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28.07.2015

06:19 Uhr

Interview mit Burak Çopur

„Das ist Erdogans Harakiri“

VonKathrin Witsch

Der Konflikt zwischen Türken und Kurden ist so alt wie die Türkei selbst. Ministerpräsident Erdoğan versucht nun die alten Mechanismen aus Hass und Misstrauen zu nutzen, um seine Macht zu festigen. Eine gefährliche Strategie.

Einerseits will Erdogan die Kurden im eigenen Land und in Syrien nicht zu stark werden lassen. Andererseits sorgt er sich, der IS könne den Terror auch in die Türkei bringen. Jetzt hat der türkische Ministerpräsident einen hochexplosiven Zwei-Fronten-Krieg eröffnet. Reuters

Recep Tayyip Erdoğan

Einerseits will Erdogan die Kurden im eigenen Land und in Syrien nicht zu stark werden lassen. Andererseits sorgt er sich, der IS könne den Terror auch in die Türkei bringen. Jetzt hat der türkische Ministerpräsident einen hochexplosiven Zwei-Fronten-Krieg eröffnet.

DüsseldorfNach einem Selbstmordanschlag im türkischen Suruc, bei dem 32 Menschen getötet wurden, befindet sich die Türkei im Krieg. Im Visier stehen nicht nur die Terroristen des Islamischen Staates (IS), sondern einmal mehr die Kurden. In dem gewaltsamen Konflikt zwischen der Türkei und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK kamen in den letzten 30 Jahren bislang rund 40.000 Menschen ums Leben. Einerseits will der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan die Kurden im eigenen Land und in Syrien nicht zu stark werden lassen. Andererseits sorgt er sich, der IS könne den Terror auch in die Türkei bringen.Jetzt hat er einen hochexplosiven Zwei-Fronten-Krieg eröffnet“, sagt Burak Çopur, Politikwissenschaftler und Türkei-Experte an der Universität Duisburg-Essen. Und stürze damit sein Land ins Chaos.

Herr Çopur, seit zwei Jahren gab es einen offiziellen Waffenstillstand zwischen der türkischen Regierung und den Kurden. Damit ist es nun vorbei, seit die türkischen Luftwaffe Angriffe auf Lager der PKK fliegt. Warum die plötzliche Kehrtwende von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan?
Es war keine plötzliche Kehrtwende, ganz im Gegenteil. Der Prozess hat bereits vor den Parlamentswahlen im Juni begonnen. Als Erdogan sagte „Es gibt keine Kurden-Frage“. Damit hat er sich ganz klar von einem möglichen Frieden zwischen Türken und Kurden distanziert.

Burak Çopur ist promovierter Politikwissenschaftler, Türkei-Experte und Migrationsforscher. Geboren wurde er in Ankara, Türkei und kam als Dreijähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Çopur studierte an den Universitäten Duisburg-Essen und University of New South Wales in Sydney, Australien. Çopur ist unter anderem Dozent am Lehrstuhl des renommierten Migrationsforschers Prof. Dr. Hacı Halil Uslucan am Institut für Turkistik der Universität Duisburg-Essen.

Burak Çopur

Burak Çopur ist promovierter Politikwissenschaftler, Türkei-Experte und Migrationsforscher. Geboren wurde er in Ankara, Türkei und kam als Dreijähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Çopur studierte an den Universitäten Duisburg-Essen und University of New South Wales in Sydney, Australien. Çopur ist unter anderem Dozent am Lehrstuhl des renommierten Migrationsforschers Prof. Dr. Hacı Halil Uslucan am Institut für Turkistik der Universität Duisburg-Essen.

Wie lässt sich dieses Verhalten des türkischen Ministerpräsidenten erklären?
Erdoğan hat klar gemacht, dass er kein repräsentativer Präsident sein möchte, wie sein Vorgänger Gül und alle anderen türkischen Präsidenten es nach Atatürk bisher waren. Vielmehr ist es sein Ziel, ein Präsidialsystem einzuführen ähnlich dem in Russland. Die pro-kurdische HDP hat bei den letzten Wahlen rund 13 Prozent der Stimmen bekommen, soviel wie noch nie, und hat damit viel Gewicht im türkischen Parlament. Weil die Kurden nicht hinter Erdogans Plan eines autokratischen Systems stehen, sind sie für ihn ein Problem.

Also will er die HDP schwächen und Neuwahlen erzwingen?
Genau. Wenn er die HDP unter zehn Prozent drücken kann und die nationalistischen Wähler zurückgewinnt, hätte er die 330 Stimmen, die er braucht, um das Verfassungsreferendum für sein Präsidialsystem durchzuführen. Als Erdoğan sich vor einigen Jahren für einen Frieden mit den Kurden aussprach, hat er die Konfrontation mit den Nationalisten in Kauf genommen. Wenn Erdoğan heute bei den Türken wieder eine nationalistische Hysterie auslösen will, kann sein Plan womöglich aufgehen. Krisenzeiten sind Kanzlerzeiten. Der Hass zwischen Türken und der PKK sitzt noch immer tief, auf genau dieser Klaviatur spielt Erdoğan gerade.

Aber warum sollten die 13 Prozent, die für die HDP gestimmt haben, jetzt ihre Meinung ändern?
Weil es auch Kurden gibt, die entweder unentschlossen sind oder tendenziell der AKP nahestehen und diese bei den letzten Wahlen die HDP gewählt haben. Wenn Erdoğan es nun schafft, die HDP für die Konflikte verantwortlich zu machen, dann könnten diese kurdischen Wähler wieder zur AKP wandern. So jedenfalls sein Kalkül, dass aber höchstwahrscheinlich nicht aufgehen wird.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

28.07.2015, 07:59 Uhr

Zur PKK nur soviel.....
Die Arbeiterpartei Kurdistans (kurdisch: Partiya Karkerên Kurdistan, Abk. PKK) ist eine kurdische, marxistisch ausgerichtete Untergrundorganisation mit Ursprung in den kurdischen Siedlungsgebieten innerhalb der Türkei. Sie kämpft politisch und mit Waffengewalt für politische Autonomie kurdisch besiedelter Gebiete in der Türkei, teilweise auch in den angrenzenden Ländern. Dabei verübte sie Anschläge auf militärische und zivile Ziele.[1] Ziel der PKK ist je nach Lesart die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates[2] oder ein „Demokratisches Autonomes Kurdistan“ innerhalb der bestehenden Staatsgrenzen mit eigenen „nichtstaatlichen Administrationen“.[3]

Die Organisation und ihre Nachfolger werden unter anderem von der Türkei, der EU, den USA und Deutschland als terroristische Vereinigung eingestuft. Seit dem 30. Mai 2008 ist die PKK auf der Drogenhandelsliste des Foreign Narcotics Kingpin Designation Act in den USA.[4] Der deutsche Verfassungsschutz sieht laut dem Verfassungsschutzbericht von 2011 keine Hinweise auf eine Verwicklung der PKK in den Drogenhandel in Deutschland.[5] Gemäß einer Analyse des Council on Foreign Relations verübte die PKK im Jahr 2011 insgesamt 35 Terrorakte und steht damit an Position 9 der weltweit aktivsten Terrororganisationen.[6]

Ich wundere mich immer über noch über diese deutschen Medien, wie weit Links-Radikal diese verortet sind....Man unterstützt die Marxisten und huldigt nicht nur den Kommunismus (Linken Terror - PKK), sondern huldigt auch den (Rechten Terror - Ukraine) und zu allem überfluss huldigt man auch noch den Mafiamachenschaften von Flüchtlingsschleusern und Flüchtlingsgeschäftemachern.

Die deutschen Medien als Sprachrohr einer Radikalen Politik in Deutschland. Neutralität und Ausgewogenheit kennen die deutschen Medien nicht mehr. Nur die Radikale Aufmerksamkeit (Tod und Verbrechen) zählt anscheinend in den deutschen Medien.

Herr Turgay Sanac

28.07.2015, 08:18 Uhr

Turgay Sanac from Cologne wrote: Always the same "dreamy and selfish" rhetoric and lectures from Germany! This has been no honest help for Turkey. This country (NATO member!) has an undiscussable right to defend the interior security, fight independently every hostile military troop and any kind of terrorism on&beyond the southern borders.

Herr Marc Otto

28.07.2015, 08:35 Uhr

zur IS / Türkei musss ich gleich an Johann denken:

................ Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ichs lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willsts am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.
......................

....Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen! Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zw......

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