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15.03.2014

14:30 Uhr

Interview

„Wir müssen in Serbien das Unternehmertum fördern“

VonHans-Peter Siebenhaar

Der proeuropäische Politiker Boris Tadic stellt sich mit seiner Partei NDS zur Wahl und will vor allem einen Kurs aus der Krise einschlagen. An eine EU-Mitgliedschaft des Balkanlandes glaubt er derweil frühestens 2020.

Boris Tadic, Parteichef der NDS, könnte Juniorpartner einer Regierung unter Aleksander Vucic (SNS) werden. AFP

Boris Tadic, Parteichef der NDS, könnte Juniorpartner einer Regierung unter Aleksander Vucic (SNS) werden.

Serbien wählt am Sonntag ein neues Parlament. Der langjährige serbische Präsident Boris Tadic stellt sich erstmals mit seiner neuen Partei NDS zur Wahl. Der proeuropäische Politiker will das Balkanland mit einem klaren Reformkurs aus der schweren Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit holen. Tadic könnte Juniorpartner einer Regierung unter dem bisherigen, national-populistischen Vizepremier Aleksander Vucic (SNS) werden. Der vom früheren italienischen Premier Silvio Berlusconi als 'Georg Clooney des Balkans' bezeichnete Politiker gilt als Marktliberaler. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen werden seiner Partei bis zu zehn Prozent der Stimmen zugetraut.

Herr Tadic, am Sonntag wählt Serbien ein neues Parlament. Was sollten die Hauptziele der neuen Regierung sein, um die schlechte Wirtschaftslage zu verbessern?

Das Hauptproblem ist unsere extrem hohe Arbeitslosigkeit, die mit 28 Prozent einen neuen Rekord erreicht hat. Damit verbunden ist die mangelnde Perspektive für die junge Generation. Außerdem gibt es große soziale Ungerechtigkeiten. 20 Prozent der Bevölkerung verdient beispielsweise mehr als neunmal so viel wie die restlichen 80 Prozent. Serbien hat einen gewaltigen Schuldenberg abzutragen.

Was folgt daraus?
Das ist eine politisch und gesellschaftlich untragbare Situation, die wir schleunigst ändern müssen. Im Ausland wird noch immer die Dramatik unserer ökonomischen Situation unterschätzt. Doch wir müssen schnell Fortschritte machen, sonst ist Serbiens Weg nach Europa in Gefahr.

Was sind ihre Vorschläge?
Wir müssen attraktiver für ausländische Investoren werden. In meinem letzten Regierungsjahr, 2012, hatten wir 2,2 Milliarden Euro an Investitionen internationaler Unternehmen. Davon sind wir mittlerweile weit entfernt. Heute sind es gerade noch 600 Millionen Euro.

Wie kann Serbien wieder attraktiver werden?
Wir müssen Reformen in der Wirtschaft, in der Ausbildung und im Finanzsystem beginnen. Vor 2008, also vor der Pleite von Lehman Brothers, hatten wir ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von über sechs Prozent. An diese Zeiten können wir wieder anknüpfen, wenn wir wirkliche Strukturreformen anpacken. Fiat, Siemens, Bosch, Michelin produzieren in Serbien erfolgreich. Wir haben ein Freihandelsabkommen mit Russland. Das ist ein Wettbewerbsvorteil.

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Bei den serbischen Parlamentswahlen steht der Sieger so gut wie fest: Aleksandar Vucic, der zum Pro-Europäer gewandelte Unterstützer des Kriegstreibers Milosevic, ist der starke Mann. Reicht es für die absolute Mehrheit?

Reicht das wirklich aus?
Natürlich nicht. Wir müssen in Serbien selbst das Unternehmertum umfassend fördern. Nur wenige sind derzeit in der Lage, ein wettbewerbsfähiges Unternehmen zu entwickeln und zu steuern. Das ist ein Riesenproblem für Serbien.

Was kann getan werden?
Wir müssen kleine und mittlere Unternehmen fördern, damit sie zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung werden. Das ist eine meiner Prioritäten. In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Regierung zu sehr mit der EU sowie der Bestrafung von korrupten Oligarchen beschäftigt und dabei die marode Wirtschaft vergessen.

Serbien ist mittlerweile ein Beitrittskandidat für die Europäische Union. Wann ist ihr Land für eine Mitgliedschaft bereit?
Wir haben im Vergleich zu anderen südosteuropäischen Ländern eine gute und funktionierende Verwaltung, die sich seit 15 Jahren für diesen Schritt vorbereitet. Ich bin sehr glücklich, dass die jetzige Regierung hier keine Veränderungen vorgenommen hat. Ich glaube aber nicht, dass wir bereits 2018 schon bereit sind, der EU beizutreten.

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