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22.11.2013

13:25 Uhr

Initiative 1:12 in der Schweiz

Staatlicher Deckel gegen Gehalt-Exzesse

VonHolger Alich

Die Schweiz stimmt am Sonntag über eine Begrenzung für Gehälter in Unternehmen ab. Darin sehen Befürworter eine demokratische Antwort auf die Abzocker-Löhne – andere fürchten den „Beginn eines staatlichen Lohndiktats“.

Mit solchen Plakaten – wie hier am Hauptbahnhof in Basel – wirbt die Initiative für die Einführung einer gesetzlichen Gehaltsbremse. dpa

Mit solchen Plakaten – wie hier am Hauptbahnhof in Basel – wirbt die Initiative für die Einführung einer gesetzlichen Gehaltsbremse.

Zürich„1:12“ lautet die knackige Forderung, die derzeit überall in den Innenstädten von Zürich, Luzern, Bern auf Plakaten prangt. Nach der Initiative der Schweizer Jung-Sozialisten soll niemand in einem Unternehmen mehr als das Zwölffache verdienen dürfen, was der am schlechtesten Bezahlte bekommt. An diesem Sonntag stimmen die Eidgenossen über diese Verfassungsregel ab – sie würde die Lohnfestsetzung in weltweit einmaliger Weise ändern.

Schon im Frühjahr hat eine Volksabstimmung weltweite Strahlkraft entwickelt: Im März nahmen die Schweizer mit zwei Drittel Mehrheit die so genannte „Abzocker-Initiative“ an, der zufolge die Managerlöhne künftig zwingend von den Aktionären auf der Hauptversammlung genehmigt werden müssen.

Selbst die deutsche Bundesregierung ließ sich von der Abzocker-Initiative inspirieren und legte einen Gesetzesentwurf vor, dem zufolge ebenfalls künftig die Aktionäre zwingend über die Vergütung abstimmen sollen. Zunächst stoppten die Sozialdemokraten das Vorhaben im Bundesrat; jetzt haben sie eine Kehrtwende vollzogen und wollen das Vorhaben in der Großen Koalition wieder beleben.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Den Schweizer Jungsozialisten reicht die Aktionärsabstimmung aber nicht. „Uns geht es um echte Demokratie, und nicht um Aktionärsdemokratie“, sagt Marco Kistler, der bei den Jungsozialisten die 1:12-Initiative mit aus der Taufe gehoben hat.

Mitte November in Meilen, einem Vorort Zürichs an der Goldküste. Draußen flirtet das Thermometer mit der Null-Linie. Drinnen in der Schulaula erhitzen sich die Gemüter. An einem Montagabend sind rund 60 Bürger ins Schulzentrum gekommen, um mit Heinz Karrer, dem Präsidenten des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse, und 1:12-Erfinder Marco Kistler über den Lohndeckel zu diskutieren.

„Unsere Initiative ist die demokratische Antwort auf die Abzocker-Löhne“, eröffnet Kistler die Debatte. „Das wäre der Beginn eines staatlichen Lohndiktats“, hält ihm Heinz Karrer von Economiesuisse entgegen. Der Ton ist freundlich, jeder lässt den anderen ausreden, doch in der Sache schenken sich die Kontrahenten nichts.

Kommentare (18)

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DerTaoist

22.11.2013, 13:53 Uhr

Genauso wie ich mir in Deutschland einen Mindestlohn von 10,- € wünschen würde, würde ich mir in der Schweiz diese Deckelung nach oben wünschen sowie dass sie damit Vorbild für andere Länder werde. Argumente dafür gibt es im Artikel genug. Wenn vor 30 Jahren ein Verhältnis von 1:6 funktioniert hat, würde es das grundsätzlich heute ebenfalls. Die Leute sind ja nicht auf einmal so viel intelligenter geworden, dass sie heute Dinge vermögen, die sie damals nichtzu tun vermochten.

SelbstOptimierer

22.11.2013, 13:53 Uhr

is doch schön zu sehen ,daß der eine,zetzsche,in zehn minuten soviel verdient ,wie sein facharbeiter im ganzen monat

wir leben halt in ner leistungsgesellschaft,da können sich vorstände unter den wachen augen der aufsichtsräte,die für 5 - 10 tage auch ein paar hunderttausend,wenns reicht, bekommen,alles rausnehmen

is das ein glückserleben.....

vandale

22.11.2013, 14:00 Uhr

In der Schweiz gibt es das demokratische Element der Volksabstimmungen. Linke und Rechte lancieren diese.

Man hat sich entschieden nicht der EU beizutreten.

Man hat über Minarette abgestimmt und die Schweizer meinten, dass man in der Schweiz keine Minarette benötigt.

Man hat über kriminelle Ausländer abgestimmt und die Schweizer meinten, dass diese besser in der Heimat aufgehoben sind. Aufgrund diverser "Menschenrechte" haben die Politiker das Abstimmungsergebnis nicht umgesetzt.

Auch Linke und Kommunisten haben immer wieder Initiativen lanciert. Man wollte den privaten Waffenbesitz limitieren - abgelehnt. Man wollte 30 Tage Urlaub einführen - abgelehnt.

Es ist wahrscheinlich, dass die 1:12 Iniatiative der Linken abgelehnt wird.

Schön ist das die Linken die Bürgerlichen mit solchen Initiativen auf Trab halten. Diese müssen sich immer wieder politisch engagieren. Dadurch rutscht das Land nicht so schnell nach links wie D.

Vandale

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