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19.07.2015

16:42 Uhr

Iranreise des Sigmar Gabriel

Iran empfängt die deutsche Wirtschaft

Als erster westlicher Spitzenpolitiker nach dem Fall der Sanktionen wird Vizekanzler Gabriel am Nachmittag in Teheran empfangen. Mit dabei: eine Wirtschaftsdelegation. Der Zeitpunkt der Reise könnte besser nicht sein.

Nach Aufhebung der Sanktionen

Iran: Gabriel sondiert Chancen für deutsche Wirtschaft

Nach Aufhebung der Sanktionen: Iran: Gabriel sondiert Chancen für deutsche Wirtschaft

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BerlinWie lukrativ der iranische Markt sein kann, zeigt ein aktuelles Beispiel: Kaum sind die Sanktionen gegen Iran gefallen, soll sich der amerikanische Fast-Food-Konzern McDonald's um eine Lizenz im Iran beworben haben. McDonald's ist bei Iranern sehr beliebt und gilt bei Auslandbesuchen meist als erste Station.

Um das Potenzial des iranischen Marktes weiß auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Nach dem Fall der Sanktionen hätte der Zeitpunkt für die Reise nach Teheran, die Gabriel seit diesem Sonntag zusammen mit einem Dutzend Vertretern der deutschen Wirtschaft bestreitet, nicht besser sein können.

Die Planung der Reise hatte schon begonnen, als noch lange nicht klar war, ob sich die UN-Vetomächte und Deutschland in Wien mit der Regierung in Teheran einigen würden. Die Visa für die Mitreisenden wurden vor zwei Wochen beantragt. Jetzt ist Vizekanzler Gabriel der erste westliche Spitzenpolitiker, der in Teheran Gespräche über die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit führt.

Atomdeal mit Iran: Milliardengeschäfte für „Made in Germany“?

Was erwartet die deutsche Wirtschaft?

„Deutschland wird zusammen mit Frankreich und Italien zu den Ländern gehören, die mehr von der Einigung profitieren als andere“, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden für möglich. „Das Land hat einen Riesennachholbedarf“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, der am Dienstag in diesem historischen Moment passenderweise in Teheran ist, der Deutsche Presse-Agentur. Derzeit seien im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kämen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Sind jetzt alle Probleme gelöst?

Nein, denn die Sanktionen sollen schrittweise abgebaut werden. „Das Embargorecht für das Irangeschäft weiterhin bleibt damit relevant. Das kann im Detail viele Hemmnisse bedeuten“, erklärt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hinzu kommt: Auch wenn das Abkommen in den USA angenommen wird, muss US-Präsident Barack Obama dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Andernfalls dürfte der Kongress schnell neue Sanktionen erlassen. „Der US-Kongress wird versuchen, die Unsicherheit zu bewahren“, sagt Perthes.

Welche Rolle spielen deutsche Banken?

Wie teuer Ärger mit den USA werden kann, erlebte jüngst die Commerzbank. Das Institut musste für einen Vergleich mit US-Behörden insgesamt 1,45 Milliarden Dollar hinblättern, um ein Verfahren wegen Geldwäsche und Geschäften mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran beizulegen. Wirtschaftsverbände wie der VDMA fordern nach dem Durchbruch von Wien, dass die Banken jetzt rasch reagieren: „Wenn die Finanzinstitute trotz des klaren Politikwechsels ihre eigene Geschäftspolitik weiterhin nicht anpassen, lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen“, warnt VDMA-Exportchef Ulrich Ackermann.

Wie stark sind die Wettbewerber in dem Land?

Insbesondere die Konkurrenz aus China profitierte von den Sanktionen, die die USA und die EU verhängt hatten. Gerade einmal 6,3 Prozent der Importe stammen derzeit noch aus Deutschland, Chinas Anteil liegt nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes mit 15 Prozent etwa doppelt so hoch. Aber: „Iraner haben chinesische Produkte nicht gekauft, weil sie das wollten, sondern weil Alternativen fehlten“, sagt Perthes.

Welche Branchen könnte besonders von der Einigung profitieren?

„Die Modernisierung der Ölindustrie und anderer Branchen ist ein spannender Markt vor allem für den Maschinenbau“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Gefragt sind nach Einschätzung Perthes vor allem Turbinen, Kraftwerke, Lastwagen und Technologien zur Ölexploration „Made in Germany“. Nach Berechnungen von Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran fehlen Iran von 2011 bis heute Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. „Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen“, sagt Subran.

Wie stark ist die Konkurrenz inzwischen in dem Land?

Deutlich haben sich zum Beispiel die Verhältnisse im Maschinen- und Anlagenbau verschoben. Einst lag die deutsche Schlüsselindustrie mit einem Marktanteil von 30 Prozent auf Rang eins. Inzwischen dominieren chinesische Exportunternehmen. Maschinen im Wert von gut 5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Iran exportiert. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland und 2,3 Milliarden Euro auf China. „Selbst im Optimalfall wird der chinesische Maschinenbau bei mehr als 10 Prozent Marktanteil bleiben, Korea wird seine neu gewonnenen Prozente hart verteidigen, und nicht zu vergessen - die USA sind wieder im Spiel“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich. Ein Marktanteil von 15 bis 20 Prozent für den deutschen Maschinenbau wäre daher ein großer Erfolg.

Quelle: dpa

Das Programm kann sich sehen lassen: Präsident Hassan Ruhani empfängt den Gast aus Deutschland persönlich – protokollarisch in einem Land dieser Größe und Bedeutung nicht unbedingt üblich. Zudem sind Gespräche mit drei Ministern, dem Gouverneur der iranischen Zentralbank und der Industrie- und Handelskammer vorgesehen. Und zum Abschluss geht es am Dienstag in eine der kulturhistorisch bedeutendsten Städte des Irans: Isfahan, mit seinen atemberaubenden Palästen und Moscheen.

Die deutschen Unternehmen mit Iran-Ambitionen haben diese Reise herbeigesehnt. „Ein besseres Signal kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Er glaubt, dass sich die deutschen Exporte von derzeit 2,4 Milliarden Euro jährlich in den nächsten vier Jahren vervierfachen können.

Kommentare (1)

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Herr Marc Otto

21.07.2015, 15:35 Uhr

Immer wieder erfüllt es uns mit Stolz, wenn Freunde auf die Weltbühne zurück kehren dürfen. Dass das möglich war, verdanken wir Herr Putin und der dt.Delegation bei den verhandlungen.

Ein weiterer Sieg für die Tauben.

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