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30.06.2014

07:01 Uhr

Irak

Armee und Isis kämpfen um Tikrit

Die sunnitische Miliz Isis versucht, Fakten zu schaffen und ruft einen islamischen Gottesstaat aus. Um die Stadt Tikrit toben Kämpfe. Und Israels Premier will mit einem kurdischen Staat neue Fakten schaffen.

Internetvideo veröffentlicht

Irakische Islamistengruppe ruft Kalifat aus

Internetvideo veröffentlicht: Irakische Islamistengruppe ruft Kalifat aus

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TikritNach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak hat die Dschihadisten-Miliz Isis ein grenzübergreifendes Kalifat ausgerufen. Zum Kalifen wurde der Anführer der Terrorgruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, bestimmt. Alle Muslime müssten ihm Gefolgschaft schwören, hieß es am Sonntag in einer Audiobotschaft eines Isis-Sprechers. Ein Kalifat ist ein auf islamischen Gesetzen basierendes Staatswesen, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegen.

Laut der Audiobotschaft benannte sich Isis, die Kurzform für Islamischer Staat im Irak und Syrien, zudem in „Islamischer Staat“ um. Die Authentizität der Aufnahme ließ sich zunächst nicht überprüfen. Die Islamisten sorgten ferner mit einer neuen Gräueltat für Entsetzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich zutiefst besorgt über eine Verschärfung der Krise. US-Präsident Barack Obama warnte vor der Gefahr von „Dschihad-Touristen“.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die sunnitische Miliz kontrolliert einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und ist seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen. Mit der Ausrufung eines Kalifats nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Muhammad. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.

Im Irak lieferten sich die irakische Armee und Isis-Milizen am Wochenende schwere Kämpfe um die Stadt Tikrit. Widersprüchliche Berichte gab es über die militärische Lage. Die BBC meldete unter Berufung auf Augenzeugen, die Armee habe sich wegen großen Widerstands südlich von Tikrit zurückziehen müssen.

Das regierungstreue Nachrichtenportal Al-Sumeria berichtete dagegen, die Armee sei tiefer in die Stadt eingedrungen und habe große Teile von Aufständischen „gesäubert“.

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