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09.12.2013

11:56 Uhr

Institut WSI

In 12 der 28 EU-Länder drohen Reallohnverluste

Lange Zeit waren sinkende reale Arbeitseinkommen ein deutsches Phänomen – nun erfasst der Trend auch weite Teile Europas. In zwölf von 28 EU-Ländern droht ein Verlust der Kaufkraft.

Europaweit drohen Arbeitnehmern Reallohnverlsute. Besonders drastisch ist die Entwicklung demnach in einigen Ländern Südeuropas. Michael S. Schwarzer

Europaweit drohen Arbeitnehmern Reallohnverlsute. Besonders drastisch ist die Entwicklung demnach in einigen Ländern Südeuropas.

BerlinIn zwölf der 28 Euro-Staaten droht den Arbeitnehmern in diesem Jahr ein Verlust der Kaufkraft. „Sinkende reale Arbeitseinkommen waren lange Jahre ein deutsches Phänomen“, schrieb das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in seinem am Montag veröffentlichten Tarifbericht. „Inzwischen hat der Negativ-Trend jedoch einen großen Teil Europas erfasst.“ 2012 habe es sogar in 20 EU-Staaten sinkende Reallohnverluste gegeben. Im EU-Schnitt seien die Löhne nach Abzug der Inflation um 0,7 Prozent gesunken. Deutschland gehöre dagegen inzwischen wieder zu den Ländern mit einem merklichen Kaufkraftgewinn.

Besonders drastisch ist die Entwicklung demnach in einigen Ländern Südeuropas. Für Griechenland prognostiziert das Institut für dieses Jahr einen Rückgang der Reallöhne um 6,2 Prozent, für Zypern sogar von 8,5 Prozent. „Aber auch in den Niederlanden, Großbritannien oder Irland drohen den Beschäftigten wieder reale Lohnverluste, zum Teil im vierten Jahr hintereinander“, schrieben die WSI-Forscher. Sie machen dafür staatlichen Eingriffe in die Lohnpolitik mitverantwortlich, „vor allem Lohnstopps und Lohnkürzungen im öffentlichen Sektor und Einschnitte beim Mindestlohn“.

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Besser sieht es in Deutschland aus. Die EU-Kommission rechnet für 2013 mit einem Reallohnplus von 0,6 Prozent. „Deutschland gehört zu den wenigen EU-Ländern, deren Beschäftigte im Durchschnitt seit 2010 inflationsbereinigt spürbare Lohnzuwächse verzeichnen“, erklärte das WSI. Allerdings sei mit einer Reallohnsteigerung von insgesamt 2,8 Prozent bislang nur knapp die Hälfte der Einbußen ausgeglichen worden, die zwischen 2001 und 2009 aufgelaufen waren. In diesem Zeitraum sei Deutschland der einzige EU-Staat mit sinkenden Reallöhnen gewesen. Sie schrumpften in dieser Zeit um 6,2 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.12.2013, 12:18 Uhr

Zitat : Besser sieht es in Deutschland aus. Die EU-Kommission rechnet für 2013 mit einem Reallohnplus von 0,6 Prozent. „Deutschland gehört zu den wenigen EU-Ländern, deren Beschäftigte im Durchschnitt seit 2010 inflationsbereinigt spürbare Lohnzuwächse verzeichnen“, erklärte das WSI

- aber nur wenn man die "PHATASIE-INFLASTION" des Eurostats von 1,5 % in die Berechnung mit einfließen lässt !

- legt man die REALE INFLATION von ca. 7 % zugrunde, bricht dieses Märchen auch gleich zusammen !

http://www.wissen-abstrakt.de/geld-und-die-wahre-inflation.html

http://pravdatvcom.wordpress.com/2013/12/04/kraftiger-anstieg-lebensmittel-werden-schneller-teurer/

Account gelöscht!

09.12.2013, 13:00 Uhr

....außer Deutschland
Selten so bitter gelacht.
Galube keiner Statistik, außer Du hast diese selbst
erstellt.(gefälscht)

spd

09.12.2013, 13:07 Uhr

Die Inflation für die lebenswichtigen Dinge liegt in Deutschland bei über 7 %! Da sollen Arbeitnehmer und Rentner mehr bekommen haben??? Wie geht das denn? Allein Strom, Energie, kommunale Abgaben fressen große Löcher in den Geldbeutel. Obendrein die teuren Lebensmittel. Die Errechner der Inflation haben nie Rechnen gelernt!

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