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18.10.2013

03:56 Uhr

Interview

Snowden brachte keine Geheimakten nach Russland

Tagelang führte die „New York Times“ über verschlüsselte Online-Kommunikation ein Interview mit Edward Snowden. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter erklärt, warum er sich zur Veröffentlichung von Geheimakten entschloss.

Whistleblower

Snowden soll Dokumente in China gelassen haben

Whistleblower: Snowden soll Dokumente in China gelassen haben

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WashingtonDer frühere Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, Edward Snowden, hat nach eigenen Worten keine geheimen Dokumente mit nach Russland genommen. In einem am Donnerstag online veröffentlichten Interview der „New York Times“ erklärte Snowden, er habe alle geheimen Dokumente in seinem Besitz vor seiner Flucht im Juni nach Russland an Journalisten in Hongkong übergegeben. Er habe auch keine Kopien behalten.

Er sei sich sicher, dass auch chinesische Agenten keinen Zugriff gehabt hätten, da er aus seiner Tätigkeit für die NSA deren Fähigkeiten hätte einschätzen können. Das Interview sei im Laufe mehrerer Tage in der vergangenen Woche über verschlüsselte Online-Kommunikation geführt worden, schrieb das Blatt.

Snowden betonte, die Entscheidung NSA-Dokumente zu veröffentlichen, sei langsam gewachsen. Er habe sich zum Handeln entschieden, als er eine Kopie eines geheimen Berichts aus dem Jahr 2009 über ein unberechtigtes NSA-Abhörprogramm während der Präsidentschaft von George W. Bush entdeckt habe.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Snowden argumentierte, dass sein Vorgehen der nationalen Sicherheit der USA helfe, indem es eine dringend benötigte öffentliche Debatte über den Umfang der Geheimdienstarbeit anstoße. „Die geheime Fortführung dieser Programme stellt eine viel größere Gefahr dar als ihre Aufdeckung“, erklärte Snowden.

Eine Sprecherin der NSA habe am Donnerstag nicht auf die Kommentaranfrage zu Snowdens Behauptungen geantwortet, schreibt die „New York Times“.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Stockholmer

18.10.2013, 06:04 Uhr

Da Obama schon einen hat, hätte Snowden schon lange einen Friedensnobelpreis verdient.

Freidenker

18.10.2013, 06:29 Uhr

Die Frage ist doch, ob Snowden wirklich freiwillig aus humanistischen Gründen handelte oder nicht bewusst inszeniert wurde.

Für mich sieht das eher nach einem gut inszenierten Theaterstück aus. Wenn es einer guten Sache dient, hat der Regisseur auch einen Friedensnobelpreis verdient. Da ber fast jeder Mensch käuflich ist, sieht mir das ganze nach einer schmierigen, korrupten Intrige aus.

Warum hat Snowden ausgerechnet Journalisten in Hongkong brisantes Material übergeben?? Wo doch China der größte Konkurrent zu den USA ist?!

Account gelöscht!

18.10.2013, 09:37 Uhr

Wer Snowden diskreditiert und den Kadavergehorsam dagegen favorisiert,bastelt mit an einer Überwachungswelt,die uns unser Leben noch viel mehr zur Hölle machen wird,als es das jetzt schon geworden ist.
Gerade unsere deutsche Geschichte,sollte uns Mahnung sein,wie schnell man sich in einer Diktatur wiederfindet,wenn man nicht rechtzeitig die Anhäufung von Macht bekämpft.Denn nichts anderes tun die Geheimdienste.Sie sammeln Informationen,mit denen sie Wissen über uns alle anhäufen,und Wissen ist bekanntlich Macht.Das werden wir zu spüren bekommen.Wahrscheinlich früher als wir denken.

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