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13.06.2014

13:38 Uhr

Irak-Krise

Iran prüft Zusammenarbeit mit den USA

Der Irak wird gerade durch Offensiven der sunnitischen Islamisten in die Krise gestürzt. Um die Kämpfe zu beenden will die schiitische Führung des Iran nun über eine Zusammenarbeit mit dem Erzfeind USA nachdenken.

Seit der Wahl Hassan Ruhanis zum iranischen Präsidenten 2013 haben sich die Beziehungen der islamischen Republik zum „Großen Satan“ USA etwas verbessert. dpa

Seit der Wahl Hassan Ruhanis zum iranischen Präsidenten 2013 haben sich die Beziehungen der islamischen Republik zum „Großen Satan“ USA etwas verbessert.

AnkaraAngesichts der Blitzoffensive von sunnitischen Islamisten im Irak prüft die schiitische Führung des Iran einem Insider zufolge eine Zusammenarbeit mit dem Erzfeind USA. „Wir können gemeinsam mit den Amerikanern den Aufstand im Nahen Osten beenden“, sagte ein hochrangiger iranischer Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters unter Hinweis auf die Kämpfe im Nachbarland. „Wir haben großen Einfluss im Irak, in Syrien und in anderen Staaten.“ Über eine Kooperation werde gegenwärtig innerhalb der iranischen Führung diskutiert. Ob es schon Gespräche gegeben habe, wisse er nicht, sagte der Iraner nicht.

Der Al-Kaida-Ableger Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hat in den vergangenen Tagen umfangreiche Gebiete erobert und bedroht nun Bagdad. Auch im syrischen Bürgerkrieg haben die radikalen Sunniten Erfolge erzielt.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Der Iran bezeichnet die Isis als Terroristen und hat der schiitischen Regierung des Irak Hilfe zugesagt. Brigadegeneral Mohammed Hedschasi sagte der Nachrichtenagentur Tasnim, man sei bereit, der irakischen Regierung Militärgüter zu liefern. „Ich glaube nicht, dass die Entsendung iranischer Truppen nötig sein wird“, sagte er.

Seit der Wahl Hassan Ruhanis zum iranischen Präsidenten 2013 haben sich die Beziehungen der islamischen Republik zum „Großen Satan“ USA etwas verbessert. Bei den internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ist ein Zwischenabkommen erzielt worden.

Beide Staaten sehen das Erstarken von radikalen Islamistengruppen wie der überwiegend sunnitischen Al-Kaida als Problem. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums erklärte am Donnerstag zur Rolle des Iran in der Irak-Krise, man habe die Regierung in Teheran in vielen Fällen aufgefordert, eine konstruktive Rolle zu spielen. Dem habe sie im Moment nichts hinzuzufügen.

Im Ostirak bereiteten sich kurdische Truppen nach dem Vormarsch der Islamisten am Freitag auf eine Gegenoffensive vor. Wie das Nachrichtenportal „Sumaria News“ unter Berufung auf kurdische Sicherheitskräfte berichtete, traf ein Regiment der Peschmerga-Truppen am Vormittag ein. Die kurdischen Soldaten wollten im Großraum der Stadt Dschalula das Machtvakuum füllen, das die irakischen Truppen nach ihrem Rückzug aus der Region hinterlassen hätten, hieß es.

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