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05.03.2012

09:01 Uhr

Irans Atompläne

Bombenstimmung im Weißen Haus

VonNils Rüdel

US-Präsident Obama und Israels Premier Netanjahu können sich nicht leiden. Doch beim Staatsbesuch heute müssen sie sich über das Vorgehen gegen Iran einigen. Der Termin könnte über Krieg und Frieden entscheiden.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r) und US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington. dpa

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r) und US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington.

WashingtonWenn sich Barack Obama und Benjamin Netanjahu im Weißen Haus treffen, ist die Stimmung regelmäßig frostig. Vor zwei Jahren soll der US-Präsident den israelischen Regierungschef quälend lange haben warten lassen, verärgert über dessen Siedlungspolitik. Im Mai 2011 kam die Retourkutsche: Netanjahu erteilte Obama vor laufenden Kameras eine Lektion in israelischer Geschichte. Kurze Zeit später wiederum durfte der Israeli in der Zeitung über ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen Obama und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy lesen: „Ich kann Netanjahu nicht leiden, er ist ein Lügner“, sagte Sarkozy. „Was ist mit mir?“, antwortete Obama, „Ich habe jeden Tag mit ihm zu tun“.

Der heutige Montag ist wieder so ein Tag, und es dürfte einer der bisher Wichtigsten im komplizierten Verhältnis zwischen Obama und Natanjahu sein. Oder, wie es das US-Magazin „Politico“ ausdrückte: „Ein Besuch in der diplomatischen Zahnarztpraxis“. Wenn sich die beiden Männer im Weißen Haus zum Vier-Augen-Gespräch zurückziehen, wird es vor allem um ein Thema gehen: Irans mutmaßliches Atomwaffenprogramm.

Der Druck auf Obama ist immens. Israel steht möglicherweise kurz vor einem Angriff auf Irans Nuklearanlagen, und Netanjahu verlangt Zusagen der Amerikaner. Steht der wichtigste Verbündete an der Seite des jüdischen Staates? Werden sich die USA an Luftschlägen beteiligen? Der US-Präsident wiederum zögert, er will keinen dritten Krieg im Nahen Osten. Damit enttäuscht er die Falken in Tel Aviv und auch zu Hause.

Der Staatsbesuch fällt zusammen mit der Jahrestagung der wichtigsten US-israelischen Lobbyorganisation Aipac in Washington – und dort, unter den 13.000 Teilnehmern, sind die Erwartungen groß. Auch Obamas Gegner, die den Präsidenten für ein Weichei halten, wollen ein paar Punkte machen. So werden drei der vier republikanischen Präsidentschaftskandidaten am Dienstag, dem „Super Tuesday“ und bisher wichtigsten Tag im Wahlkampf, per Videobotschaften sprechen. Der aussichtsreichste, Mitt Romney, gab am Sonntag schon mal einen Vorgeschmack: „Wenn Obama wiedergewählt wird, wird Iran eine Atombombe besitzen und die Welt sich verändern“.

Unter doppeltem Druck verschärfte Obama in den vergangenen Tagen bereits seine Rhetorik Richtung Teheran. Nachdem er am Freitag bekundet hatte, Amerika „bluffe nicht“, legte der Präsident am Sonntag auf der Aipac-Konferenz nach. „Der Iran sollte keine Zweifel an der Entschlossenheit der USA haben“, sagte Obama. Er werde keine Option vom Tisch nehmen, um Teheran vom Bau einer Atomwaffe abzuhalten. Dazu gehörten „auch militärische Anstrengungen“.

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