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29.01.2006

15:20 Uhr

Irak

Neuer Eklat im Prozess gegen Saddam Hussein

Im Prozess gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein und sieben seiner früheren Getreuen ist es am Sonntag erneut zum Eklat gekommen. Nachdem Saddams Halbbruder des Saales verwiesen worden war, protestierte der Ex-Diktator lautstark und folgte seinem Verwandten. Zwei Mitangeklagte taten es ihnen gleich.

HB BAGDAD. Der neue Vorsitzende Richter Rauf Raschid Abdul Rahman hatte gleich zu Verhandlungsbeginn klargemacht, dass er keine politischen Reden oder ungebetene Erklärungen der Angeklagten dulden werde.

Der Prozess wurde anschließend mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Eine Frau, die ihre Aussage hinter einem Vorhang machte, sagte, sie habe gesehen, wie 25 andere Frauen gefoltert worden seien. Auch sie selbst sei nach dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch auf Saddam in ihrer Heimatstadt Dedscheel mehr als drei Jahre lang vom Geheimdienst und von den Wärtern in zwei Gefängnissen gefoltert worden. Saddam und seine Mitangeklagten müssen sich in dem Verfahren wegen der Hinrichtung von 148 Männern in der schiitischen Stadt 1982 verantworten. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe.

Saddams Bruder Barsan, der an Krebs leidet, beklagte sich zuvor über seinen Gesundheitszustand und seine Behandlung und wurde danach des Saals verwiesen. Als Saddam deshalb drohte, aus Protest ebenfalls den Saal zu verlassen, entließ ihn der Richter. Saddam beschwerte sich daraufhin, der Vorsitzende lasse es ihm gegenüber an Respekt mangeln und er lasse nicht in diesem Ton mit sich umspringen. „Ich habe Sie 25 Jahre lang regiert“, rief Saddam ihm zu.

Abdul Rahman leitete erstmals die Verhandlung. Seinem Mitte Januar zurückgetretenem Vorgänger Risgar Mohammed Amin war vorgeworfen worden, den Angeklagten zu viel Raum zur Selbstdarstellung gegeben und sie nicht entschieden genug in ihre Schranken verwiesen zu haben.

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