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05.11.2014

01:57 Uhr

Irak

Kanadas Kampfjets retten Staudamm

IS-Kämpfer wollten offenbar einen Staudamm am Euphrat zerstören, um die Bevölkerung in der Region zur Flucht zu zwingen. Kanadische Kampfjets haben die Pläne der Dschihadisten mit ihrem Einsatz jedoch vereitelt.

Kanadische Kampf-Jets flogen einen erfolgreichen Einsatz gegen IS-Kämpfer im Irak. Reuters

Kanadische Kampf-Jets flogen einen erfolgreichen Einsatz gegen IS-Kämpfer im Irak.

OttawaDie kanadischen Streitkräfte haben bei ihren ersten Luftangriffen im Irak Material der Dschihadisten zerstört, mit denen diese offenbar ein Tal überfluten wollten. Ein Sprecher der Armee sagte am Dienstag in Ottawa, insgesamt seien am Sonntag vier Ziele der Organisation Islamischer Staat (IS) angegriffen worden.

Dabei wurden demnach Baugeräte sowie ein Lastkraftwagen zerstört. Ottawa hatte erklärt, sich zu den Details der Luftangriffe erst am Dienstag äußern zu wollen. Die IS-Kämpfer hätten mit dem Material einen Staudamm am Euphrat brechen und die "Bevölkerung von Anbar zur Flucht vor der Überschwemmung zwingen" wollen, sagte Generalleutnant Jonathan Vance auf einer Pressekonferenz.

Die Grenzstadt Kobane

Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

Warum greift die Türkei nicht ein?

Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

Zivilisten und irakische Soldaten hätten dann über eine bestimmte Straße fliehen müssen, an der die IS-Kämpfer "Sprengsätze deponiert" hätten. Durch eine solche Überschwemmung wäre vor Ort auch die Wasserversorgung gefährdet gewesen.

Kanadische F-18-Kampfjets hatten am Sonntag in der zentralen Region Falludscha lasergesteuerte Bomben auf IS-Ziele abgeworfen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte.

Kanada beteiligt sich an der US-geführten Allianz gegen den Islamischen Staat mit sechs CF-18 Kampfflugzeugen, zwei Überwachungsmaschinen und einem Tankflugzeug. Die etwa 600 kanadischen Soldaten sind in Kuwait stationiert. Die Regierung hatte den Einsatz für sechs Monate genehmigt. Dann solle über eine mögliche Verlängerung des Mandats entschieden werden. Die Kampfflugzeuge hätten bisher 18 Einsätze geflogen, sagte Vance.

Kommentare (5)

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Frau Ich Kritisch

05.11.2014, 07:31 Uhr

Zitat: Baugeräte sowie ein Lastkraftwagen zerstört

ups das typische Zeug mit dem man Staudämme zerstört - LKWs

Herr Andreas Stadlmeier

05.11.2014, 09:33 Uhr

Richtig lesen Frau Buschmann.
Es war keine rede davon, zu welcher Fraktion die Baugeräte gehören. Ich vermute mal zum Staudamm und bei den Schäden handelt es sich wohl mehr um kollateralschaden.

Nicht hinter jedem Artikel verbirgt sich eine verschwörungstheorie und nicht hinter jeder westlichen Militäraktion versteckt sich ein geheimer Plan mit dem man die Bevölkerung im mittleren Osten schädigen will...

Herr x y

05.11.2014, 09:36 Uhr

ups - ja! Mit den LKW wird der Sprengstoff transportiert, und mit den Planierraupen/Radladern in die günstigste Position (etwa an die Schieberkammern) bugsiert. Das dann noch nötige Streichholz wurde leider nicht zerstört.

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