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06.01.2016

16:50 Uhr

Iran und Saudi-Arabien

Auch Dschibuti geht auf Distanz, Bagdad will vermitteln

Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Riad und Teheran sind auf einem Tiefpunkt. Das könnte sich auch auf die Friedensgespräche für Syrien auswirken. Die irakische Regierung bietet sich nun als Vermittler an.

Die Regierung in Bagdad kämpft gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat und versucht, die sunnitische Minderheit stärker einzubinden, als dies die Vorgängerregierung getan hat. ap

Ibrahim al-Dschafari

Die Regierung in Bagdad kämpft gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat und versucht, die sunnitische Minderheit stärker einzubinden, als dies die Vorgängerregierung getan hat.

Bagdad/Nairobi Im erbitterten Streit zwischen dem Iran und Saudi-Arabien will die irakische Regierung vermitteln. Man unterhalte sowohl zur Islamischen Republik als auch zu „unseren arabischen Brüdern“ Beziehungen und könne deswegen nicht schweigen, sagte Außenminister Ibrahim al-Dschafari am Mittwoch bei einem Besuch in Teheran. Aus Saudi-Arabien kam auf den Vorschlag zunächst keine Reaktion.

Die Beziehungen zwischen den Regierungen in Riad und Teheran sind auf einem Tiefpunkt, weil am Wochenende im sunnitisch geprägten Saudi-Arabien ein bekannter schiitischer Geistlicher hingerichtet wurde. Daraufhin stürmten aufgebrachte Demonstranten in Teheran die Botschaft des Königreiches und verwüsteten sie. Saudi-Arabien brach die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab.

Die von Schiiten geführte Regierung im Irak befürchtet nach Al-Dschafaris Worten nun weitreichende Auswirkungen. Wegen Konflikten zwischen Schiiten und Sunniten kommt es dort seit eineinhalb Jahrzehnten immer wieder zur Zerreißprobe. Am Mittwoch versammelten sich Tausende Schiiten in Bagdad und demonstrierten gegen das saudische Königshaus.

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Die Regierung in Bagdad kämpft gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat und versucht, die sunnitische Minderheit stärker einzubinden, als dies die Vorgängerregierung getan hat. Die sunnitische IS-Miliz beherrscht auch weite Teile des Nachbarlandes Syrien, für das eine friedliche Lösung unter Beteiligung des Irans und Saudi-Arabiens gefunden werden soll.

Die Eskalation wird sich nach Ansicht der iranischen Regierung auf die Friedensgespräche für Syrien auswirken, sagte der stellvertretende Außenminister Hossein Amir-Abdollahian der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. „Aber Teheran engagiert sich weiter.“ Der saudi-arabische Außenminister Adel Al-Dschubeir hatte erklärt, der Streit werde die Syrien-Gespräche nicht negativ beeinflussen.

Auch die Türkei, die ein Übergreifen der Spannungen fürchtet, hatte eine Vermittlung angeboten. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte allerdings nun, die Hinrichtung in Saudi-Arabien sei eine innere Angelegenheit. Er kritisierte indirekt auch den Iran: Diejenigen, die kein Wort über die Toten des syrischen Bürgerkrieges verlören, lösten wegen einer einzigen hingerichteten Person Unruhe aus. Erdogan beansprucht schon länger eine Führungsrolle in der Region.

Derweil hat der ostafrikanische Staat Dschibuti ebenfalls seine diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Eine entsprechende Regierungserklärung verlas Dschibutis Außenminister Mahamud Ali Jussuf am Mittwoch. Das Land ist ein Verbündeter Saudi-Arabiens und besitzt einen strategisch wichtigen Hafen am viel befahrenen Ausgang des Roten Meers am Horn von Afrika.

Vor Dschibuti hatten bereits Saudi-Arabien, Bahrain und der Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait gingen ebenfalls auf Distanz zum Iran.

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