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16.06.2014

14:58 Uhr

Irak-Krise

Kurdische Armee kopiert Putins Strategie

Die kurdische Armee fordert ein Referendum im Nordirak. Dadurch sollen die von ihnen eroberten Gebiete anerkannt werden. Diese Strategie ist nicht neu – aber sie funktioniert. Das hat bereits das Krim-Referendum gezeigt.

Im Nordirak fordert die kurdische Armee ein Referendum. Sie wollen unabhängig vom Irak sein. AFP

Im Nordirak fordert die kurdische Armee ein Referendum. Sie wollen unabhängig vom Irak sein.

BagdadDie kurdische Armee hat eine Anerkennung der von ihr eroberten Gebiete im Nordirak durch die irakische Regierung eingefordert. Die Truppen würden die Provinzen Kirkuk, Nineve und Dijala nicht eher verlassen, bis Bagdad nicht Artikel 140 der irakischen Verfassung zur Anwendung bringe, zitierte die Nachrichtenseite „Al-Sumaria News“ einen kurdischen Offizier am Montag.

Artikel 140 der nach dem Sturz des Präsidenten Saddam Hussein durch die USA geschriebenen irakischen Verfassung sieht ein Referendum für die kurdischen Regionen des Iraks vor. Die Bevölkerung der Provinzen Kirkuk, Salaheddin, Nineve und Dijala sollen über eine Zugehörigkeit zur kurdischen Autonomieregion entscheiden. Die Regionen werden zu großen Teilen von kurdischstämmigen Irakern bewohnt, aber von Bagdad aus verwaltet.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Unter Saddam Hussein fand eine „Arabisierung“ dieser ölreichen Region statt, um neue Mehrheitsverhältnisse zu schaffen. Die irakische Regierung unter Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte eine Anwendung von Artikel 140 bisher verhindert. Die kurdische Armee konnte die Region erobern, nachdem Extremisten der Terrorgruppe Isis die irakische Armee von dort vertrieben hatte.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.06.2014, 18:58 Uhr

Hallo Handelsblatt,
auf der Krim gab es 1991 ein Referendum was dazu führte, dass die Krim weitreichende Autonomie erlangte. Das war ganz und gar ohne Putin. Auch das Referendum 2014 wurde von der Bevölkerung der Krim organisiert und abgehalten, nicht von Putin.
Jetzt "Kurdische Armee" und "Putin" in einem Satz zu erwähnen, erweckt auf subtile Art und Weise den Eindruck, dass nun Putin an den Unruhen im Irak Schuld sein. Sowas ist doch albern!

Account gelöscht!

17.06.2014, 08:19 Uhr

Warum ist die Minderheit der Kurden immer Opfer von Beschimpfungen und Beleidigungen durch Deutsche Politik und Presse wie heute durch das HB ? Die Kurden mit Putin zu vergleichen bedeutet, dass sie ja nach Aussagen von Deutschland, EU und Amerika etc etwas Völkerrechtswidriges gemacht haben. Das ist nicht der Fall, die Kurden wollen endlich wieder eine freie Heimat haben, was von Deutschen Politikern , Presse zusammen mit Erdogan immer bekämpft wurde. Dabei ist das freie Kurdesdan nicht nur ein Ruhepool für Flüchtlinge, nein auch die Kurdische freie Armee hält die Isis auf Abstand.

Natürlich wäre Deutschland und die Türkei vermutlich froh ,wenn die ISIS die Kurden überfallen und den Teil Kurdestan besetzen. Aber die kleine tapfere Minderheit der Kurden
widersetzt sich.Bravo!

Weiterhin wollen die Kurden keinen Gottesstaat wie es Erdogan will. Alles posetive Zeichen die alle kein Gehör bei der Türkeihörigen Politik und Presse findet.

Dafür ist die sogenannte freie Deutsche Presse immer bereit masssiv zu zensieren , wenn der Hofstaat verbal angegriffen wird. Freies Deutschland ..lächerlich!

Für ein freies demokratisches Kurderstan.

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