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14.10.2011

17:32 Uhr

Iranisches Mordkomplott

USA wollen schärfere Sanktionen gegen Iran

Die USA wollen nach dem vereitelten Attentat auf den saudischen Botschafter eine härtere Gangart gegen den Iran einschlagen. Der Druck auf Europa wächst, schärferen Sanktionen zuzustimmen.

US-Präsident Barack Obama will schärfere Sanktionen gegen den Iran durchsetzen. dpa

US-Präsident Barack Obama will schärfere Sanktionen gegen den Iran durchsetzen.

Washington, TeheranDie USA drängen nach einem Bericht der „New York Times“ auf schärfere Sanktionen gegen den Iran. Angesichts der mutmaßlichen iranischen Attentatspläne wolle Washington auf Europa, Russland sowie China und Indien einwirken, härteren Strafmaßnahmen zuzustimmen.

Angesichts der Zurückhaltung Russlands und Chinas gegen scharfe Sanktionen in der Vergangenheit herrsche innerhalb der Regierung von Präsident Barack Obama allerdings Skepsis, ob eine schärfere Gangart tatsächlich durchsetzbar sei, schreibt das Blatt am Freitag.

Zudem gebe es im Weißen Haus noch Unklarheit, welche konkreten Sanktionen verhängt werden sollten, heißt es unter Berufung auf Regierungsbeamte. So erwäge man Sanktionen gegen die iranische Zentralbank; dies könnte jedoch auf Widerstand solcher Länder stoßen, die mit Teheran Handel treiben.

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

1979

Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

1980

Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Irak den Iran an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

1984

Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

1985-1986

In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

1988

Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

1995

Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

2001

Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

2002

Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

2004

Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

2005

Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

2007

US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

2008

Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

2009

Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

2010

US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

2011

Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Eine andere Möglichkeit seien Strafmaßnahmen gegen Mitglieder der Revolutionären Garden, die in das Ölgeschäft verwickelt seien; dies könnte aber negative Folgen für die internationalen Ölmärkte nach sich ziehen.

Weiter heißt es, die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice habe ihrem iranischen Kollegen einen Brief übergeben. Einzelheiten dazu wurden nicht bekannt.

Nach Angaben des State Departements wollen die USA ein Expertenteam nach Moskau schicken, um dort Zweifel an der Mordplänen und die Verwicklung der iranischen Regierung auszuräumen.

Nach den Worten Obamas sind die Vorwürfe hieb- und stichfest. Die US-Regierung wirft „Elementen der Regierung“ im Iran vor, einen Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter in Washington geplant zu haben. Das Vorhaben sei von US-Undercoveragenten vereitelt worden.

Dagegen weist Teheran die Beschuldigungen nach wie vor kategorisch zurück. Erstmals äußerte sich am Freitag auch Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei in den Staatsmedien. „Die Wiederholung von dummen und nutzlosen Methoden der USA, eine Islam- und Iran-Phobie in der Welt zu schüren, wird nichts bringen. Sie ist zum Scheitern verurteilt.“ Chamenei ist nach der iranischen Verfassung das Staatsoberhaupt und hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort.

Kommentare (1)

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We-are-99-Prozent

14.10.2011, 18:26 Uhr

Das alles ist doch genau so erfunden und erlogen, wie die Massenvernichtungs-Waffen von Sadam Hussein.

Ohne Grund hat man den Saddam aufgehängt
Aber es gibt vieel Grüde, um Mr Bush / Obama auf zu hängen.

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