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09.01.2010

10:07 Uhr

Iran

Seit 30 Jahren auf dem Sonderweg

VonRalf Balke

Deutsche Unternehmen und der Iran unterhalten schon seit langem intensive Wirtschaftsbeziehungen - die oft kritisierte Zusammenarbeit hat nicht nur wirtschaftliche Gründe. Der Politologe Matthias Küntzel hat jetzt in einem Buch eine beunruhigende Analyse der deutsch-iranischen Beziehungen vorgelegt.

Deutsche Unternehmen pflegen enge Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran. Reuters

Deutsche Unternehmen pflegen enge Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran.

DÜSSELDORF. "Deutschland unterhält mehr Wirtschaftsbeziehungen zu Iran als jeder andere europäische Staat. Ich muss mich fragen, warum eigentlich?" Mit dieser Frage konfrontierte der Schriftsteller Salman Rushdie bereits 1996 in einem Interview mit deutschen Journalisten seine Gesprächspartner. Die Antwort blieben sie ihm damals schuldig. Schließlich machen deutsche Unternehmen in Iran ungeachtet der Tatsachen, dass Teheran überall in der Welt den islamistischen Terror sponsert und auf dem besten Wege ist, eine Atommacht zu werden, weiterhin gute Geschäfte. Laut Bundesagentur für Außenwirtschaft sind sie gerade in Schlüsselindustrien wie dem Maschinenbau die wichtigsten Zulieferer. Gerade deshalb wären deutsche Sanktionen besonders schmerzhaft für die Mullahs.

"Der Grundstein für diese Sonderstellung wurde in den zwanziger Jahren gelegt", schreibt Matthias Küntzel. Der Politologe hat eine Bestandsaufnahme der deutsch-iranischen Beziehungen seit ihren Anfängen im späten 19. Jahrhundert verfasst. Dabei richtet er den Fokus insbesondere auf die Zeit nach der islamischen Revolution.

Denn das Jahr 1979 bedeutet eine tiefgreifende Zäsur. Zum einen wurde der Schah gestürzt. Zum anderen entstand mit der "Islamischen Republik" ein Gottesstaat, dessen politisches System eigentlich im völligen Widerspruch zu allen gängigen republikanischen Werten steht. Für das deutsch-iranische Verhältnis blieb das nicht ohne Folgen: "Vor 1979 war die Sonderbeziehung zu Iran in eine vom Westen insgesamt präferierte Kooperationspolitik eingebettet. Jetzt ging Bonn zur westlichen Iranpolitik auf Distanz und beschritt einen Sonderweg", so Küntzel.

Obwohl Teheran die Angehörigen der Botschaft des deutschen Bündnispartners USA als Geiseln festhielt und die Uno gegen den Mullah-Staat immer wieder Sanktionen verhängte, verzeichnete der deutsch-iranische Handel neue Rekorde. Und selbst der Einsatz iranischer Todesschwadrone auf deutschem Boden, die 1992 in dem Berliner Restaurant Mykonos Oppositionelle hinrichteten, konnte daran nichts ändern. "Was hält Deutschland davon ab, seine Beziehungen abzubrechen oder auf ein Minimum zu reduzieren?" fragt Küntzel. Wirtschaftliche Interessen alleine könnten es nicht sein bei 0,6 Prozent Anteil des Iran-Handels am Gesamtvolumen der deutschen Exporte. Also sucht Küntzel die Antworten in der Vergangenheit und macht auf Affinitäten zwischen beiden Ländern aufmerksam. Die Faktenfülle muss jeden interessierten Leser nicht nur beeindrucken, sondern auch beunruhigen.

Kommentare (2)

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B. Giertz

09.01.2010, 12:27 Uhr

Wir hatten auch weiterhin intensive Wirtschaftsbeziehungen zu den USA als G.W.bush an die macht kam.
Demokratisch legitimiert war er nicht !
Hat das irgend jemand Gestört ?
Wir haben ntensive wirtschaftliche beziehungen zu China, obwohl dort ein offensichtlich nicht Zurechnungsfähiger hingerichtet wurde !
israel betrügt die ganze Welt indem es allen Protesten zum Trotz doch weiterhin Siedlungen im West-Jordan--land errichtet !
Trotzdem haben wir intensive Wirtschaftsbeziehungen.

Also was soll diese Heuchelei ?

fariborsm

09.01.2010, 19:52 Uhr

Deutsche Unternehmen und der iran unterhalten schon seit langem intensive Wirtschaftsbeziehungen -warum eigentlich?" Gute und berechtigte Frage. Klärung derlei Fragen ist - so meine ich - in vielerlei Hinsichten vom großen Nutzen. Der Nutzen liegt darin, dass wir endlich anfangen, vorbei an unseren Lügenpresse, uns wirklich gedanken machen über Zukunft unseres Landes, Zukunft unserer Jugend und überhaupt. Um eine zutreffende Antwort zu der hiergestellten Frage zu finden, gehen wir einmal davon aus, dass unsere Wirtschaft keine beziehung zur islamischen Republik iran pflege. Was wäre dann? dann hätte zumindest ein Teil von uns in Winter kein heizoil, in sommer und in winter kein Erdgas. dafür hätten wir mehr Sozialhilfeempfänger. solange der Vorrat rieche, versteht sich. Nun ganz zu schweigen von Pistazien und die teppiche, welche wir so lieben. so wäre also unsere situation wenn.... ich denke die zutreffende Antwort ist nun herausgearbeiet. allerdings nur für die jenigen, welche...naja.
Gruß

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