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05.07.2014

16:24 Uhr

Interview Margaret MacMillan

„Die Probleme auf dem Balkan sind immer noch nicht gelöst“

VonTorsten Riecke

Die Julikrise vor genau 100 Jahren mündete im Ersten Weltkrieg. Die Historikerin Margaret MacMillan zieht zum Teil erschreckende Parallelen zu 2014: Die Gefahr eines dritten Weltkrieges sei zuletzt deutlich gestiegen.

Margaret MacMillan vor dem Warden St Antony`s College: Die kanadische Historikerin zieht Vergleiche zwischen 1914 und heute.

Margaret MacMillan vor dem Warden St Antony`s College: Die kanadische Historikerin zieht Vergleiche zwischen 1914 und heute.

BerlinMargaret MacMillan (70) ist die Urenkelin des britischen Premierministers David Lloyd George. Die kanadische Historikerin lehrt an der Universität Oxford. Ihr Buch "The war that ended peace" wurde von der Weltpresse hoch gelobt.

Ms. MacMillan, ist der wachsende Nationalismus in Europa eine Bedrohung, insbesondere wenn man weiß, dass dieser Nationalismus eine Ursache für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren war?

Nicht in der gleichen Weise wie vor 100 Jahren, weil wir heute in einem ganz anderen Europa leben. Insbesondere weil die demokratischen Institutionen in Europa heute viel stärker sind als damals. Aber ethnischer Nationalismus ist immer ein Grund zur Sorge, weil er seinen Anhängern unrealistische Ziele wie einen unabhängigen Staat vorgaukelt. Außerdem beinhaltet er auch immer den Hass auf alles Fremde.

Ist Europa dafür gewappnet?

Ich glaube, Europa ist heute nicht mehr so instabil wie 1914. Allerdings zeigen uns die aktuellen Ereignisse in der Ukraine und die ungelösten Probleme auf dem Balkan, dass dies nicht überall gilt.

Die Krise auf der Krim wird von einigen Beobachtern mit der Serbien-Krise im Juli 1914 verglichen. Passt der Vergleich?

Wir stehen nicht vor einem dritten Weltkrieg, aber die Unfallgefahr ist deutlich gestiegen. Erstmals seit dem II. Weltkrieg kann es in Europa wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen souveränen Staaten kommen.

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In 37 Tagen bis zum Krieg

Ein regionaler Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führte zu einem Weltkrieg, der alle Kontinente erfasste. Eine Chronologie vom Attentat in Sarajevo bis zum Kriegsbeginn ...

28. Juni 1914

Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau werden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo vom Gymnasiasten Gavrilo Princip im Auftrag der serbischen Geheimorganisation «Schwarze Hand» erschossen.

5. Juli

Alexander Graf Hoyos, Mitarbeiter im Außenministerium der Donaumonarchie, reist mit einem Memorandum zur Balkanpolitik und einem Schreiben von Kaiser Franz Joseph nach Berlin. Der Monarch bittet Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung im Kriegsfall mit Serbien.

6. Juli

Wilhelm II. versichert Österreich-Ungarn offiziell mit einer «Blankovollmacht» seiner unbedingten Bündnistreue.

20. - 23. Juli

Beim Besuch des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Russland sichern sich beide Staaten Unterstützung im Bündnisfall zu.

23. Juli

Wien stellt ein 48-Stunden-Ultimatum an Serbien. Die gegen Österreich-Ungarn gerichteten Umtriebe sollen unter österreichischer Beteiligung bekämpft und die Schuldigen bestraft werden.

25. Juli

Serbien akzeptiert alle Forderungen, soweit sie nicht seine Souveränität einschränken. Wien hält die Antwort für unbefriedigend, bricht die diplomatischen Beziehungen ab und ordnet Teilmobilmachung an. Da Russland Hilfe zusichert, macht auch Serbien teilmobil.

28. Juli

Englische und deutsche Vermittlungsversuche scheitern. Vorgeschlagen war, eine Botschafterkonferenz einzuberufen und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn aufzunehmen. Doch Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.

30. Juli

Zar Nikolaus II. ordnet die Generalmobilmachung an.

1. August

Da Russland das deutsche Ultimatum, die Mobilmachung rückgängig zu machen, verstreichen lässt, erklärt Berlin Russland den Krieg. Zwei Tage später folgt die Kriegserklärung an Frankreich.

4. August

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg und Belgien erklärt Großbritannien dem Reich den Krieg.

Welche Parallelen sehen Sie noch?

Zum I. Weltkrieg kam es auch deshalb, weil die beteiligten Länder und ihre Eliten kein Verständnis für die Interessen und Ängste der Gegenseite hatten. Das sehen wir auch heute wieder. Der Westen hat unterschätzt, wie sehr sich die Russen durch den Zerfall der Sowjetunion gedemütigt fühlten.

US-Präsident Obama hat Russland als eine „regionale Macht“ bezeichnet. Stimmen Sie zu?

Das ist genau das, was die Russen nicht hören wollen. Russland ist zwar keine Weltmacht mehr, aber das Land ist immer noch riesig. Es ist kein Zufall, dass Putin oft von Alexander dem Großen redet.

Was soll der Westen jetzt machen – auf Moskau zugehen oder standhaft dagegenhalten?

Es ist nicht einfach, die richtige Balance zu finden. Man muss beides tun: reden und dagegenhalten. Wichtig ist, dass der Westen jetzt mit einer Stimme spricht. Bisher waren die Reaktionen nicht sehr koordiniert.

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

09.07.2014, 19:27 Uhr

Klartext! Die deutschen Politiker sind nicht oder wollen nicht, die Probleme lösen. Jinzu kopmmt das Totalversagen unserer Bundeswehr. Warum vernichten wir mit Versagern soviel Geld, wo unsere Infrastruktur und Schulen nur noch Schrott sind?

Herr Wolfgang Trantow

09.07.2014, 19:27 Uhr

Klartext! Die deutschen Politiker sind nicht oder wollen nicht, die Probleme lösen. Jinzu kopmmt das Totalversagen unserer Bundeswehr. Warum vernichten wir mit Versagern soviel Geld, wo unsere Infrastruktur und Schulen nur noch Schrott sind?

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