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02.08.2016

19:09 Uhr

Innen- und Außenspionage

Türkische Regierung will Geheimdienst aufsplitten

Nach dem Putschversuch ist auch der Geheimdienst der Türkei in die Kritik geraten. Die Türkei will ihn nun aufsplitten in Innen- und Außenspionage. Die Polizei soll künftig dem Innenministerium direkt Bericht erstatten.

Geheimdienstchef Fidan soll Stunden vor dem Putschversuch über die anstehende Revolte informiert gewesen sein. AP

Recep Tayyip Erdogan und Hakan Fidan

Geheimdienstchef Fidan soll Stunden vor dem Putschversuch über die anstehende Revolte informiert gewesen sein.

IstanbulDie türkische Führung will die Spionage im Inland und im Ausland einem Bericht zufolge künftig voneinander trennen. Wie die Zeitung „Hürriyet“ am Dienstag berichtete, soll der Nachrichtendienst MIT in einen Inlands- und einen Auslandsgeheimdienst aufgesplittet werden. Bei der Einheit für das Ausland soll demnach außerdem eine Koordinierungsstelle für beide Sektionen eingerichtet werden, die zusätzlich noch eigene Geheimdienstanalysen erstellt.

Der Geheimdienst war im Zuge des gescheiterten Militärputsches in der Türkei vor zweieinhalb Wochen in die Kritik geraten. So soll Geheimdienstchef Hakan Fidan Stunden vor dem Umsturzversuch über die anstehende Revolte informiert gewesen sein. Er soll Präsident Recep Tayyip Erdogan, der seitdem massiv gegen die vermeintlichen Putschisten und ihre Verbündeten vorgeht, aber nicht darüber informiert haben.

Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus hatte am Montag gesagt, eine Umstrukturierung der Geheimdienstaktivitäten der Türkei stehe „auf der Agenda“. Der Zeitung Hürriyet zufolge sollen sich nun Polizei und Gendarmerie um die inneren Angelegenheiten kümmern und direkt dem Innenministerium Bericht erstatten. Der Auslandsgeheimdienst soll der Präsidentschaft verpflichtet sein. Erdogan hatte bereits am Wochenende angekündigt, den MIT unter seine Kontrolle stellen zu wollen.

Seit dem gescheiterten Putsch geht die türkische Führung massiv gegen Militärangehörige, Staatsbedienstete, Journalisten und Wissenschaftler vor, die der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen nahestehen sollen. Diesen macht Ankara für den Putschversuch verantwortlich, der in den USA lebende Prediger weist das aber zurück.

Am Dienstag schien auch das Gesundheitssystem ins Visier der türkischen Führung zu rücken. Gegen rund hundert Angestellte des größten Militärkrankenhauses in Ankara seien Haftbefehle ausgestellt worden, erklärte ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, darunter auch gegen Ärzte.

Der Sender NTV berichtete ebenfalls von Polizeirazzien zu diesem Zweck in der Militär-Medizinischen Akademie Gülhane. Der Regierungsvertreter sagte dazu, dem Klinikpersonal werde vorgeworfen, Gülen-Anhängern den Eintritt in die Armee und den dortigen Karriereaufstieg erleichtert zu haben, indem vorteilhafte Gesundheitszeugnisse ausgestellt worden seien.

Von

afp

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