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11.03.2006

11:59 Uhr

Innenminister Sarkozy beendet Urlaub

Krawalle nach Besetzung der Pariser Sorbonne

Mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas hat die französische Polizei am Samstagmorgen die erste gewaltsame Besetzung der Pariser Sorbonne-Universität durch Studenten seit den Mai-Unruhen 1968 beendet.

HB PARIS. Hunderte von Studenten errichteten zeitweilig auf den Straßen Barrikaden, bewarfen die Beamten mit Stühlen und Feuerlöschern und demolierten eine McDonald's-Filiale. Innenminister Nicolas Sarkozy verkürzt wegen der Unruhen seine Karibikreise.

Die Studenten wollten mit der Besetzung erreichen, dass die Regierung eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger auf zwei Jahre zurücknimmt. Jede zweite Universität wird deswegen bestreikt oder blockiert, darunter die Symbole der 68er Unruhen, Sorbonne und Nanterre. Anders als vor 38 Jahren haben die Studenten keine gesellschaftlichen Utopien oder revolutionären Forderungen. Sie werden zwar von den oppositionellen Linksparteien unterstützt, lassen sich von ihnen aber nicht vereinnahmen. Der sozialistische Senator Jean-Luc Mélenchon wurde am Freitagabend aus der Sorbonne gedrängt. Bildungsminister Gilles de Robien sprach am Samstag von einer „Wende zur Gewalt“, die er nicht hinnehmen werde. Eine kleine radikale Minderheit zerstöre „in langen Jahrhunderten aufgebautes nationales Erbe“ und schicke junge Leute auf die Straße, die sich der Tragweite ihrer Taten gar nicht bewusst sei. Sie schreckten nicht einmal davor zurück, Behinderte auf der Treppe umzustoßen. Damit spielte Robien auf einen Vorfall an, bei dem eine gehbehinderte Studentin unter ungeklärten Umständen gestürzt war.

Die Studenten wollen den Druck aufrechterhalten, bis Premierminister Dominique de Villepin seine Reform des Arbeitsrechts zurückzieht. Ihr nächster nationaler Protesttag ist für kommenden Samstag geplant. Auch die Gewerkschaften planen nach zwei Aktionstagen weitere Streiks und Kundgebungen.

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