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28.12.2015

22:31 Uhr

Irak und IS

Irakische Armee vertreibt IS-Kämpfer aus Ramadi

Anfang Mai hatte Terrormiliz IS die Hauptstadt der Provinz Anbar erobert. Jetzt hat die irakische Armee Ramadi zurückerobert. Unter vielen Irakern brach Jubel aus. Für die IS-Dschihadisten ist das eine herbe Niederlage.

Terrormiliz zurückgedrängt

Größter Erfolg: Irakische Armee befreit Ramadi von IS

Terrormiliz zurückgedrängt: Größter Erfolg: Irakische Armee befreit Ramadi von IS

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RamadiNach erbitterten Gefechten hat die irakische Armee die Stadt Ramadi vollständig von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert. Irakische Soldaten hissten am Montag die Nationalflagge über dem Sitz der Provinzregierung von Ramadi. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi gratulierte den Soldaten und versprach, 2016 das gesamte Land von den Dschihadisten zu befreien.

"Ramadi ist befreit", sagte Brigadegeneral Jahja Rasool im irakischen Staatsfernsehen. In der Stadt reckten irakische Soldaten Gewehre in die Luft und führten Freudentänze auf.

Die Armee muss aber noch zahlreiche, vom IS gelegte Sprengfallen entschärfen. Allein in den Regierungsgebäuden und den Zufahrtsstraßen wurden nach Militärangaben 300 Bomben und Sprengsätze deponiert.

Die Gegner des Islamischen Staates

USA

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit mehr als einem Jahr bombardiert die US-Luftwaffe die Extremisten in Syrien und im Irak. An ihrer Seite sind auch Jets aus Frankreich und anderen westlichen Staaten sowie aus arabischen Ländern im Einsatz. Washington hat zudem US-Militärberater in den Irak entsandt, die Bagdad im Kampf am Boden unterstützen.

Russland

Moskaus Luftwaffe fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien. Sie sollen nach Angaben des Kremls den IS bekämpfen. Der Westen und syrische Aktivsten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um so das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

Deutschland

Deutschland liefert seit mehr als einem Jahr Waffen an die Kurden im Norden des Iraks, darunter die Sturmgewehre G3 und G36 und die Panzerabwehrwaffe Milan. Die Bundeswehr bildet zudem kurdische Peschmerga-Kämpfer für den Kampf am Boden aus.

Arabische Staaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Gefahr, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind.

Kurden

Sowohl im Norden Syriens als auch im Nordirak gehören die Kurden zu den erbittertsten Gegnern des IS. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) im Syrien und die Peschmerga im Irak konnten den Extremisten empfindliche Niederlagen beibringen. Unterstützt werden sie von mehreren westlichen Staaten.

Irakische Armee

Das irakische Militär geht in mehreren Regionen des Landes gegen den IS vor. Allerdings kann sie nur wenige Erfolge vorweisen. Seit Monaten versucht die Armee erfolglos, die westirakische Provinz Al-Anbar zu befreien. Unterstützt wird sie von schiitischen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind.

Syrische Rebellen

Sie bekämpfen das Regime und den IS. Das gilt auch für die Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie teilt die Ideologie des IS, ist aber mit ihm verfeindet.

Syrisches Regime

Auch das syrische Militär geht gegen den IS vor. Kritiker werfen dem Regime jedoch vor, es greife vor allem andere Rebellen an und lassen die Extremisten gewähren. Auffällig ist, dass sich die meisten syrischen Luftangriffe nicht gegen den IS, sondern gegen Regionen unter Kontrolle anderer Gruppen richten.

Die IS-Miliz hatte das Stadtzentrum mit rund 400 Kämpfern verteidigt, unklar war, wieviele getötet wurden und wieviele fliehen konnten. Auf Regierungsseite wurden nach Angaben von Ärzten allein am Sonntag fast hundert Soldaten in Krankenhäuser eingeliefert.

Ministerpräsident Abadi sagte in einer Fernsehansprache, 2015 sei ein "Jahr der Befreiung" gewesen, 2016 werde das "Jahr der großen Siege". "Wir werden Mossul befreien", fügte Abadi hinzu. Das werde der IS-Miliz den "tödlichen Stoß" versetzen. Die Dschihadisten hatten die im Erdölgebiet gelegene zweitgrößte Stadt des Landes im Juni 2014 eingenommen. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi rief dort sein Teile des Iraks und Syriens umspannendes "Kalifat" aus.

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US-Außenminister John Kerry übermittelte der irakischen Regierung und ihren "tapferen" Soldaten seine Glückwünsche. Auch der britische Außenminister Philip Hammond gratulierte. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte in Berlin, die Rückeroberung Ramadis zeige einmal mehr, dass der "IS nicht unbesiegbar ist, weder im Irak noch in Syrien". Der französische Präsident François Hollande sprach vom bisher "wichtigsten Sieg" im Kampf gegen die IS-Extremisten.

Der IS hatte die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar im Mai erobert. Anfang Dezember eroberte die von Kampfflugzeugen der US-geführten Militärallianz unterstützte Armee mehrere Stadtteile von Ramadi zurück. Am vergangenen Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor.

In Syrien wurden derweil auf Grundlage eines ungewöhnlichen Abkommens zwischen Rebellen und Regierung mehr als 450 Menschen aus drei lange umkämpften Orten fortgebracht. Aus Sabadani, der letzten Rebellenbastion an der Grenze zum Libanon, seien am Montag 125 Kämpfer und Zivilisten abgezogen worden, darunter auch Verletzte, teilten die UNO in Syrien und das syrische Rote Kreuz mit. Sie sollten über den Libanon und die Türkei in andere Rebellengebiete in Syrien gebracht werden.

Aus den letzten von Regierungstruppen gehaltenen schiitischen Ortschaften in der nordwestlichen Provinz Idlib, Fua und Kafraja, wurden demnach im Gegenzug 338 Zivilisten und Kämpfer herausgebracht. Sie sollten über die Türkei und den Libanon nach Damaskus gelangen. Die UNO sprach von einer "erfolgreichen Operation".

Bei Anschlägen in der einstigen Rebellenhochburg Homs wurden nach Angaben der syrischen Staatsmedien am Montag mindestens 19 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 32 Toten. Die meisten Einwohner des Viertels sind wie Staatschef Baschar al-Assad und seine Familie Alawiten. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien; ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Von

afp

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