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24.03.2017

14:17 Uhr

Irak

Mossul-Offensive kostet Tausende Zivilisten das Leben

Seit Oktober läuft der Angriff auf die IS-Hochburg Mossul. In der dicht bebauten Altstadt sind 400.000 Menschen eingeschlossen. Sie schweben in großer Gefahr. Eine Flucht ist praktisch ausgeschlossen.

MossulDie Zahl der getöteten Zivilisten bei der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul ist nach Angaben des irakischen Zivilschutzes stark gestiegen. Seit Beginn des Angriffs auf den Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3000 Zivilisten ums Leben gekommen, sagte ein Vertreter der irakischen Zivilverteidigung, der ungenannt bleiben wollte, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Unter ihnen seien Kinder, Frauen und Alte.

Die meisten Opfer seien in den vergangenen drei Tagen bei Luftangriffen und Artilleriefeuer auf die Altstadt von Mossul getötet worden, erklärte er weiter. Hunderte Opfer lägen noch in verschiedenen Vierteln West-Mossuls unter den Trümmern. Sie könnten nicht geborgen werden, weil IS-Scharfschützen das verhinderten und Helfer nicht in der Lage seien, die Trümmer zu heben.

Iraks Zivilverteidigung untersteht dem Innenministerium in Bagdad. Sie ist für die Rettung und Bergung von Opfern zuständig.

Die schwersten Niederlagen des IS seit Anfang 2015

Kobane

Nach einer Reihe von Siegen erleidet die IS-Miliz im kurdischen Kobane am 26. Januar 2015 ihre erste, große Niederlage. Kurdische Kämpfer vertreiben die Dschihadisten – unterstützt durch US-Luftangriffe – aus der Stadt in der Nähe der Grenze zur Türkei. Vier Monate erbitterter Kämpfe waren dem Sieg vorausgegangen.

Tikrit

Die Heimatstadt des einstigen irakischen Machthabers Saddam Hussein wird am 31. März 2015 von irakischen Regierungstruppen und schiitischen Milizen zurückerobert. Die Militäroperation in Tikrit, damals der größte Einsatz irakischer Soldaten gegen die IS-Miliz, wird dadurch einfacher, dass die meisten der 200.000 Einwohner aus der Stadt geflüchtet sind.

Sindschar

Kurdische Einheiten im Irak vertreiben die IS-Kämpfer am 13. November 2015 aus der Stadt Sindschar nordwestlich von Bagdad. Damit wird auch ein entscheidender Nachschubweg für die Dschihadisten zwischen ihren Stellungen in Syrien und im Irak unterbrochen. Die IS-Miliz hatte Sindschar im August 2014 erobert und war danach brutal gegen die kurdischen Jesiden in der Region vorgegangen. Massaker, Vergewaltigungen und Versklavungen von jesidischen Frauen lösten weltweit Entsetzen aus.

Ramadi

Irakische Truppen erobern am 8. Dezember 2015 wichtige Bereiche der sunnitischen Stadt Ramadi im Irak. Zwei Wochen später, unterstützt von US-Luftangriffen, erreichen die Regierungseinheiten das Zentrum der Hauptstadt der Provinz Anbar, die seit Mai von der IS-Miliz besetzt war.

Palmyra

Syrische Regierungstruppen unterstützt durch russische Luftangriffe nehmen am 27. März 2016 die antike Wüstenstadt Palmyra wieder vollständig ein. Damit bereiten sie der IS-Miliz in Syrien ihre bis dahin schwerste Niederlage. Mit Palmyra geht den Dschihadisten de facto auch die syrische Wüste bis zur Grenze zum Irak verloren. Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert und danach mehrere antike Tempel, den prachtvollen Triumphbogen und Grabmäler zerstört, die von der Uno-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt wurden.

Am Mittwoch waren bei einer gewaltigen Explosion in West-Mossul verschiedenen Berichten zufolge mehr als 100 Zivilisten getötet worden. Die Ursache der Explosion ist unklar. Ein Aktivist berichtete, ein Luftangriff habe einen mit Sprengstoff beladenen Laster getroffen. Ein irakischer General erklärte hingegen, der IS habe Häuser mit Sprengladungen versehen, die explodiert seien.

Die Offensive auf die letzte Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak hatte im Oktober begonnen. Allein in der eng bebauten Altstadt Mossls sind den UN zufolge noch 400 000 Menschen eingekesselt. Die US-geführte internationale Koalition unterstützt den Angriff mit Luftangriffen.

Die Internetseite Airwars.org, ein Projekt von Journalisten, warf den USA vor, die Zahl der zivilen Opfer bei Angriffen der Koalition sei zuletzt stark gestiegen. Berichten zufolge benutzt der IS Zivilisten als Schutzschilde und drohen jedem mit Erschießung, der fliehen will.

Kampf um Mossul

UN: „400.000 Zivilisten sind eingeschlossen“

Kampf um Mossul: UN: „400.000 Zivilisten sind eingeschlossen“

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Auch aus Syrien hatten Aktivisten in den vergangenen Tagen Dutzende tote Zivilisten nach Luftangriffen der internationalen Koalition gemeldet. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte am Freitag, in den vergangenen vier Wochen seien bei Bombardierungen in verschiedenen Regionen 220 Zivilisten getötet worden.

Allein in dieser Woche starben demnach bei Luftangriffen auf die vom IS kontrollierten Orte Al-Tabka und Al-Mansura fast 50 Menschen. Die US-Armee erklärte, sie untersuche die Vorfälle. Die internationale Koalition unterstützt in Nord-Syrien eine Offensive von Kurden angeführter Truppen auf die IS-Hochburg Al-Rakka.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Leo Löwenstein

24.03.2017, 15:34 Uhr

Als die Assad-Truppen mit Hilfe Russlands und des Iran Aleppo vollständig eingenommen haben, gab es tägliche Berichte, wie viel Zivilisten umgekommen sind.
Russland-Beteiligung: Jeden tag ein riesen Aufhänger

Bei Mossul hört man jetzt seit Wochen das erste mal davon (zumindest bewußt).
USA-Beteiligung: da ist es eine Randnotiz, dafür gleich 3000....

Für mich ist das eine ungleiche Berichterstattung.

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