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02.06.2015

16:05 Uhr

Iranisches Atomabkommen

US- und Irans Außenminister im Krankenhaus

Bis Ende Juni soll ein Atom-Deal mit dem Iran stehen. Doch die Hauptakteure der beiden wichtigsten Länder liegen im Krankenhaus. Nach US-Außenminister Kerry ist auch dessen iranischer Amtskollege Sarif außer Gefecht.

US-Außenminister John Kerry (r.), und sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Sarif. Beide Politiker liegen derzeit aus unterschiedlichen Gründen im Krankenhaus. dpa

Atomgespräche notgedrungen ausgesetzt

US-Außenminister John Kerry (r.), und sein iranischer Amtskollege Mohammad Javad Sarif. Beide Politiker liegen derzeit aus unterschiedlichen Gründen im Krankenhaus.

Boston/TeheranDer Zeitplan für das Ende Juni geplante Atomabkommen mit dem Iran droht ins Wanken zu geraten: Nachdem US-Außenminister John Kerry mit einem Beinbruch ins Krankenhaus musste, liegt nun auch sein iranischer Kollege Mohammed Dschawad Sarif in der Klinik. Der 55-jährige Sarif leidet nach Berichten aus Teheran an einem schweren Hexenschuss und könne vorerst nicht mehr gehen. Kerry ist unterdessen in Boston – wie lange er „krankgeschrieben“ bleibt, ist unklar.

Laut Nachrichtenagentur ISNA konnte Sarif deshalb am Dienstag nicht an einem wichtigen Kongress in Teheran teilnehmen. Sarif hat seit Jahren chronische Rückenschmerzen, die in Stresssituationen besonders schlimm werden, heißt es – und der gegenwärtige Poker um den Atomdeal dürfte extrem stressig sein. Kerry hingegen war am Sonntag beim Fahrradfahren in Frankreich verunglückt, einen Tag später wurde er nach Hause geflogen. Er sollte am Dienstag operiert werden, berichteten US-Medien.

Die Kernpunkte der Genfer Iran-Vereinbarung

Uran-Vorrat

Der Iran verpflichtet sich, den gesamten Vorrat des auf bis zu 20 Prozent angereicherten Urans - genannt wurden 196 Kilogramm - unter eine Schwelle von fünf Prozent abzuschwächen oder so zu verändern, dass er nicht mehr angereichert werden kann.

Schwerwasserreaktor

Der Schwerwasserreaktor Arak, in dem als Nebenprodukt Plutonium anfallen könnte, darf nicht in Betrieb genommen werden.

Zentrifugen

Der Iran darf keine weiteren, neuen Zentrifugen produzieren.

Urananreicherung

Der Iran soll die Urananreicherung in den Anlagen Natans und Fordo limitieren.

Öl-Einnahmen

Im Gegenzug erhält das Land eingefrorene Öl-Einnahmen in Höhe von ungefähr drei Milliarden Euro, die schrittweise freigegeben werden.

Banksanktionen

Teile der Banksanktionen für Einfuhr, insbesondere von Medikamenten und Nahrungsmitteln, werden aufgehoben.

Versicherungen

Sanktionen bezüglich Versicherungen für die Wirtschaft, auch von Öltankern, werden aufgehoben.

Handel und Import

Der Iran kann wieder Ersatzteile für Flugzeuge kaufen, mit Gold handeln sowie Kraftfahrzeuge und Ersatzteile importieren.

Petrochemische Industrie

Sanktion in der petrochemischen Industrie werden aufgehoben.

Ohne das Atomabkommen werden die lähmenden Wirtschaftssanktionen gegen den Iran nicht aufgehoben. Sarifs Kritiker, besonders Hardliner im Parlament, lauern auf einen Ausrutscher. Der würde nicht nur die außenpolitische Arbeit von Sarif und Präsident Hassan Ruhani erheblich erschweren. Auch die Aussichten auf einen Sieg der Reformer bei den Parlamentswahlen im Februar wären bei einem Scheitern der Atomverhandlungen höchst ungewiss.

Unfall in Frankreich

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dpa

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