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04.12.2013

15:25 Uhr

Inselstreit mit Japan

China als Fabrikstandort weniger attraktiv

Der Inselstreit zwischen China und Japan zeigt Auswirkungen: Für japanische Hersteller ist die Volksrepublik nicht mehr so interessant wie zuletzt. Ein Drittel der Firmen gab an, die Sicherheitslage bereite ihnen Sorgen.

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind wegen des Streits über eine von beiden Ländern beanspruchte unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer angespannt: Die Senkaku- (japanisch) beziehungsweise Diaoyu-Inseln (chinesisch). ap

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind wegen des Streits über eine von beiden Ländern beanspruchte unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer angespannt: Die Senkaku- (japanisch) beziehungsweise Diaoyu-Inseln (chinesisch).

TokioDer Inselstreit und steigende Arbeitskosten machen China für japanische Hersteller als Produktionsstandort weniger attraktiv. Erstmals seit Erscheinen einer entsprechenden Umfrage der japanischen Bank für internationale Zusammenarbeit im Jahr 1992 landete die Volksrepublik nicht auf dem ersten Platz. Stattdessen rutschte sie auf Rang vier ab.

Die ersten drei Plätze nahmen Indonesien, Indien und Thailand in der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung ein. Während vergangenes Jahr noch fast zwei Drittel der Befragten Asiens größte Volkswirtschaft als vielversprechendste Region in den kommenden drei Jahren sahen, vertraten diesmal nur noch 37,5 Prozent diese Auffassung.

Befragt wurden zwischen Juli und September 625 Firmen, die mindestens an einer Produktionsstätte außerhalb Japans beteiligt sind. Etwas mehr als drei Viertel der Befragten äußerten Bedenken wegen steigender Arbeitskosten in China. Fast ein Drittel gab an, die Sicherheitslage und soziale Instabilität bereiteten ihnen Sorgen.

Der lange Streit um die Senkaku/Diaoyu-Inseln

1895

Der Streit um einige unbewohnte Felseninseln im Ostchinesischen Meer hat eine lange Geschichte. Die von den Japanern Senkaku und den Chinesen Diaoyu genannten Inseln standen seit Chinas Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg 1895 unter der Kontrolle Tokios. Nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA verwaltet, gingen sie mit der Rückgabe Okinawas wieder an Japan.

1972

Die Senkaku-Inseln gehen an Japan zurück. Da China uralte Ansprüche auf das Territorium geltend macht, sorgt die Inselgruppe bis heute für Streit.

1996

Tokio richtet eine 200-Seemeilen-Wirtschaftszone ein, die die umstrittenen Inseln miteinschließt. Vorausgegangen war ein Streit um vermutete Erdölvorkommen. Die Spannungen verschärfen sich, als japanische Nationalisten auf einer der Inseln einen Leuchtturm errichten. Bei einer Protestaktion stirbt ein chinesischer Aktivist.

1998

Die chinesischen Proteste gehen weiter. Boote der japanischen Küstenwache versenken ein Schiff mit Demonstranten aus Hongkong, China und Taiwan.

2004

Die Japaner nehmen sieben chinesische Aktivisten fest, die per Boot zu den Inseln gefahren waren, um Chinas Territorialansprüche zu unterstreichen. Nach Protesten Pekings kommen sie wieder frei.

2008

Wegen Verletzung seiner Hoheitsgewässer durch zwei chinesische Forschungsschiffe legt Tokio bei der chinesischen Regierung Protest ein. Peking weist den Protest zurück.

2010

Die japanische Küstenwache bringt ein Fischerboot in Nähe der umstrittenen Inseln auf und leitet ein Strafverfahren gegen den Kapitän ein. Nach heftigem Protest aus Peking kommt er wieder frei.

2012

Der Streit um die Inseln droht erneut zu eskalieren: Peking schickt Kriegsschiffe zu dem Archipel, um den chinesischen Anspruch zu untermauern. Zuvor hatte Tokio angekündigt, drei der Inseln zu kaufen, die einem japanischen Geschäftsmann gehören. Damit will die Regierung verhindern, dass die Inseln von japanischen Nationalisten erworben werden. In China kommt es zu japanfeindlichen Protesten.

2013

Die Fronten verhärten sich weiter. Mehrmals überfliegen chinesische Militärmaschinen das Gebiet. Chinesische und japanische Schiffe fordern sich gegenseitig auf, die von ihnen beanspruchten Gewässer zu verlassen.

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind wegen des Streits über eine von beiden Ländern beanspruchte unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer angespannt. Im vergangenen Jahr kam es sogar zu einem Boykott japanischer Waren und antijapanischen Protesten in China.

Von

rtr

Kommentare (1)

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orakel

04.12.2013, 16:58 Uhr

Japan könnte den Spies umdrehen und Produktion im kleinen bis mittelgroßen Umfang von China abziehen und zb. nach Indonesien oder Indien verlagern.

Auch dort bestehen wegen Marktpotential bzw niedriger
Löhne große Chanchen für japanische Firmen.

Spätestens bei den realisierten Verlustzahlen wegen des
jap. Exoduses würde den Chinesen dämmern, daß militärischer Druck und allgemeine wirtschaftliche Drohungen durchaus ein unerwartetes Verlustergebnis bringen können.

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