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02.01.2007

11:29 Uhr

Interview mit Allan Meltzer

„Die EZB hat ihre Sache gut gemacht“

VonDie Fragen stellte Marietta Kurm-Engels

Der Euro feiert seinen fünften Geburtstag als Bargeld. Das Handelsblatt sprach mit Allan Meltzer über die Gemeinschaftswährung. Er ist Professor der Carnegie-Mellon-Universität und Autor von „The History of the Fed“.

Herr Meltzer, würden Sie den Euro als eine Erfolgsgeschichte bezeichnen?

Ja, der Euro ist ein Erfolg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Übergang zu der gemeinsamen europäischen Währung sehr gekonnt gehandhabt und die Inflation niedrig gehalten. Das ist ihre erste Verantwortung. Sie hat sich auch als unabhängige Zentralbank etabliert. Trotz fast ständigen politischen Drucks, eine expansivere Geldpolitik zu fahren, ist sie in ihren geldpolitischen Entscheidungen autonom geblieben.

Ist der Euro gut für Deutschland?

Es hat zwar einige Jahre lang gedauert, aber die relative Deflation hat in Deutschland die Wachstumskräfte wieder entfacht.

Könnte der Euro dem Dollar als führende internationale Währung gefährlich werden?

Nicht sobald. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens hat Europa nicht genügend politischen Zusammenhalt, um die Anleger davon zu überzeugen, dass die Währungsunion auf Dauer Bestand haben wird. Italien ist ein Problem, aber nicht nur Italien. Mit zunehmender Erweiterung der Europäischen Union wird voraussichtlich der Ruf nach einem Finanzausgleich lauter werden, und die Geldpolitik wird weiter unter Druck gesetzt werden, expansiver zu sein.

Was ist der zweite Grund?

Zweitens muss Europa in einem noch größeren Umfang als die USA Versprechen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens und bei den Renten einhalten. Aber die USA haben eine Finanzpolitik betrieben, die der Stabilität nicht förderlich ist.

Raten Sie einem langfristig orientierten Investor, eher in Euro oder in Dollar zu investieren?

Solange es die USA anderen Ländern erlauben, eine exportorientierte Wachstumsstrategie zu betreiben und sie selbst an ihrem importorientierten Konsum festhalten, werden andere Länder den Dollar als wichtigste Reservewährung halten. Europa wird sich weiter auf seine internen Probleme konzentrieren – hauptsächlich Probleme, die sich aus der Integration von Ländern in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien mit verschiedenen Institutionen und Usancen ergeben.

Wie sehen Sie die Zukunft des Euros?

Der Euro wird die zweitwichtigste Währung bleiben.

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