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20.06.2014

13:19 Uhr

Irak

Rebellen vor neuer Attacke auf Öl-Raffinerie

Fällt Iraks wichtigste Öl-Raffinerie doch noch in die Hände der Isis-Rebellen? Die Armee rechnet mit neuen Attacken, während Hunderttausende im Land vor den Dschihadisten fliehen. Die USA erhöhen den Druck auf Bagdad.

Rauch nahe der Öl-Raffinerie Baidschi: Verlust der Anlage wäre ein schwerer Schlag für die Regierung. dpa

Rauch nahe der Öl-Raffinerie Baidschi: Verlust der Anlage wäre ein schwerer Schlag für die Regierung.

DüsseldorfDie irakische Armee stellt sich auf einen erneuten Angriff sunnitischer Kämpfer auf eine wichtige Ölraffinerie im Norden des Landes ein. Der Befehlshaber der Truppen in Beidschi, Ali al-Kureischi, sagte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, er rechne damit, dass sich die Rebellen neu formierten, um dann wieder anzugreifen. Die USA unterstützen nun die irakische Regierung mit 300 Militärberatern. Die Entsendung von Kampftruppen ist nicht vorgesehen.

Seit Dienstag versuchen Verbände der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis), die wichtige Raffinerie in Baidschi, 250 Kilometer nördlich von Bagdad, einzunehmen. Nach einer Attacke am Donnerstagabend hatten sich die Angreifer zurückgezogen. Ein Augenzeuge berichtete nun, er habe im Vorbeifahren die schwarzen Flaggen der Dschihadisten an den Wachtürmen der Anlage gesehen. Sie hätten auch Posten rund um die Anlage. Das Militär erklärte dagegen, dass Regierungssoldaten immer noch die Kontrolle über die Raffinerie hätten.

Ölpreis legt weiter zu

Der Verlust der Anlage wäre ein schwerer Schlag für die Regierung und würde deutlich machen, dass sie dem Ansturm der Extremisten nicht gewachsen ist. Das gesamte dort produzierte Benzin ist für den Gebrauch im Inland, vor allem im Norden, gedacht. Jeder längere Ausfall dürfte lange Warteschlangen an Tankstellen und Stromknappheit zur Folge haben, was das Chaos im Irak noch verstärken könnte.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Wegen der andauernden Kämpfe hat das zweitgrößte Ölunternehmen des Landes die Produktion heruntergefahren. Wie am Freitag aus Firmenkreisen der staatlichen North Oil Company in Kirkuk verlautete, werden zum ersten Mal seit 2003 nicht mehr 650.000 Barrel täglich gefördert, sondern nur noch 300.000 Barrel (je 159 Liter). Grund seien der Betriebsstopp der umkämpften Raffinerie in Baidschi, die von dem Unternehmen versorgt wurde, sowie die Unterbrechung der Exporte von Rohöl aus dem Norden. Nun werde nur noch für den irakischen Markt gefördert, hieß es, etwa um Benzin zu produzieren.

Die Furcht vor Versorgungsengpässen wegen der anhaltenden Kämpfe im Irak hat den Ölpreis weiter nach oben getrieben. Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Donnerstag mit bis zu 114,80 Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie seit Anfang September vergangenen Jahres nicht mehr. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI stieg in der Spitze um 0,6 Prozent auf 106,63 Dollar je Fass. „Der Ölmarkt bleibt in Hab-Acht-Stellung“, sagte Michael McCarthy, Chef-Stratege bei CMC Markets in Sydney.

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Kommentare (1)

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20.06.2014, 16:01 Uhr

Steht Irak vor der völligen Zerstörung durch den Westen?

Unter Saddam Hussein gab es keine radikal islamischen Terroristen.
Es war ein säkularer Staat worin alle Religionen friedlich miteinander auskamen.
Der Irak hatte den höchsten Lebensstandard unter den arabischen Ländern, die Bevölkerung genoss ein sehr gutes soziales System, gute Schuldbildung und vor allem Sicherheit!

Es gab eine wohlhabende Mittelschicht.
Es ist schwer für Aussenstehende sich jetzt vorzustellen, der Irak war früher ein blühendes, funktionierendes und friedliches Land.

Mit den aktuellen Ereignissen, der Eroberung von irakischen Gebieten durch die mörderischen Banden der ISIS, die von Syrien her kommen und von Washington und den Golfstaaten rekrutiert, ausgebildet, finanziert und bewaffnet werden, ist die nächste Stufe der Zerstörung des Irak eingeleitet.

Es ist unglaublich wie der Westen es immer wieder schafft, mit Lügen in den Propagandamedien die Weltmeinung zu täuschen, es gehe um "Demokratie und Menschenrechte", um den Schutz der Bevölkerung. Die angloamerikanischen Finanzverbrecher die hinter allem stecken haben mit ihrer endlosen Gier nach Weltherrschaft nur eines im Sinn, Streit, Krieg, Elend und Tod zwischen den Völkern zu verursachen.

Wie lange lassen wir uns das noch von Washington gefallen?

Ist Deutschland von den USA besetzt und keiner weiss es?

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