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03.10.2012

10:17 Uhr

Inselstreit

Chinesische Banken sagen IWF-Tagung in Japan ab

Nächste Woche findet die IWF-Jahrestagung in Tokio statt. Wegen des Inselstreits mit Japan haben mehrere chinesische Großbanken ihre Teilnahme abgesagt. IWF-Chefin Lagarde fordert beide Länder zu gemeinsamem Handeln auf.

Die umstrittenen Inseln im ostchinesischen Meer. dapd

Die umstrittenen Inseln im ostchinesischen Meer.

TokioEtliche chinesische Großbanken haben einem Medienbericht zufolge ihre Teilnahme an der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in der nächsten Woche in Tokio abgesagt. Hintergrund sei der Inselstreit zwischen China und Japan, berichtet das "Wall Street Journal" am Mittwoch. Zu den Kreditinstituten, die das Treffen boykottieren wollten, zählten die Agricultural Bank of China und die Bank of Communications. China und Japan streiten um eine unbewohnte Inselgruppe nordöstlich von Taiwan, in deren Gewässern Gasvorkommen vermutet werden. Der Konflikt hat sich verschärft, nachdem die japanische Regierung kürzlich trotz Warnungen aus Peking einen Teil der Inselgruppe von einem privaten japanischen Besitzer gekauft hatte.

IWF-Chefin Christine Lagarde appellierte an China und Japan, sich auf Wirtschaftsthemen zu konzentrieren. Mit Blick auf den Streit zwischen beiden Ländern sagte Lagarde laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo, Japan und China seien zwei "wichtige Volkswirtschaften, die sich nicht von Grenzstreitigkeiten ablenken lassen" dürften. "Der aktuelle Zustand der Weltwirtschaft braucht das gesamte Engagement Japans und Chinas", ergänzte sie.

Die friedliche Koexistenz von Nachbarstaaten erfordere "ein gewisses Maß an Toleranz", sagte Lagarde, die in der kommenden Woche zu der Jahrestagung in Tokio reisen will. Ihr wichtigstes Ziel sei es, dass die teilnehmenden Länder "entschlossen sind, zusammenzuhalten und gemeinsam zu handeln, um die Krise zu überwinden und den Aufschwung zu fördern". Japan und China beanspruchen wie auch Taiwan eine unbewohnte Inselgruppe. Zwischen Tokio und Peking eskalierte der Streit, als die japanische Regierung einige der Inseln, die bis dahin im Privatbesitz waren, kaufte.

Der Streit hatte bereits Konsequenzen für die Wirtschaft. In den vergangenen Wochen gingen die Verkäufe japanischer Waren in China zurück, gleichzeitig errichtete China schärfere Kontrollen für japanische Waren, die in chinesischen Häfen eintrafen. Japanische Konzerne stellten wegen Protesten gegen Japaner und japanische Produkte vorübergehend die Produktion in Fabriken in China ein. Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtete am Mittwoch, mehrere große chinesische Banken hätten ihre Teilnahme an dem Treffen von IWF und Weltbank abgesagt.



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