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22.06.2012

00:20 Uhr

Internationale Währungsfonds

Lagarde fordert „kreative Geldpolitik“ der EZB

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Eurozone eindringlich zu direkter Bankenhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds aufgefordert und damit den Druck auf Deutschland erhöht.

Die Skulptur des Euro-Symbols vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). dpa

Die Skulptur des Euro-Symbols vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).

LuxemburgDer Internationale Währungsfonds hat die Europäische Zentralbank zu einem aktiveren Eingreifen in die Euro-Schuldenkrise aufgefordert. Kurzfristig sei eine "kreative, innovative Geldpolitik" notwendig, erklärte IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern in Luxemburg. Dazu gehöre nicht nur eine Zinssenkung, sondern auch der erneute Einsatz unkonventioneller Instrumente. Die Zentralbank könne ihr Anleihekaufprogramm wieder auflegen, den Banken erneut massive Liquiditätsspritzen geben oder andere Formen einer quantitativen Lockerung einführen.

In seinem neuesten Bericht zur Lage in der Euro-Zone stellte der IWF einen langen Katalog an Empfehlungen auf. Auf kurze Sicht könne die Krise am besten bekämpft werden, wenn sich die Mitgliedstaaten bei der Haushaltskonsolidierung Ziele für die konjunkturbereinigten Defizite setzten statt für das Gesamtdefizit. Lagarde drängte außerdem die Euro-Länder dazu, den Euro-Rettungsfonds den Banken direkt unter die Arme greifen zu lassen, statt die Hilfen wie jetzt bei Spanien über den Staat zu lenken. Sonst könne die fatale Verbindung zwischen strauchelnden Banken und verschuldeten Staaten nicht durchbrochen werden.

Die Forderungen an die EZB und nach direkten Bankenhilfen dürften auf entschiedenen Widerspruch der Bundesregierung stoßen. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte dagegen, er sei mit den Ratschlägen des IWF weitgehend einverstanden.

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Langfristig müsse die Finanzpolitik stärker integriert werden, erklärte der IWF weiter. Dies bedeute ein zentrales Budget für die Euro-Länder, das Engpässe in den Mitgliedstaaten ausgleichen könne. Gemeinsame Finanzinstrumente mit kurzer Laufzeit und begrenztem Volumen können nach Meinung des IWF schon eingeführt werden, bevor sich die Währungsunion zu einer Fiskalunion weiterentwickelt hat. Gleiches gilt für die Bankenunion mit gemeinsamer Bankenaufsicht und Einlagensicherung.

Für Deutschland kommt das erst in Frage, wenn eine Fiskalunion geschaffen ist und die Mitgliedstaaten Kompetenzen in der Haushaltspolitik an die europäische Ebene abgetreten haben. Da dies für die meisten Euro-Staaten vorerst nicht akzeptabel ist, scheint dieses Ziel derzeit nicht erreichbar.

Von

rtr

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

22.06.2012, 01:04 Uhr

Manchmal muss man sich Fragen was Politiker von Schlage einer Frau L. erreichen wollen? Mit einer "kreativen" Interpretation von bisherigen Bilanzierungsstandards schafften es Banken etc. die Banken und Staaten die Finanzordnung halbwegs gegen die Wand zu fahren.
Lender of last resort waren die Fed und die EZB plus die nicht genannten Zentralbanken :-)
Nun sollen diese auch ihr letztes Credit aufgebe? Ihre Glaubwürdigkeit aufgeben um kurzfristig ein Land zu retten?
Sollte es Frau Legarde während ihrer politischen Missionen vergessen haben, eine Währung wie de Euro oder Dollar besitzen und erhalten ihren Wert nur über das Vertrauen was in sie gesetzt wird.
Kreative Geldpolitik wird jeden Investor so verschrecken wie eine kreative Bilanzpolitik. Beide führen in die Zahlungsunfähigkeit.

Account gelöscht!

22.06.2012, 01:31 Uhr

"Kurzfristig sei eine "kreative, innovative Geldpolitik" notwendig, erklärte IWF-Chefin Christine Lagarde"

Natürlich! Die EZB soll die beliebte 7-Pfund-Note der Briten drucken. Das sind echte Glücksbringer!

EuroAPO

22.06.2012, 02:26 Uhr

"Kreativ" steht hier für vertrags- und gesetzeswidrig. Die EU war mal angetreten, um die Prinzipien des Rechtsstaates zu vertreten, zu verbreiten und zu verteidigen. Was ist davon noch übrig? Welcher Vertrag gilt in der EU überhaupt noch? Mit welchem Recht schwingt sich die EU noch zum Richter über Staaten wie China auf? In China ist die Rechtslage mittlerweile viel kalkulierbarer als in der EU.
Diese EU aus Räubern und Erpressern will ich nicht mehr! Ein IWF, der mit allen illegalen Tricks an deutsche Gelder will anstatt das Steuererhebungsproblem und die ausufernde Korruption im Süden zu bekämpfen, kann mir gestohlen bleiben!
Lagarde: "Dies bedeute ein zentrales Budget für die Euro-Länder, das Engpässe in den Mitgliedstaaten ausgleichen könne." Schon wieder ein neuer Polit-Schönsprech für: "Lasst uns Deutschland ausplündern und nach Herzenslust deren Vermögen umverteilen!".
Die Italiener sind reicher als die Deutschen! Auch die Immobilien-Spekulationsgewinne in Spanien sind noch da! Diese Betrüger können sich selbst helfen, die haben genug Geld. Keinen deutschen Cent mehr für die Reichenrettung in den Mittelmeerstaaten!
Deutschland muss aus dem Euro austreten und sofort die Target2-Konten sperren Rettet Deutschland!

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