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23.11.2014

22:22 Uhr

Iranisches Atomprogramm

Lawrow und Kerry sollen Atomgespräche retten

Die Gespräche stocken, obwohl Irans Präsident Hassan Rohani im Streit um das Atomprogramm gesprächsbereiter ist als die Vorgänger. Außenminister Steinmeier ist skeptisch. Nun könnten bisher angestrebte Deadlines fallen.

Über die Zukunft der Ukraine sind sie uneins, doch nun sollen US-Außenminister Kerry (links) und sein russischer Amtskollege Lawrow gemeinsam eine Lösung für den Atomstreit mit dem Iran finden. dpa

Über die Zukunft der Ukraine sind sie uneins, doch nun sollen US-Außenminister Kerry (links) und sein russischer Amtskollege Lawrow gemeinsam eine Lösung für den Atomstreit mit dem Iran finden.

Wien/ WashingtonBei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ist kurz vor Ende der entscheidenden Frist noch immer kein Kompromiss in Sicht. Deshalb haben die USA nun laut Verhandlungskreisen dem Iran eine Verlängerung des eigentlich am Montag auslaufenden Ultimatums in Aussicht gestellt.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bedauerte am Sonntagabend in Wien: „Wir sind bei diesem Komplex in vielen Punkten noch auseinander.“

Beide Seiten - die fünf Vetomächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschland sowie der Iran - zeigten sich aber zu einer Einigung bereit. Die Frist endet eigentlich an diesem Montag um 24.00 Uhr.

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an einer eigenen Atombombe zu arbeiten. Deshalb hat die Staatengemeinschaft mittlerweile eine ganze Reihe von Sanktionen verhängt, die dem Land schwer zu schaffen machen. Inzwischen gibt es schon seit mehr als zehn Jahren immer wieder Gespräche, ohne dass jemals ein Durchbruch geschafft wurde.

Die offiziell letzte Runde läuft nun seit Dienstag in Wien, dem Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Am Wochenende trafen - mit Ausnahme Chinas - auch die Außenminister aller beteiligten Staaten ein. Dabei gab es Gespräche in verschiedenen Konstellationen. Steinmeier kam mit seinen Kollegen aus Russland und den USA, Sergej Lawrow und John Kerry, zu Zweiergesprächen zusammen. Auf einer gemeinsamen Strategie der beiden einflussreichen Großmächte, die sich im Ukrainekonflikt aktuell unversöhnlich gegenüberstehen, ruhen die Hoffnungen vieler.

Die entscheidenden Runden wurden aber erst für diesen Montag erwartet, wo auch eine Fristverlängerung beschlossen werden könnte. Inzwischen ist zudem im Gespräch, dass es eine Art „Zwischenabkommen“ geben könnte, falls man sich über Details noch nicht endgültig einigen kann.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Steinmeier betonte in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, auch auf iranischer Seite sei der Willen erkennbar, „zu einem Ergebnis zu kommen“. Zugleich warnte er vor einem kompletten Scheitern. „Sollte das nicht ganz zum Abschluss kommen, wird man nach Möglichkeiten suchen müssen, damit hier nichts abbricht, sondern der Prozess fortgesetzt werden kann.“

Kerry traf sich erneut mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif und der EU-Chefunterhändlerin Catherine Ashton. Überraschend gab es auch ein Gespräch Kerrys mit dem Außenminister Saudi-Arabiens, Saud al-Faisal. Saudi-Arabien ist Irans großer Widersacher in der Region. Beteiligt an den Gesprächen sind auch noch Großbritannien und Frankreich. Für den Abend war ein Arbeitsessen innerhalb der 5+1-Gruppe geplant.

Aus iranischer Sicht ist eine Einigung auf ein umfassendes Abkommen zwar schwierig, aber ein Dokument über eine allgemeine Verständigung weiterhin möglich. Diese würde auch wesentliche Knackpunkte wie die Dimension der Urananreicherung, die Zahl der Zentrifugen, die Laufzeit und auch die Frage der Sanktionen umfassen, hieß es aus Delegationskreisen. Details müssten dann noch im Expertenkreis weiterverhandelt werden. Für die Kontrolle der Vereinbarungen könnte die IAEA zuständig sein.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich in Washington zuversichtlich, dass ein etwaiges Abkommen auch die heimischen Skeptiker überzeugen könnte. Wichtig sei, dass alle technischen und politischen Maßnahmen eines Vertrages sicherstellten, dass der Iran keinen Weg zur Atombombe mehr hätte, sagte Obama dem TV-Sender ABC. „Dann bin ich zuversichtlich, dass ich den Deal dem Land verkaufen kann.“

Israel verfolgt die Verhandlungen mit wachsender Sorge. „Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen“, sagte Premierminister Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Der Iran hatte dem jüdischen Staat in der Vergangenheit mehrfach mit Vernichtung gedroht.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Hermann Paul

24.11.2014, 07:38 Uhr

Der Iran will nur Zeit "schinden " das ist so vordergründig , das müsste eigentlich JEDEM auffallen !

Die Welt hat schon am 11.12.09 einen sehr schönen Beitrag zur Erklärung des Iranischen Atomprogrammes veröffentlicht .

Den sollten sich einige noch mal zu "Gemüte führen "

Darin heißt es ua :

In der khomeinistischen Interpretation des Islam muss der Klerus solange herrschen bis der Messias erschienen ist. Und in der Interpretation von Ayatollah Mesbahe Yazdi, un-geistiger Mentor des Präsidenten Ahmadinejad, kann dieser Prozess beschleunigt werden. In einer Schlacht gegen die ungläubige Welt soll dann die Islamisierung der Welt erfolgen.

Die Welt vom 11.12.09 und der Beitrag heißt :
Mahdismus und das iranische Atomprogramm.

Der Iran will natürlich ein Verlängerung , die wird auch scheitern worauf die nächste Verlängerung folgt , das bringt alles nix .Nur eine Verschärfung der Sanktionen kann einen annehmbaren Kompromiss erzielen .

Herr Hermann Paul

24.11.2014, 07:38 Uhr

Der Iran will nur Zeit "schinden " das ist so vordergründig , das müsste eigentlich JEDEM auffallen !

Die Welt hat schon am 11.12.09 einen sehr schönen Beitrag zur Erklärung des Iranischen Atomprogrammes veröffentlicht .

Den sollten sich einige noch mal zu "Gemüte führen "

Darin heißt es ua :

In der khomeinistischen Interpretation des Islam muss der Klerus solange herrschen bis der Messias erschienen ist. Und in der Interpretation von Ayatollah Mesbahe Yazdi, un-geistiger Mentor des Präsidenten Ahmadinejad, kann dieser Prozess beschleunigt werden. In einer Schlacht gegen die ungläubige Welt soll dann die Islamisierung der Welt erfolgen.

Die Welt vom 11.12.09 und der Beitrag heißt :
Mahdismus und das iranische Atomprogramm.

Der Iran will natürlich ein Verlängerung , die wird auch scheitern worauf die nächste Verlängerung folgt , das bringt alles nix .Nur eine Verschärfung der Sanktionen kann einen annehmbaren Kompromiss erzielen .

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