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09.03.2012

01:46 Uhr

Insiderinformation

Hedge-Fonds könnten bei Anleihen Kunstgriff nutzen

Die Umschuldung Griechenlands ist fast eingeläutet. Aus informierten Kreisen verlautet, Hedge-Fonds wollen angeblich bestimmte Fälligkeits-Klauseln aktivieren. So kämen sofortige Zahlungsforderungen auf Athen zu.

Ein Rechtstrick mit Konsequenzen für Griechenland dpa

Ein Rechtstrick mit Konsequenzen für Griechenland

London Mit einem juristischen Kunstgriff wollen einige Hedge-Fonds sich nach Informationen von Insidern der Umschuldung Griechenlands entziehen. Die Investoren hätten eine Möglichkeit entdeckt, die Regierung in Athen zur vollen Auszahlung bestimmter Schuldtitel zu zwingen, verlautete am Donnerstag von drei mit der Sache vertrauten Personen. Dies werde zwar den Schuldenschnitt in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro nicht behindern, könne Griechenland aber zu empfindlichen Zahlungen nötigen.

Den Kreisen zufolge geht es konkret um eine Anleihe der staatlichen Eisenbahn, die von der griechischen Regierung garantiert wird. Darin gibt es demnach eine Klausel, nach der die Gläubiger einen Zahlungsausfall feststellen können, wenn der Schuldner eine Umschuldung anstrebt. Dies eröffne den Bond-Besitzern die Möglichkeit, eine sofortige Auszahlung zu verlangen.

Diesen Prozess einer vorzeitigen Fälligkeit könnten die Hedge-Fonds bereits am Freitag oder nächste Woche starten, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Fonds sich einen ausreichenden Anteil an dem Eisenbahn-Bond gesichert haben, der ein Volumen von 412,5 Millionen Euro hat und eine Laufzeit bis 2013. Denn nur dann können sie nicht von einer Mehrheit anderer Bond-Besitzer gezwungen werden, sich an der Umschuldung zu beteiligen.

Das Vorgehen der Hedge-Fonds könnte den Kreisen zufolge dazu führen, dass auch bei anderen griechischen Eisenbahn-Anleihen Klauseln zum Tragen kommen. Dann könnte Athen mit sofortigen Zahlungsforderungen von insgesamt drei Milliarden Euro konfrontiert werden, hieß es.

Um eine volle Auszahlung zu erreichen, versuchen Hedge-Fonds ihre Positionen in Hellas-Anleihen auszubauen, die nach investorenfreundlicherem ausländischen Recht aufgelegt sind. Die Bonds nach griechischem Recht hingegen ermöglichen es Athen, sogenannte Umschuldungsklauseln (CACs) in den Anleihenverträgen zu aktivieren und damit den Gläubigern ihr Angebot für den geplanten Tausch von Schuldtiteln aufzwingen.

Etwa 15 Prozent der griechischen Anleihen über insgesamt 206 Milliarden Euro, die von privaten Gläubigern gehalten werden, wurden nach ausländischem Recht begeben. Die endgültigen Verhandlungen über den Schuldentausch bei Anleihen nach ausländischen Recht sind für Ende März geplant.

Insgesamt beteiligen sich 85,8 Prozent der privaten Gläubiger an dem Schuldenschnitt. Die angestrebte Marke von 90 Prozent wurde verfehlt, womit sich eine Finanzlücke von rund fünf Milliarden Euro ergibt. Um sie zu schließen, will die Regierung die widerspenstigen Investoren nun zum Tausch ihrer alten in neue Bonds zwingen - möglicherweise mit Ausnahme einiger Eisenbahn-Anleihen, sollten die Hedge-Fonds das erfolgreich durchfechten.

Von

rtr

Kommentare (5)

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svebes

09.03.2012, 06:56 Uhr

Klar, dass diese Hedgefonds alles versuchen. Kein Aas stinkt genug als das diese Geier nicht noch versuchen würden etwas abzunagen. Notfalls stossen die Wankende auch mal eben über die Klippe - rentiert sich eben. Die Möglichkeit diese Anlageform in die Schranken zu weisen / verbieten wurde ja nach dem Chrash auch elegant vergessen. Bei unseren Politikern weiss man eben was man hat. Banken und Finanzhörige eben. Wird ja spannend wenn die neue DB " Führungsriege " dann Merkel und SChäubke einflüstert wo es lang geht.

Euro-Payer

09.03.2012, 07:34 Uhr

Man kann ja durchaus moralisch argumentieren. Allerdings verwechseln Sie hier Ursache und Wirkung. Die Unmoral sich extrem über die eigenen Verhältnisse verschuldet zu haben liegt bei Griechenland und nicht den Gläubigern. Wenn die Gläubiger vertraglich geregelte Klauseln einfordern ist das nur recht und billig! Und last not least: Hedgefonds sind nicht per see Schlecht oder gar "Heuschrecken". Sie müssen nur - genau wie alle anderen Spieler am Finanzmarkt - von der Finanzaufsicht erfaßt und kontrolliert werden. Hier hat wieder mal die Politik versagt.

mitdiskutierer

09.03.2012, 07:49 Uhr

Eine Eisenbahnanleihe ist ja wohl wieder ein neues Themenfeld, man darf nicht alles vermischen.
Staatliche Kontrolle der Kapitalmärkte macht übrigens wenig Sinn: Die Finanzkrisen wurden damit befördert; erst haben die Versicherungen staatlich reguliert Immobilienpapiere (AAA-Rating)aus USA gekauft, die hinterher wertlos waren, dann haben die Banken Griechenanleihen (AAA-Rating) staatlich reguliert gekauft, die hinterher weniger wert waren. Solche staatlich regulierten Investments waren schuld an den Finanzkrisen. Hedgefonds handeln unabhängig, weisen ihre Anleger klar darauf hin, dass sie höhere Risiken eingehen, und fast alle Hedgefonds haben in der Finanzkrise 2008 an Wert verloren und sind damit auch regulierungsgeschädigt.

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