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28.10.2011

13:29 Uhr

Interview

„Europa hätte eher reagieren müssen“

VonSven Afhüppe, Nicole Bastian

Der Schuldenschnitt für Athen ist beschlossen. Warum Griechenlands Banken trotzdem noch nicht gerettet sind, erklärt Apostolos Tamvakakis, Chef der größten griechischen Geschäftsbank, National Bank of Greece.

Apostolos Tamvakakis, 54, ist Vorstandsvorsitzender der National Bank of Greece, der größten Privatbank des Landes. Frank Rothe

Apostolos Tamvakakis, 54, ist Vorstandsvorsitzender der National Bank of Greece, der größten Privatbank des Landes.

AthenHandelsblatt: Herr Tamvakakis, auf dem jüngsten Euro-Gipfel wurde ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vereinbart. Welche Konsequenzen hat dieser Schritt für die griechischen Banken?

Apostolos Tamvakakis: Ein so kräftiger Schuldenschnitt kommt für uns nicht überraschend. Ganz offensichtlich soll der private Finanzsektor einen kräftigen Abschlag auf griechische Staatsanleihen vornehmen, aber wir warten noch auf die genauen Details. Für Griechenland ist der vereinbarte Schuldenschnitt ein wichtiger und positiver Schritt – und das ist das Wichtigste. Wenn alles wie geplant läuft, dann kommt mit 100 Milliarden Euro eine enorme Entlastung für Griechenland zusammen.

Rechnen Sie nun mit einer Entspannung an den Finanzmärkten?

Die Aktien der National Bank of Greece haben zur Öffnung der Börse um 14 Prozent zugelegt, gleichzeitig gingen die Risikoaufschläge für zehnjährige griechische Anleihen um 100 Basispunkte zurück. Das sind wirklich gute Signale. Die Märkte haben auf eine politische Entscheidung gewartet – und jetzt haben sie eine. Nach dem Hin und Her zwischen den europäischen Staats- und Regierungschefs haben sie jetzt gezeigt, dass sie zusammenhalten.

Haben Europas Politiker zu lange den Schuldenschnitt vor sich her geschoben?

Gibt es da irgendeinen Zweifel? Europa hätte viel schneller reagieren müssen, weil die Märkte sofort auf Veränderungen reagieren. Diese unterschiedlichen Erwartungen zwischen Märkten und Politik sollten sich jetzt verringern.

Es gibt trotz der vielen Herausforderungen also Hoffnung für das Bankensystem?

Es ist noch ein wenig früh um zu sagen, dass wir schon Licht am Ende des Tunnels sehen. Das Spiel ist noch nicht zu Ende, es hat gerade erst begonnen. Aber die Euro-Beschlüsse sind ein sehr positives Zeichen für Europa und Griechenland.

Was bedeutet der Euro-Gipfel für Griechenland?

Griechenland braucht vor allem Überschüsse im Staatshaushalt. Dann müssen so schnell wie möglich Reformen umgesetzt, die Privatisierung von Staatseigentum beschleunigt und der öffentliche Sektor an allen Fronten zurückgefahren werden.  Zudem muss Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit und Exportkraft steigern. Dafür braucht man eine starke Regierung, nicht nur heute, sondern bis 2020. Und dann müssen alle Veränderungen auch noch von der Gesellschaft mitgetragen werden.

Lassen Sie uns über die National of Greece sprechen. Wie verkraftet Ihr Institut den Schuldenschnitt?

Wir werden ganz klar erhebliche  Abschreibungen vornehmen müssen. Im zweiten Quartal hatten wir für die bisher geplanten 21 Prozent Schuldenerlass bereits 1,6 Milliarden Euro abgeschrieben.

Brauchen Sie zusätzliches Kapital?

Definitiv brauchen wir zusätzliches Kapital. Die griechischen Banken stehen vor zwei Herausforderungen: Einmal die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen, und dann prüft der US-Vermögensverwalter Blackrock für die Zentralbank die Qualität des heimischen Kreditportfolios. Das Ergebnis könnte zusätzliche Rückstellungen für notleidende Kredite oder Kredite, deren Qualität sich in Zukunft verschlechtern dürfte, bedeuten. Um zu sagen, wie viel zusätzliches Kapital wir brauchen und ob wir ohne Hilfe des Euro-Rettungsfonds auskommen, müssen wir die Resultate beider Effekte abwarten. Aber das sind nur die negativen Impulse, es gibt auch positive.

Kommentare (2)

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Verlorene_Generation

28.10.2011, 14:48 Uhr

Vor was genau, sagt ja eigentlich schon der Buchtitel: "Europa stiehlt euch die Zukunft". Und der Autor benutzt dabei eine Sprache, die provokativ, aber gleichzeitig auch unterhaltsam ist. So schreibt er etwa:"Ihr seid den Politikern scheißegal. Jetzt gerade lasten sie euch die Kosten für die Sanierung Europas auf.Ihr werdet eure besten Jahre damit verbringen, die Kredite von Menschen zu tilgen, die dann gar nicht mehr leben." Die Schuld sieht der Autor bei der Jugend selbst. Zitat:"Ihr seid für das System der äusserst bequeme Fall einer jungen Generation, die den Alten lieber in den Arsch kriecht, statt zu revoltieren."

Fazit: Hörhan will aufrütteln und benutzt dafür eine drastische Sprache. Aber man ahnt, dass er inhaltlich weitesgehend recht hat, dass also derzeit gerade mit Milliardenbürgschaften für Pleitestaaten und Zockerbanken die Zukunft nachfolgender Generationen verpfändet wird - und dass man sich dagegen wehren muss.

hlmtsllner

27.01.2012, 21:22 Uhr

Lasst Griechenland als Warnung für alle Abzocker, Banker, Hedgefonds endlich Pleite gehen.
Einem Marshallplan unter strenger Aufsicht befürworten bestimmt die Masse aller Europäer

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