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16.09.2012

13:21 Uhr

Inselkonflikt

Japan fürchtet um seine Staatsbürger in China

Die anti-japanischen Proteste haben ein so großes Ausmaß angenommen, dass Japan nun mit scharfen Tönen auf die chinesische Propaganda reagiert. Es gibt inzwischen Zweifel, wie spontan der Proteststurm wirklich ist.

Chinesische Demonstranten in Peking. AFP

Chinesische Demonstranten in Peking.

Peking/TokioIm Konflikt um eine von Tokio und Peking beanspruchte Inselgruppe sind am Wochenende in China Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Bei den Protesten in rund 50 Städten am Samstag gab es Angriffe auf japanische Unternehmen und auch am Sonntag wurden Ausschreitungen gemeldet. Der Streit um das Archipel nördlich von Taiwan hatte sich in der vergangenen Woche nach dem Kauf mehrerer der Inseln durch den japanischen Staat zugespitzt.

Vor Japans Botschaft in Peking skandierten tausende Demonstranten anti-japanische Parolen, sangen die chinesische Nationalhymne und bewarfen das Botschaftsgebäude mit Flaschen. In Shenzhen gab es laut dem Sender Cable TV Zusammenstöße mit der Polizei und in Guangzhou stürmte eine Menge von rund tausend Menschen ein Hotel neben dem japanischen Konsulat. Auch in Shanghai protestierten mehr als tausend Menschen vor dem Generalkonsulat.

Während in China Demonstrationen sonst von der Polizei oft rasch aufgelöst werden, wurden die Proteste am Wochenende von den Sicherheitskräften begleitet. Nutzer chinesischer Internetforen äußerten Zweifel, dass die Proteste ganz spontan waren. Am Samstag hatten nach japanischen Medienangaben rund 40.000 Chinesen landesweit in rund 50 Städten gegen Japan demonstriert. Die Menge griff dabei auch wiederholt japanische Autos, Restaurants und Unternehmen an.

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda rief China am Sonntag auf, die Sicherheit der Bürger seines Landes zu garantieren. "Die Situation ist eine große Enttäuschung für uns, und deshalb protestieren wir", sagte Noda im japanischen Fernsehen. "Wir möchten, das China die Lage überwacht, so dass japanische Bürger und Unternehmen in China nicht gefährdet sind." Zugleich gab sich Noda zuversichtlich, dass eine Lösung des Streits möglich sei.

Die umstrittene Inselgruppe, die in China Diaoyu und in Japan Senkaku heißt, liegt rund 200 Kilometer von Taiwan und rund 2.000 Kilometer von Tokio entfernt. Vier der fünf Inseln sind bislang in japanischem Privatbesitz, eine gehört der Stadt Tokio. Die japanische Regierung beschloss in der vergangenen Woche den Kauf von drei Inseln. Die Inselgruppe ist von strategisch wichtiger Bedeutung, zudem werden auf dem Meeresboden Öl- und Gasvorkommen vermutet.

Im Streit um die Inselgruppe hatte China am Freitag mit der Entsendung von sechs Patrouillenbooten zu dem Archipel scharfen Protest aus Tokio provoziert. Der chinesische Rundfunk berichtete am Sonntag, diese Woche wollten rund tausend chinesische Fischerboote in die Gegend um die Inseln fahren. Am Dienstag, dem Jahrestag des sogenannten Mukden-Zwischenfalls 1931, der die Besatzung der Mandschurei durch Japan auslöste, drohen weitere Proteste.

Unterdessen gab das japanische Außenministerium den Tod des designierten Botschafters für Peking bekannt. Shinichi Nishimiya sei am Sonntag in einem Krankenhaus in Tokio gestorben, nachdem er am Freitag auf der Straße zusammen gebrochen war. Der Tod von Nishimiya, der erst vor wenigen Tagen für den Posten in Peking ernannt worden war, habe nichts mit dem Streit um die Inseln zu tun, betonte das Außenministerium.

Von

afp

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