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08.11.2011

01:00 Uhr

Iran

Unions-Außenexperte fordert härtere Strafmaßnahmen

Im eskalierenden Atomstreit mit dem Iran haben Russland und Deutschland vor einem Angriff auf die Islamische Republik gewarnt. CDU-Politiker Mißfelder bezeichnet die Situation als "besorgniserregend".

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion Philipp Mißfelder. dpa

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion Philipp Mißfelder.

DüsseldorfDer außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder, sieht im eskalierenden Atomstreit mit dem Iran die internationale Gemeinschaft in der Pflicht, gegen die Führung in Teheran vorzugehen. „Die momentane Situation ist äußerst besorgniserregend, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit unseres Partners Israel“, sagte Mißfelder Handelsblatt Online. Die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass Verhandlungen auf diplomatischer Ebene kaum Wirkung zeigen. Der CDU-Politiker fordert daher, die internationale Gemeinschaft solle die Sanktionen gegenüber dem Iran „umgehend“ verschärfen. „Wenn die iranische Regierung tatsächlich zu einem Umdenken bewegt werden soll, müssen dringend schärfere Maßnahmen getroffen werden, insbesondere im Energiesektor“, sagte Mißfelder.

Irans umstrittene Atomanlagen

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

Ghom

2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Buschehr

Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.

Arak

Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Auch Außenminister Guido Westerwelle hat laut Agenturbericht vor einem Angriff auf die Islamische Republik gewarnt. „Ich warne davor, militärische Optionen in den Raum zu stellen“, sagte Westerwelle. Jenseits aller gefährlichen Weiterungen für die Region seien das Debatten, die die iranische Regierung eher stärkten statt schwächten. Westerwelles russischer Kollege Sergej Lawrow warnte ebenfalls vor einem Militärschlag, der ein „sehr schwerer Fehler mit unvorhersehbaren Folgen“ wäre.

Westliche Diplomaten erwarten, dass der Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA konkrete Hinweise auf eine militärische Dimension des iranischen Atomprogramms enthalten wird. Die anstehende Veröffentlichung des Berichts ist offenbar der Hintergrund der aktuellen Diskussion in Israel über ein militärisches Vorgehen gegen den Iran. Israelische Medien hatten Anfang vergangener Woche berichtet, Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak seien zu einem Angriff entschlossen.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

08.11.2011, 01:15 Uhr

Was soll dieser Iran Unfug? Iran ist keine Gefahr, nicht mal mit 10 A-Bomben.

Account gelöscht!

08.11.2011, 01:25 Uhr

"Die Vergangenheit habe aber gezeigt, dass Verhandlungen auf diplomatischer Ebene kaum Wirkung zeigen." Nun, Herr Mißfelder, die Wahrheit ist, dass uns die gleichen Leute seit fast drei Jahrzehnten die iranische Atombombe ankündigen. Eine Chronik des "iranischen Atomprogramms" mit der Bombe in spätestens ein-zwei Jahren seit 1984 finden Sie hier: http://www.wideasleepinamerica.com/2010/12/phantom-menace-fantasies-falsehoods-and.html - Sehr lesenswert!

Serkan

08.11.2011, 03:44 Uhr

Kann mir mal jemand erklären warum man all den trouble auf sich nimmt mit der Anschaffung einer A-Bombe, wenn man sie überhaupt gar nie anwenden will ??
Vielleicht als Druckmittel, aber eigentlich sollten sich Probleme auch anders lösen lassen ...

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