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23.12.2014

15:02 Uhr

Internetausfall in Nordkorea

Ein Land in „virtueller Isolation“

Für die meisten Nordkoreaner blieb der Internet-Blackout folgenlos. Sie können ohnehin nicht im World Wide Web surfen. Die Zugangskontrolle ist Teil der Informationsblockade der Regierung.

Ein Internetausfall in Nordkorea dürfte von einem Teil seiner Bürger gar nicht bemerkt worden sein. Ihnen ist der Zugang zum Internet ohnehin verwehrt. dpa

Ein Internetausfall in Nordkorea dürfte von einem Teil seiner Bürger gar nicht bemerkt worden sein. Ihnen ist der Zugang zum Internet ohnehin verwehrt.

SeoulStell dir vor, das Internet fällt aus und fast niemand bemerkt es: Bis zu einem gewissen Grad trifft das auf das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea zu. Denn das Regime verwehrt dem Großteil der Bevölkerung den Zugang zum World Wide Web. Der Internet-Blackout schlägt vor allem wegen des Streits des Landes mit den USA über eine Cyber-Attacke international hohe Wellen.

Noch ist unklar, wer oder was den Ausfall verursacht hat. War es eine Attacke von außen, fiel das ohnehin störanfällige System wegen Überlastung aus oder hat das Regime in Pjöngjang das Internet für ein paar Stunden abgeschaltet? Zunächst schwieg Nordkorea dazu.

Der Ausfall löste Spekulationen aus, dass es sich um einen gezielten Hacker-Angriff gegen das Land handeln könnte. Der Ausfall ereignet sich mitten in einem Streit um digitale Attacken: Die US-Regierung beschuldigt das Regime in Pjöngjang, das Hollywood-Filmstudio Sony Pictures gehackt zu haben. Das Filmstudio wollte die Nordkorea-Satire „The Interview“ in die Kinos bringen. Nordkorea bestreitet den Angriff.

Der auf Internet-Sicherheitsthemen spezialisierte Dienst Arbor Networks erklärte, man habe angesichts des Internet-Ausfalls in Nordkorea sogenannte Denial-of-Service-Attacken beobachtet. Bei solchen Angriffen wird mit der Übertragung großer Datenmengen das Internet überlastet.

Eine Verwicklung der USA sieht Arbor Networks nicht: „Die Internet-Infrastruktur in Nordkorea ist nicht so beeindruckend, es ist also nicht so, dass eine super-ausgefeilte Attacke nötig ist, um es auszuschalten.“

Wenn es um das Internet in Nordkorea geht, könnten die Gegensätze im Land nicht größer sein. Nach Angaben der Regierungen Südkoreas und der USA rüstet sich Nordkorea schon seit Jahren für einen Cyberkrieg, speziell gegen die beiden Länder. Die südkoreanische Regierung in Seoul schätzt die Zahl der nordkoreanischen „Cyber-Krieger“ auf 5900. Je nach Quelle wird deren Zahl niedriger oder höher vermutet.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sieht zudem im Aufbau eines IT-Sektors ein wichtiges Instrument für die Entwicklung des Landes. Firmen in Nordkorea erhalten seit Jahren aus dem Ausland IT-Outsourcing-Verträge, bei denen Projekte auf externe Dienstleister übertragen werden. Gut ausgebildete IT-Spezialisten in Nordkorea programmieren auf diese Weise etwa 3D-Animationen.

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