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19.02.2014

20:10 Uhr

Irans Atomprogramm

Lösung in sechs Monaten „nicht unrealistisch“

Die Verhandlungen über Irans Atomprogramm in Wien stehen offenbar unter guten Vorzeichen: Die diplomatischen Floskeln scheinen Fortschritte zu signalisieren. Die EU-Außenbeauftragte will später Einzelheiten bekanntgeben.

Gute Laune bei der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien: Die Verhandlungspartner wollen Grundlagen für eine umfassende Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm erarbeiten. Reuters

Gute Laune bei der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien: Die Verhandlungspartner wollen Grundlagen für eine umfassende Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm erarbeiten.

WienAuf dem Weg zu einer Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm verbreiten die Verhandlungspartner vorsichtigen Optimismus. Die Gespräche zwischen den fünf UN-Vetomächten (USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien) sowie Deutschland (5+1-Gruppe) mit dem Iran verliefen in einer ausgesprochen guten Arbeitsatmosphäre, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Mittwoch. „Unser gemeinsames Ziel ist, das Eis zu schmelzen und alle Missverständnisse zu bereinigen“, sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in Wien. Eine Lösung innerhalb von sechs Monaten sei nicht unrealistisch.

Die Gespräche wurden am Mittwochabend auf Expertenebene beendet. Die EU-Außenbeauftragte, die an der Spitze der 5+1-Gruppe verhandelt, muss an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung der EU-Außenminister wegen der Krise in der Ukraine nach Brüssel fliegen. Vorher wird sie voraussichtlich zunächst eine weitere Gesprächsrunde leiten. Danach will sie auf einer Pressekonferenz zusammen mit Irans Außenminister Sarif über Einzelheiten informieren.

Die Verhandlungspartner wollten Grundlagen für eine umfassende Lösung des Streits um das iranische Atomprogramm erarbeiten. Der Westen verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms heimlich Kernwaffen zu entwickeln. Iran bestreitet das.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Zu den Problemen zählt der Schwerwasserreaktor in Arak, dessen Plutonium auch für den Bau einer Atombombe geeignet wäre. Außerdem gibt es Differenzen bei der Deckelung der Urananreicherung auf fünf Prozent. Während der Iran bis zu dieser Grenze auch mit modernsten Zentrifugen arbeiten will, sieht die 5+1-Gruppe das als unerwünschten technologischen Fortschritt, der die Fähigkeit des Landes zum Bau einer Atombombe begünstige. Schließlich möchten die UN-Vetomächte, dass der Iran das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, um intensive Inspektionen der Atomanlagen abzusichern.

Von

dpa

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