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24.01.2014

15:32 Uhr

Interview zur Gewalt in Kiew

„Ich habe Angst”

VonMarc Etzold, Jan Mallien

Die ukrainische Journalistin Kateryna Panova ist unterwegs auf den Straßen in Kiew. Sie erzählt von der Gewalt mancher Demonstranten, den Repressalien der Polizei – und ihren persönlichen Schutzvorkehrungen.

Die ukrainische Journalistin Kateryna Panova war in den vergangenen Tagen in Kiew unterwegs. Sie hat in New York studiert.

Die ukrainische Journalistin Kateryna Panova war in den vergangenen Tagen in Kiew unterwegs. Sie hat in New York studiert.

DüsseldorfFrau Panova, Sie waren in den vergangenen Tage auf den Straßen von Kiew. Was haben Sie dort erlebt?

Kateryna Panova: Das Parlament hat die neuen Gesetze zur Verschärfung des Demonstrationsrechts verabschiedet. Dann ist am 19. Januar  die Situation eskaliert. Die Oppositionsführer hielten blumige Reden. Daraufhin haben die Demonstranten sie ausgebuht. Ihre Forderung lautete: Nicht reden, sondern handeln. Ein Aktivist forderte die Menge auf: Wählt einen Anführer oder geht zum Parlament und bringt die Abgeordneten dazu, das Gesetz zu ändern. Die Menge stürmte zum Parlament und traf dort in der Grushevskyy-Straße auf die Polizei. Dort begann die Gewalt.  

Wie reagieren die Demonstranten auf die Gewalt der Polizei?

Die Radikalen unter ihnen wehren sich und werfen Molotow–Cocktails, Feuerwerkskörper und Pflastersteine auf die Polizei. Diejenigen, die keine Gewalt wollen, halten sich von den Kämpfen fern, und beteiligen sich auf friedliche Weise. Sie bauen Barrikaden und bringen Essen und Schutzmasken

Die Strömungen der Opposition in der Ukraine

Parlamentarische Opposition

Die Opposition ist im Parlament mit drei Fraktionen und einigen fraktionslosen Abgeordneten vertreten. Julia Timoschenkos Vaterlandspartei (Batkiwschtschina), Vitali Klitschkos Udar (Schlag) und die rechtspopulistische Swoboda (Freiheit) haben 168 von 450 Abgeordneten. Diese Parteiorganisationen stellen den Großteil der Infrastruktur auf dem besetzten Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew sicher.

Euromaidan

Das ist der Name für die gesamte Protestbewegung auf dem Maidan - dem zentralen Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Hier treffen sich spontan vor allem über soziale Netzwerke verabredete Demonstranten. Viele sind in der Zeit der Unabhängigkeit nach 1991 aufgewachsenen und vergleichsweise gut ausgebildet. Sie stehen auch symbolhaft für die friedliche Natur des Protests. Sie eint auch das Ziel einer Annäherung an die EU.

Die gescheiterte Unterzeichnung eines weitreichenden Abkommens mit der EU Ende November war für diese Regierungsgegner eine große Enttäuschung. Viele verweigerten aber Parteinahme für die jeweiligen politischen Gruppierungen. Ihr Protestlager war am 30. November auf dem Maidan in Kiew von den Polizeisondereinheiten der Berkut (Steinadler) brutal geräumt worden. Viele harren aber weiter auf dem Platz aus.

Rechter Sektor

Der rechtsextreme Flügel der Protestbewegung beteiligte sich von Anfang an den Demonstrationen und suchte demonstrativ den Konflikt mit der Staatsmacht. Er bildet den harten, gewaltbereiten Kern der so bezeichneten Selbstverteidigungskräfte des Maidan.

Die etwa 500 Mitglieder der losen Gruppierung aus neofaschistischen Splittergruppen treten oft vermummt und in paramilitärischer Kleidung auf. Sie sind zumeist unter 30 Jahre alt und vertreten eine antirussische und nationalistische Ideologie. Solche Kräfte kämpften auch als Partisanen gegen die sowjetischen und die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg in den westukrainischen Gebieten.

Hat Vitali Klitschko noch genug Einfluss, um die Opposition zu führen?

Anders als im Sport war Klitschko in der Politik bisher wenig erfolgreich. Die Bürgermeisterwahl in Kiew 2008 hat er verloren. Außerdem streiten die Spitzen der Opposition darüber, wer die Führungsrolle übernehmen soll. Das kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Klitschko ist immer noch sehr populär. Er kann die Opposition führen, aber er erscheint zögerlich.

Wie geht die Polizei mit Journalisten um?

Obwohl Journalisten an den Brennpunkten klar an ihren orangefarbenen Westen und  Helmen mit der Aufschrift „Presse“ zu erkennen sind, kommt es immer wieder zu Übergriffen der Polizei. Mindestens 40 Journalisten sind verletzt worden. Einer von ihnen bekam aus kurzer Distanz Tränengas ins Gesicht und verlor sein Augenlicht. Ich persönlich kenne drei Fotografen von großen Nachrichtenagenturen, die durch den Einsatz der Polizei schwer verwundet wurden. Von Übergriffen der Demonstranten auf Journalisten habe ich nicht gehört.   

Kommentare (5)

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oilembargo@central.banktunnel.eu

24.01.2014, 16:26 Uhr

Conspiracy

http://sch-einesystem.tumblr.com/post/74386668703

Account gelöscht!

24.01.2014, 16:43 Uhr

Es waren und sind immer die gleichen, die die Feuerchen überall auf der Welt angesteckt haben. Und gegen die hat keiner eine Chance. Es wird Stück für Stück zu Ende gebracht, weil auch diese gegen die ganze Welt machtlos wären. Etliche haben es schon mit der Brechstange versucht und alle sind irgendwann gescheitert.

donolli

24.01.2014, 16:52 Uhr

Für alle die es so viel besser wissen! Amerikanische Verschwörung und so ein Blödsinn! Es geht einzig um die Raffgier einer politischen Mafia:

http://m.welt.de/article.do?id=kultur/literarischewelt/article124176457/Siegt-die-Diktatur-droht-Europa-ein-Nordkorea

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