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21.06.2014

09:21 Uhr

Irak

US-Geheimdienste sahen Isis-Offensive nicht kommen

Die US-Geheimdienste wussten offenbar nichts von einer bevorstehenden Großoffensive der Isis-Kämpfer im Irak. Nun sollen Informationen über die Lage vor Ort beschafft und der Vormarsch der Extremisten gestoppt werden.

Die Isis-Kämpfer veröffentlichen über Twitter zahlreiche Fotos von angeblichen Massenhinrichtungen. Die US-Geheimdienste wussten offenbar von der bevorstehenden Großoffensive nichts. dpa - picture-alliance

Die Isis-Kämpfer veröffentlichen über Twitter zahlreiche Fotos von angeblichen Massenhinrichtungen. Die US-Geheimdienste wussten offenbar von der bevorstehenden Großoffensive nichts.

WashingtonDie CIA und andere US-Geheimdienste beobachten die sunnitisch-fundamentalistischen Kämpfer der Terrorgruppe Isis schon seit Jahren. Sie verfolgten, wie die Gruppe im Chaos des syrischen Bürgerkriegs immer mächtiger wurde und auch die schiitisch dominierte irakische Regierung herausforderte.

Und doch wurden die Geheimdienste vom Überfall auf Mossul und andere Städte im Nordirak überrascht. Nun bemühen sich die Agenten, ihre Wissenslücken möglichst rasch zu schließen, um den Vormarsch der Extremisten zu stoppen.

Angesichts der unklaren Geheimdienstinformationen will offenbar auch US-Präsident Barack Obama vorerst keine Luftangriffe auf Isis anordnen. Aus Regierungskreisen heißt es, für solche Angriffe kämen im Moment nur wenige Ziele infrage. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen und der Präsident könne durchaus noch Luftangriffe befehlen, sollten sich geeignete Ziele ergeben.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Für die USA ist die Informationsbeschaffung im Nahen Osten schwieriger geworden: Der Abzug der amerikanischen Truppen 2011 aus dem Irak und der Bürgerkrieg in Syrien haben weite Teile beider Länder für US-Agenten unzugänglich gemacht.

Um die Schlüsselfiguren der Isis zu beobachten, durchforsten die Geheimdienstanalysten nun Daten aus Jordanien, Saudi-Arabien, der Türkei und anderen Partnerländern. Außerdem setzen sie auf ihre eigenen verbliebenen Quellen vor Ort, auf Satellitenbilder, Drohnen und abgehörte Kommunikation.

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