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28.11.2011

12:54 Uhr

Interview

„Die Spaltung der EU muss verhindert werden“

VonMathias Brüggmann

Jacek Rostowski, Chef des EU-Finanzministerrats Ecofin, erklärt, warum die EZB Staatsanleihen von Krisenländern aufkaufen muss. Für ihn ist klar, dass die EU ohne den Euro auseinander bricht.

Ecofin-Chef Jacek Rostowski fordert die EZB zur Intervention auf. AFP

Ecofin-Chef Jacek Rostowski fordert die EZB zur Intervention auf.

EU-Kommissionspräsident Barroso ist für gemeinsame Euro-Bonds, Kanzlerin Merkel strikt dagegen. Was halten Sie als Chef des EU-Finanzministerrats Ecofin davon?

Euro-Bonds würden effektiv eine Brandmauer gewährleisten, die dringend in der Euro-Zone benötigt wird. Ich verstehe aber das deutsche Argument, dass bald nach ihrer Einführung eine viel tiefere politische Integration der Zone erforderlich wird.

Was halten Sie davon, dass die EZB jetzt Staatsanleihen von Krisenländern ankauft?

Da bin ich sehr dafür.

Sie sind aber doch bekennender liberaler Ökonom.

Ja, aber Liberalismus ist mehr als ein Festhalten an Theorien, sondern das Einstehen für die Folgen ökonomischer Handlungen. Die Europäische Zentralbank hat sich deshalb absolut korrekt verhalten. Denn ihre Pflicht ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Das wäre kaum möglich in einer Euro-Zone, die kollabiert. Das hätte zu erheblicher Deflation wie in den 1930er- Jahren geführt. Deshalb muss die EZB als Erstes einen Kollaps der Euro-Zone verhindern und eine gigantische Kreditkrise, eine europäische Banksystemkrise und eine Staatsvertrauenskrise.

Was heißt das?

Es ist doch derzeit unvorstellbar, dass ein Euro-Land insolvent wird, ohne dass sein Bankensystem insolvent wird. Und das würde zu fast totaler ökonomischer Zerstörung des betreffenden Staats führen. Es ist zudem unvorstellbar, dass dann nicht auch die Banksysteme vieler anderer Euro-Länder massiv getroffen werden und dann auch die Staatshaushalte dieser Länder kollabieren würden. Die stecken sich doch alle gegenseitig an.

Aber das griechische Problem muss zuerst gelöst werden?

Nein. Wir brauchen vor allem eine Brandmauer, die verhindert, dass Griechenlands Probleme Italien, Spanien und andere Staaten anstecken.

Ist denn auch in anderen Euro-Ländern ein 50-prozentiger Schuldenschnitt möglich?

Es ist offensichtlich, dass ein 50-prozentiger Schuldenschnitt in großen Euro-Ländern nicht ginge, ohne die Banksysteme dort in die Insolvenz zu führen.

Was müsste also geschehen?

Als wir im Ecofin über die Firewall und die Bankenkapitalisierung diskutiert haben, haben wir klar gesagt, dass die Brandmauer hoch genug sein muss. Eine Billion Euro reicht nicht, es müssen zwei bis drei Billionen sein für den EFSF. Aus einem einfachen Grund: Der Rettungsfonds muss mehr Geld enthalten, als je gebraucht werden kann. Jetzt geht es beim EFSF um eine Billion Euro und er verfügt zudem nur über beschränktes Vertrauen. Nur wenn wir eine echte und sehr hohe Brandmauer hätten, bräuchten wir heute kein Eingreifen der EZB.

Aber eine solch hohe Brandmauer ist doch momentan unrealistisch, wo der EFSF vielleicht nicht einmal auf eine Billion Euro gehebelt werden kann?

Sie wäre realistisch gewesen, wenn schnell genug, im September, tatsächlich entschieden worden wäre. Jetzt gibt es keine ideologische Frage mehr, was die EZB tun sollte. Damals hätte es bessere Alternativen gegeben.

Ist trotz der Krise der Euro für Polen noch so attraktiv, dass Sie ihn einführen wollen?

Ja. Aber nicht nur, weil wir die Kriterien bisher nicht erfüllen, wird das 2012 nichts. Sondern vor allem wegen der sehr ernsten Probleme der Euro-Zone selbst. Aber eines ist klar: Wir wollen den Euro. Aber wir müssen nun erst einmal sehen, wie die Euro-Zone ihre gewaltigen Probleme löst.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

28.11.2011, 13:20 Uhr

Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass manche Interviews nicht geführt, sondern nur noch unterschrieben werden. So vorhersehbar sind die Antworten.

xxxx

28.11.2011, 13:30 Uhr

klasse, dieser Rostowski!

Account gelöscht!

28.11.2011, 13:38 Uhr

Nicht jeder Armleuchter ist auch ein großes Licht.

Mit dem Euro bricht die EU bestimmt auseinander, besonders dann, wenn die Chaoten aus dem Knoblauchgürtel weiterhin das sagen in der EZB haben.

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