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07.12.2013

14:41 Uhr

Iran

Ruhani will Wirtschaft nicht für Atomprogramm opfern

Wirtschaftliche Zusammenarbeit sei in der heutigen Welt unerlässlich, so der iranische Präsident Ruhani: Er verteidigt das provisorische Atomabkommen – und kritisiert die Atompolitik seines Vorgängers scharf.

Hassan Ruhani: „Wir können nicht die Türen zur Außenwelt schließen.“ dpa

Hassan Ruhani: „Wir können nicht die Türen zur Außenwelt schließen.“

Teheran/ ManamaDie iranische Wirtschaft sollte nach den Worten von Präsident Hassan Ruhani nicht wegen des Atomprogramms geopfert werden. „Unser Grundsatz ist, dass die Zentrifugen zwar laufen, aber gleichzeitig auch die Wirtschaft und das Leben der Menschen laufen“, sagte Ruhani am Samstag in einer Rede in der Beheschti-Universität in Teheran.

Der iranische Präsident kritisierte erneut die Atompolitik der vergangenen acht Jahre unter seinem Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad, die das Land international isoliert und wirtschaftlich in eine Krise geführt hat. „In der jetzigen Welt ist es sehr schwer, wenn nicht unmöglich, ohne wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Außenwelt Fortschritte zu erzielen“, sagte der moderate Kleriker.

Ruhani verteidigte das provisorische Atomabkommen mit der internationalen Gemeinschaft als einen ersten Schritt, um sowohl die wirtschaftlichen Probleme als auch das Prestige des Landes zu verbessern. „Wir können nicht die Türen zur Außenwelt schließen“, sagte er.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Seine iranischen Kritiker könnten in der Atompolitik zwar in Einzelheiten anderer Meinung sein, aber das Endziel sei eine nationale Angelegenheit, wo dann alle an einem Strang ziehen sollten. „Wie sollen wir sonst komplizierte außenpolitische Probleme lösen, wenn wir nicht unsere eigenen lösen können?“, so der Präsident.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bekräftigte unterdessen in Bahrain, dass im Atomkonflikt mit dem Iran die militärische Option weiterhin infrage komme, falls das Interimsabkommen mit Teheran scheitern sollte. „Wir wissen, dass Diplomatie nicht in einem Vakuum arbeiten kann“, sagte Hagel am Samstag vor einem Sicherheitsforum in Manama. Ein mit Atomwaffen ausgestatteter Iran würde eine unannehmbare Bedrohung der regionalen und internationalen Stabilität darstellen.

Am Samstag traf nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA indes ein Team der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran ein. Die Experten sollen an diesem Sonntag die Schwerwasserfabrik Arak inspizieren. Die Fabrik ist wesentlicher Teil des umstrittenen Forschungsreaktors Arak, dessen Bau bereits seit längerem von der IAEA überwacht wird. Beim Betrieb von Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das sich im Prinzip zum Bau von Atombomben verwenden lässt.

Von

dpa

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