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17.01.2016

08:13 Uhr

Iran einigt sich mit USA

Airbus ist erster Profiteur des Atomdeals

Quelle:dpa

Das Atom-Abkommen mit dem Iran ist unter Dach und Fach. Die EU und die USA hoben ihre Wirtschafts- und Finanzsanktionen mit sofortiger Wirkung auf. Die Wirtschaft hofft nun auf dicke Aufträge aus Teheran.

In Wien diskutieren die Parteien noch über weitere Details des Abkommens. Noch ist der historische Deal nicht offiziell abgeschlossen. ap

Detailverhandlungen

In Wien diskutieren die Parteien noch über weitere Details des Abkommens. Noch ist der historische Deal nicht offiziell abgeschlossen.

Wien/TeheranMit der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat der Iran den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen frei gemacht. Teheran habe sechs Monate nach dem Atom-Deal sämtliche Punkte der Vereinbarung erfüllt, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Samstag mit.

"Die Beziehungen zwischen dem Iran und der IAEA treten in eine neue Phase. Das ist ein wichtiger Tag für die internationale Gemeinschaft", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Samstagabend in Wien. Das Ende der Sanktionen sollte noch am Samstagabend offiziell von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini verkündet werden.

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Die Sanktionen gegen Iran sind gefallen. Damit öffnet sich ein Milliardenmarkt. Etliche Firmen sind längst am Golf aktiv, deutsche Unternehmen halten sich zurück. Kommt die deutsche Wirtschaft zu spät? Ein Besuch.

Die Islamische Republik hat demnach unter anderem die Zahl der zur Uran-Anreicherung genutzten Zentrifugen auf rund 6000 reduziert und die Bestände von angereichertem Uran drastisch verringert. Damit werden laut Vereinbarung die für den Iran so schmerzlichen Wirtschaftssanktionen durch UN, USA und EU fallen.

"Heute ist ein großer und guter Tag für die ganze Welt", hatte Teherans Außenminister Dschawad Mohammed Sarif bereits vor Beginn der zuletzt rund zehnstündigen Verhandlungen gesagt. Mit der Umsetzung des Atomabkommens eröffneten sich neue Perspektiven für eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen.

Der Schritt soll nach dem Willen der Verhandler auch einen Neubeginn in den bisher extrem frostigen Beziehungen zu Teheran markieren. Speziell das Verhältnis zwischen den USA und dem Iran war seit der Islamischen Revolution 1979 vergiftet.

Aus Angst vor einer etwaigen iranischen Atombombe waren die Sanktionen in den vergangenen zehn Jahren eingeführt und immer mehr verschärft worden. Nun könnte auch die deutsche Industrie von einem Wiederaufleben der Wirtschaftsbeziehungen erheblich profitieren.

Wo der Iran Uran anreichert

Natans

Seit 2007 wird in der unterirdischen Anlage südöstlich von Teheran schwach angereichertes Uran (bis fünf Prozent) produziert. Das Material wird in Atomkraftwerken zur Stromgewinnung eingesetzt. Bis August 2013 hatte der Iran 9704 Kilo angehäuft – deutlich mehr, als das Land auch später für sein einziges AKW in Buschehr bräuchte. Zudem installierte Teheran dort eine neue Generation von Zentrifugen, die deutlich schneller mehr anreichern können. Laut IAEA sind bisher rund 1000 neue Zentrifugen einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb.

Fordo

Im Jahr 2009 gab Teheran die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Die Fabrik wurde in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom gebaut. Hier wird auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran produziert.

Parchin

Bisher verweigerte der Iran Inspekteuren den erneuten Zugang zu der Militäranlage südöstlich von Teheran. Die IAEA geht davon aus, dass dort im Jahr 2000 ein Reaktorbehälter installiert wurde. In Parchin wurden möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert. Der Iran dementiert das. Seit die IAEA Anfang 2012 Zugang forderte, wurden Gebäude abgerissen, Material weggebracht und der Boden umgegraben.

Buschehr

Im August 2010 wurde in der Stadt am Persischen Golf Irans erstes AKW mit Brennstäben aus Russland eröffnet. Nach Verzögerungen ging der Leichtwasserreaktor rund ein Jahr später in Betrieb.

Isafahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung steht die Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Im Westen Irans soll seit 2006 eine Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb sein, der dazugehörige Schwerwasserreaktor ist noch im Bau. In Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das für die Waffenproduktion verwendet werden kann. Damit könnte sich der Iran einen zweiten Weg für die Produktion einer Bombe eröffnen.

Die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland und der Iran hatten sich im Sommer 2015 auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des seit mehr als zehn Jahren schwelenden Atomstreits geeinigt.

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