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11.07.2017

02:14 Uhr

Irak

Warum den Bewohnern Mossuls kaum zum Feiern zumute ist

Die irakische Regierung erklärt die Eroberung von Mossul zum großen Festtag. Doch die Bewohner der Stadt haben weiterhin kaum eine Perspektive. Ein Großteil Mossuls ist so zerstört, dass eine Rückkehr unmöglich ist.

Im Flüchtlingslager Hassan Scham östlich von Mossul: Heimatlose Kinder beobachten bei Temperaturen um die 40 Grad, wie ein Mann Eisblöcke zuschneidet. Reuters

Eis hinter Gittern

Im Flüchtlingslager Hassan Scham östlich von Mossul: Heimatlose Kinder beobachten bei Temperaturen um die 40 Grad, wie ein Mann Eisblöcke zuschneidet.

Mossul/GenfWährend die irakische Regierung die Eroberung Mossuls feiert, macht sich in den Lagern, in denen ehemalige Bewohner Zuflucht gesucht haben, Ernüchterung breit. Für sie gibt es auch jetzt kaum Chancen auf eine Rückkehr.

Als der IS in den Irak gekommen sei, sei es das Ziel der Terrormiliz gewesen, alles kaputt zu machen, sagte Polizist Hisham Hatem. Der IS habe spezielle Taktiken genutzt, um sicherzustellen, dass nach dem Kampf nicht viel von der Stadt Mossul übrig bleibe.

Mossul: Fast befreite Stadt in Trümmern

Mossul

Fast befreite Stadt in Trümmern

Nach drei Jahren hat der Irak das bevorstehende Ende des IS-„Kalifats“ in Mossul verkündet. Doch die dreijährige Gewaltherrschaft der Terroristen hat in der Stadt tiefe Narben hinterlassen.

Rund 65 Prozent der Gebäude in der Altstadt waren nach Angaben der zivilen Rettungsteams stark beschädigt oder zerstört. In anderen westlichen Teilen wurde sogar von noch mehr Zerstörung ausgegangen.

Die Vereinten Nationen erklärten, während der Kämpfe seien Tausende getötet und mehr als 897.000 Menschen vertrieben worden. Ein Ende der humanitären Krise sei nicht in Sicht. Wegen der gewaltigen Zerstörungen könnten Tausende Einwohner wohl auch nach Ende der Kämpfe vorerst nicht zurückkehren. Luftangriffe, Geschützgranaten und Bombenanschläge hätten Tausende Gebäude und die wichtigste Infrastruktur Mossuls zertrümmert.

"Es gibt nicht, was sie [der IS] uns gelassen hätten", sagte Mohammed Haji Ahmed der Nachrichtagentur Reuters am Samstag. Fünf Tage zuvor war er aus Mossul nach Hassan Scham gekommen. In seinem Viertel kämpften irakische Streitkräfte darum, die letzten IS-Anhänger zu vertreiben.

Der Bekleidungshändler verlor sein Haus, sein Auto, sein Geschäft und 15 Verwandte während der IS-Besetzung von Mossul. "Wenn es keinen Wiederaufbau gibt und die Leute nicht nach Hause zurückkehren und ihren Besitz wiederbekommen, was bedeutet Befreiung dann?", fragte er.

Im Flüchtlingslager Hassam Scham herrschen Temperaturen über 40 Grad, Elektrizität gibt es nicht. Einige Bewohner verkaufen dort ihre Essensrationen, um sich kühlendes Eis leisten zu können. Ein kleiner, etwa 30 Zentimeter lange Eisblock kostet etwa 500 Dinar (knapp 0,40 Euro).

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