regen ist der Oroville-Stausee an seine Belastungsgrenze gestoßen. AFP; Files; Francois Guillot

Staudamm

Nach wochenlangem Regen ist der Oroville-Stausee an seine Belastungsgrenze gestoßen.

San Francisco„Das ist keine Übung“. Der Sheriff des Bezirks Butte County in Nord-Kalifornien ließ keinen Zweifel an der Dringlichkeit seiner Anordnung. „Die sofortige Evakuierung der tiefer gelegenen Gebiete von Oroville und aller Bereiche dahinter ist angeordnet“, schrieb Cory Honea am frühen Sonntagabend per Twitter. Rund 200.000 Menschen machten sich mit dem nötigsten Gepäck auf den Weg in die Nacht. Im Fernsehen zeigten Hubschrauber-Kameras kilometerlange Staus in alle Richtungen, nur nicht nach Norden, in Richtung des Oroville-Staudamms. Denn der drohte zu kollabieren, mit unabsehbaren Konsequenzen für Menschen und Umwelt.

Was war geschehen? Nach starken Regenfällen war der zweitgrößte Stausee Kaliforniens prall gefüllt. Wasser sollte, wie in diesen Fällen üblich, über die Abflussrohre neben der Staumauer, die höher ist als die berühmte Hoover-Talsperre nahe Las Vegas, abgeleitet werden. Normalerweise eine Routinesache – aber diesmal nicht. Der Beton der Abflussrinne hatte Schaden genommen. Die Gefahr: Das reißende Wasser löst immer mehr Beton, und Wasser unterspült und durchweicht die Fundamente und irgendwann auch die Hauptmauer. Also wurde die Wassermenge deutlich gedrosselt.

Jetzt schwoll allerdings der See an und zum ersten Mal seit fast 50 Jahren schwappte das Wasser auf breiter Front über einen Notfall-Überlauf direkt neben dem Haupt-Ableitsystem. Nun ging alles ganz schnell. Das Land hinter der Überlaufrinne war nur ein kurzes Stück betoniert, danach rissen die Wassermassen den blanken Boden mit sich und der Landverlust fraß sich langsam zurück Richtung Staumauer. Sollte der Notüberlauf brechen, wäre die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten gewesen. Sheriff Honea zog die Reißleine. Die beispiellose Evakuierung, die größte seit New Orleans nach einem Hurrikan in den Fluten versank, nahm ihren Lauf.

Am Montag dann die Entwarnung. Aber nur vorläufig, wie Honea in einer Pressekonferenz betonte. Die Haupt-Ableitrohre waren trotz der Schäden wieder weit geöffnet worden und das Notsystem nun trocken. Am Dienstag durften die Anwohner zurück nach Hause. Doch sie sollen in Alarmbereitschaft bleiben, falls sich die Situation wieder ändere. Denn schon für Mittwoch sind neue Stürme angekündigt und keiner wagt zu prognostizieren, was passiert, wenn im Frühjahr die Schneeschmelze in den Bergen einsetzt.

Deshalb muss der Wasserspiegel so schnell wie möglich um 15 Meter gesenkt werden, um Spielraum zu haben. Doch das ist nicht so einfach. In 17 Stunden wurden 2.800 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Rohre geblasen und das hatte nur gut einen Meter gereicht, genug um ein Überlaufen des Sees zu verhindern.

Trumps bisherige präsidiale Anordnungen und was sie bedeuten

Obamacare

Die Gliederungen der Regierung werden angewiesen, die wirtschaftlichen Lasten durch Obamacare zu minimieren. Obamacare soll de facto abgeschafft werden. In welchem Zeitraum oder wie, lässt Trump aber offen. Er setzt eine Art ideellen Rahmen.

Einwanderung

Mehrere Erlasse sehen den Bau einer Mauer zu Mexiko vor, nehmen Flüchtlinge schützende Städte ins Visier und wollen Arrestzentren ebenso ausbauen wie die Zahl der Grenzschützer. Illegale, straffällig gewordene Einwanderer sollen sofort deportiert werden. Generelle Verhärtung der Linie gegenüber Einwanderern.

Handel

Die USA verabschieden sich aus den weiteren Verhandlungen des transpazifischen Handelsabkommens TPP. Die Anordnung ist aber eher Show, denn der Ausstieg war angekündigt und das Abkommen in den USA nicht ratifiziert. Möglicher Profiteur des US-Ausstiegs ist China.

Pipelines

Ein von Kanada kommendes Ölrohr soll ebenso weitergebaut werden wie ein Projekt in North Dakota. Beide sind milliardenschwer. Die Pipelines sind nicht nur aus Umweltgründen sehr umstritten. Es gab bereits viel Protest, Trump sticht in ein Wespennest. An dem Projekt in North Dakota beteiligte sich Trump als Unternehmer. Offen: Wann und wie und mit welcher Route weitergebaut wird.

Umwelt

Regulierungen werden abgebaut. Umweltbedenken sollen als wichtig deklarierten Infrastrukturprojekte künftig nicht mehr im Weg stehen. Herstellungsprozesse sollen schneller genehmigt werden.

Abtreibung

Ausländische Organisationen bekommen nur noch Entwicklungshilfe, wenn sie keine Abtreibungsberatung anbieten oder Abtreibungsempfehlungen aussprechen. Die Regelung wird seit 1984 jeweils im Wechsel von republikanischen Präsidenten eingesetzt und von demokratischen Präsidenten wieder aufgehoben. Für Republikaner eine wichtige Botschaft an streng christlich-religiöse Wählerschichten.

Einstellungsstopp

Bundesbehörden und Ministerien dürfen niemanden mehr einstellen. Ausgenommen ist das Militär. Trump will den Regierungsapparat, den er als aufgebläht empfindet, radikal reduzieren. Der Geltungsbereich des Erlasses ist nicht deutlich, etwa für Zivilangestellte des Militärs. Außerdem könnten durch Subunternehmer die Kosten steigen.

Amerikas Dämme sind in einem schlimmen Zustand. Die Vereinigung der Bauingenieure in den USA hatte 2013 alle Dämme untersucht und war zu einem vernichtenden Urteil gekommen. Es gab ein „D“ als Schulnote, ein „mangelhaft“. Dahinter kommt nur noch das „F“, „ungenügend“.

Laut der Untersuchung waren die Dämme damals im Schnitt 52 Jahre alt. 2020 werden 70 Prozent aller Dämme älter als 50 Jahre sein. Oroville war 1968 in Dienst gestellt worden, gehört also in die alternde Kategorie. 13.991 Stauwerke sind in die Hochrisikoklasse eingestuft – so wie Oroville. Sie besagt, dass bei einem Unfall Menschenleben auf dem Spiel stehen. Deshalb sind sie besonders sicher gebaut. 12.662 gelten als „erheblich gefährlich“, beim Einsturz entstünde wirtschaftlicher Schaden, aber keine Gefahr für Menschen. Für den Rest der insgesamt 84.000 Bauwerke besteht lediglich „geringe Gefahr“, es gibt also praktisch nur nasse Füße.

Doch das Problem: Durch zunehmend dichtere Besiedlung werden mit der Zeit Dämme, die früher als risikoarm eingestuft wurden, auf einmal zu Hochrisiko-Strukturen, obwohl sie nie dafür ausgelegt waren. Sie müssen nun besonders sorgfältig gewartet und überwacht werden.

Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

15.02.2017, 08:15 Uhr

Bundeskanzler Schröder ist seinerzeit bei einer Überflutung in D mit Gummistiefeln auf den Dämmen spazieren gegangen. Ich vermute dass dadurch kein Keller vor dem Wasser verschont geblieben ist. Die Wähler fanden das grossartig und hatten seinerzeit Fr. Merkel einen Korb gegeben.
Rein praktisch dürfte ein Besuch der Person Trump keinen Einfluss auf das Halten/Brechen des beschädigten Stausees in Kalifornien haben. Kalifornien dürfte genug Resourcen haben um zu tun was man tun kann. Ein Auftritt könnte sein Image als Macher stärken.

Kalifornien hat sich in der Tat mit seiner Politik in eine herausfordernde Situation gebracht. Eine Masseneinwanderung in einen Bundesstaat mit unzureichender Wasserversorgung erscheint nicht sinnvoll. Die Stromversorgung Kaliforniens ist durch ökoreligiöse Visionen in einem kritischen Zustand. Sie hängt an den Nachbarstaaten und deren Kohlekraftwerken.

Account gelöscht!

15.02.2017, 08:20 Uhr

Wird euch das nicht langsam selbst zu blöd...alles Trump in die Schuhe schieben zu wollen?
Macht Trump etwas, passt es nicht. Macht Trump nichts, passt es auch nicht.
Wollte ihr "Qualitätsmedien" dieses Trump Bashing wirklich 4 Jahre durchhalten....dann viel Spaß dabei...es wird Trump nur noch stärker machen und das US Volk wird noch mehr hinter Trump stehen.

Frau ke Schludewig

15.02.2017, 08:26 Uhr

23.08.2016 im Handelsblatt:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/katastrophenhilfe-obama-besucht-das-ueberflutete-louisiana/14447258.html

"Obama musste Kritik einstecken für seinen späten Besuch im überfluteten Louisiana. Selbst Trump meckerte: Golfen sei wohl wichtiger gewesen? Der Präsident spendet Trost und verspricht unbürokratische Hilfe. "

Also jetzt mal nur kein Stress gegen Trump machen :) Noch steht der Staudamm ....

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