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28.10.2011

20:45 Uhr

Inszenierte Politik

Putins Furcht vor Volkes Nähe

VonFlorian Willershausen

In Russland wächst die paranoide Angst vor dem Fußvolk. Jeder Auftritt von Putin und Medwedjew folgt einem Drehbuch, der Zugang der Medien wird beschränkt. Die politische Elite entfremdet sich von der Gesellschaft.

In der russischen Politik bleibt nichts dem Zufall überlassen. dapd

In der russischen Politik bleibt nichts dem Zufall überlassen.

MoskauDiesseits der Kreml-Mauer wissen nur wenige Eingeweihte, wie groß die Kreativ-Abteilung der russischen Präsidialverwaltung tatsächlich ist. Doch es bedarf eines Regiments an Regisseuren und Drehbuchautoren, um die Reisen von Regierungschef Wladimir Putin und dessen Präsidenten Dmitrij Medwedjew minuziös vorzubereiten.

In der russischen Politik bleibt nichts dem Zufall überlassen. Egal, ob der Premier auf Baustellen im Fernen Osten reist oder der Präsident das Bolschoi Theater in Moskau besucht – schon Wochen vorher kreuzen die Choreographen der Macht auf, um nach linientreuen Statisten zu fahnden, die später im Staatsfernsehen mit den Spitzenpolitikern auftreten. Die täglichen Inszenierungen bedeuten einen enormen Aufwand: In jeder Nachrichtensendung sind für Putin und Medwedjew pro Tag zumeist zehn Minuten reserviert.

Nun ist die Inszenierung politischen Handelns weder ein neues noch ein spezifisch russisches Phänomen, ja unterm Strich auch nicht illegitim. In Deutschland galt Gerhard Schröder als Medienkanzler, in Russland hat es Premier Putin nach anfänglichen Schwierigkeiten verstanden, sich als patriarchalischen Herrscher zu inszenieren, der vor Kraft strotzt und den Russen nach Krisenjahren Stabilität und Sicherheit garantiert.

Aber nun Putins PR-Apparat plötzlich an zu stottern: Zum einen werden die Drehbücher der russischen Machtchoreographen immer häufiger zerrissen – zu profan wirken die Manipulationsversuche, die dahinter stehen. Zum anderen sind die Inszenierungen längst weniger Kunst als Wahn. Damit geht die Isolation von der Realität mit all ihren Unwägbarkeiten einher: Politik findet in einem klinisch sterilen Umfeld statt, was die Authentizität des politischen Theaters zusätzlich minimiert – und nebenbei Journalisten verprellt, die als Multiplikatoren relevant sind.

Kommentare (4)

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Wutbuerger

28.10.2011, 23:00 Uhr

Unser Bundeszanzler ist viel volksnäher als Putin. Überhaupt ist die BRD viel weiter fortgeschritten ist Rußland.

"... die beiden Bundestagsabgeordneten Barthl Kalb und Ernst Hinsken, Landrat Christian Bernreiter, Europa-Abgeordneter Manfred Weber, dritter Bürgermeister Christian Moser und der stellvertretende Landrat Peter Erl, der als Bezirksvorsitzender der Mittelstandsunion den Kongress nach Deggendorf geholt hatte, schüttelten der Kanzlerin die Hand und begleiteten sie in die Halle. Dort blieb Merkel kurz bei OB Anna Eder stehen, die sie unter anderem von einem Besuch der Stadtkapelle in Berlin kennt. Die Kanzlerin fragte die OB, wie groß Deggendorf sei. ... Sofort nach der Rede ging es zurück zum Auto. Nach gut einer Stunde hob der Hubschrauber mit der Kanzlerin schon wieder ab. Nur wenige Schaulustige, darunter zwei Autogrammjäger, vor der Stadthalle bekamen vom Besuch der Bundeskanzlerin etwas mit. Polizeichef Georg Hilmer sagte nach der Abfahrt der Kanzlerin vor der Stadthalle: "Es lief alles nach Plan und gab keinerlei besondere Vorkommnisse.""

http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/deggendorf/254957_Merkel-in-Deggendorf-Nach-einer-Stunde-war-sie-weg-Fotostrecke.html

ColeWilliams

29.10.2011, 01:50 Uhr

Merkwürdiger Artikel. BTW, der Keilriemen treibt gewöhnlich den Ventilator an, der wiederum letztendlich nur heisse Luft produziert.

Wladimir, skaschi menja, odnaschdi kogda bolsche ne budet serjoznih schournalistov, c kem ti budesch sporitsja?

Account gelöscht!

29.10.2011, 08:15 Uhr

Und wo ist der Unterschied zu den unsrigen Politikerinnen und Politikern? Volksnähe zeigen die doch nur kurz vor den Wahlen damit die weiter abzocken können. Der Volkswille interessiert die doch überhaupt nicht. Siehe Rettungsschirm für die Betrüger in Athen.

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