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18.11.2014

15:02 Uhr

Iran in Atomverhandlungen

Wirtschaft hofft auf den Durchbruch

Die Wirtschaft hofft auf eine Lösung bei den Atomverhandlungen mit dem Iran. Vor allem die Deutschen sind an einer schnellen Wiederaufnahme der guten Geschäftsbeziehungen interessiert.

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr, gebaut mit deutscher Technik. Auch die Wirtschaft hofft in den Atomverhandlungen mit dem Iran auf den Durchbruch. dpa

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr, gebaut mit deutscher Technik. Auch die Wirtschaft hofft in den Atomverhandlungen mit dem Iran auf den Durchbruch.

WienWenn an diesem Donnerstag in Wien die vermutlich letzte Runde über das iranische Atomprogramm beginnt, geht es nicht nur um Politik. Die Gespräche der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran werden weltweit auch von der Wirtschaft mit großem Interesse verfolgt. Dank ihrer traditionellen, guten Beziehungen machen sich vor allem die Deutschen große Hoffnungen, mit dem Iran wieder ins Geschäft zu kommen.

Die Bundesrepublik war über Jahrzehnte hinweg einer der wichtigsten Handelspartner und auch High-Tech-Lieferanten des Iran, bis hin zur Nukleartechnik. Das einzige iranische Atomkraftwerk - das AKW Buschehr im Süden des Landes - wurde nach Plänen von Siemens und AEG-Telefunken gebaut. Wirksame Sanktionen wären ohne deutsche Beteiligung kaum möglich gewesen.

„Made in Germany“ ist im Iran hoch angesehen, in vielen Fabriken stehen deutsche Maschinen. Sie müssen aber dringend überholt oder ausgetauscht werden. Auch die iranische Öl- und Gaswirtschaft braucht einen Modernisierungsschub, um die riesigen Rohstoffvorkommen zu heben.

Im zuständigen Bundeswirtschaftsministerium klingeln seit geraumer Zeit öfters die Telefone, seit zu Jahresbeginn einige EU- und US-Sanktionen befristet gelockert wurden. Viele Mittelständler wollen von den Beamten wissen, wann sie endlich wieder im großen Stil Geschäfte im Iran machen können - und wie die deutsche Regierung hilft.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

So kann der Bund über „Hermes-Bürgschaften“ dem Unternehmer das Risiko abnehmen, wenn ein iranischer Geschäftspartner nicht zahlt (auf dem Transparency-Korruptionsindex liegt die Islamische Republik auf Platz 144 von 177 Ländern). Das ist im Moment jedoch nur für kurzfristige Exportgeschäfte im humanitären Bereich wie Lebensmittel- oder Medizinprodukte möglich.

Das Haus von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bereitet sich auf den Tag X mit der Aufhebung der westlichen Sanktionen vor: das Ministerium halte „die Gesprächskanäle mit dem Iran, wie auch in der Vergangenheit, weiterhin offen“.

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