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17.06.2014

20:18 Uhr

Irak-Krise

Energieagentur sieht Probleme bei Öl-Produktion

Irak ist Wachstumstreiber innerhalb der Opec, doch der Vormarsch von Islamisten bremst den Ölexport. Die Internationale Energieagentur sorgt sich, denn die Lage der Energiemärkte ist auch durch die Ukrainekrise gespannt.

Im Irak liefern sich verschiedene Gruppen einen erbitterten und blutigen Machtkampf. Auch die Ölförderung des Landes ist von der Krise betroffen. dpa

Im Irak liefern sich verschiedene Gruppen einen erbitterten und blutigen Machtkampf. Auch die Ölförderung des Landes ist von der Krise betroffen.

London/FrankfurtEnergie wird nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wegen der sich verschärfenden Krisen in der Ukraine und im Irak weltweit teurer. Allein der erneut zugespitzte Gaskonflikt zwischen Moskau und Kiew habe den Ölpreis bereits um zwei bis drei US-Dollar je Barrel steigen lassen, sagte der Chef des Ölkartells, Abdalla Salem El-Badri, am Dienstag bei einer Branchenkonferenz in Moskau. In Deutschland sorgen vor allem die sinkenden Kosten für Energie derzeit aber noch für eine geringe Inflation. Die USA weiten die heimische Öl- und Gasförderung unterdessen so stark aus wie noch nie in ihrer Geschichte.

Die Krise im Irak habe erst angefangen, warnte El-Badri in Moskau: „Es geht um viel.“ Mit Blick auf Russlands Stopp der Gaslieferungen für die Ukraine sagte er, beide Seiten müssten ihren Streit lösen.

„Es gibt Spannungen“, sagte der Opec-Chef. Noch fließe das Gas in die Europäische Union durch die Ukraine, die das wichtigste Transitland für Lieferungen nach Mittel- und Westeuropa ist. El-Badri betonte aber auch: „Der Markt ist nervös, wenn die Zufuhr gekürzt wird.“

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Experten warnen, dass die Ukraine den Durchfluss von Gas in die EU kappen könnte, um ihren eigenen Bedarf zu decken. Russland liefert dem Nachbarland seit Montag wegen Milliardenschulden kein Gas mehr.

Auf dem World Petroleum Congress in der russischen Hauptstadt - einem der weltweit größten Treffen von Öl- und Gasexperten - war das Verständnis für den Schritt des Energieriesen Gazprom groß. „Es gibt einen Vertrag“, meinte El-Badri. Er warnte vor einer Verschärfung die Krise: „Es gibt kein Vertrauen, wenn ein Partner nicht bezahlt.“

Der deutsche Öl- und Gaskonzern Wintershall sieht bei der Vermittlung im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine auch EU-Politiker in der Pflicht, um eine mögliche Versorgungskrise in Europa abzuwenden.

Wegen Schwierigkeiten im Verhältnis mit dem Westen hätten „extrem wichtige russisch-europäische Energieprojekte“ derzeit Probleme, sagte Vorstandschef Rainer Seele. Die Politik müsse überzeugt werden, dass Vorhaben wie die Pipeline South Stream unter Umgehung der Ukraine ein Beitrag zur Energiesicherheit in Europa seien. Im Moment bestehe keine Gefahr, weil die Gasspeicher gut gefüllt seien.

Um sich unabhängiger von internationalen Energielieferungen zu machen, haben die Vereinigten Staaten ihre Versorgung aus eigenen Quellen 2013 so stark gesteigert wie nie zuvor. Um 1,1 Millionen Barrel pro Tag (13,5 Prozent) nahm die Förderung zu, wie der britische Rohstoffriese BP in einer Studie ermittelte. Die USA setzen seit einiger Zeit vermehrt auf die umstrittene Fracking-Methode, um in tiefem Gestein eingeschlossenes Öl und Gas zu gewinnen.

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