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05.04.2013

10:44 Uhr

Irans Atomprogramm

Neue Verhandlungsrunde ohne Anzeichen für Annäherung

Die Vorsätze sind gering: Westliche Diplomaten hoffen auf eine ernsthafte Diskussion bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Ohne Fortschritte drohen Teheran neue Sanktionen.

Die Atom-Verhandlungen in Almaty gehen in die nächste Runde. dpa

Die Atom-Verhandlungen in Almaty gehen in die nächste Runde.

AlmatyOhne Aussicht auf einen Durchbruch im Streit über das iranische Atomprogramm hat am Freitag die zweite Verhandlungsrunde in diesem Jahr begonnen. Westliche Diplomaten hoffen wenigstens auf eine ernsthafte Diskussion über ihre im Februar vorgelegten Vorschläge, wie der seit einem Jahrzehnt schwelende Konflikt beigelegt werden könnte.

Zum Auftakt der neuen Verhandlungen forderte die internationale Gemeinschaft Teheran zum Entgegenkommen auf. „Unser Angebot ist fair und ausgewogen“, sagte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, Michael Mann, am Freitag in Almaty.

Chronologie des Streits um das iranische Atomprogramm

29. März 2006

Der UN-Sicherheitsrat fordert den Iran auf, seine Urananreicherung binnen 30 Tagen einzustellen. Teheran weigert sich.

23. Dezember 2006

Der Sicherheitsrat verhängt erste Sanktionen.

9. April 2009

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad berichtet von einer betriebsbereiten Uranfabrik in Isfahan.

7. Februar 2010

Der Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.

22. Januar 2011

In Istanbul werden die Gespräche zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschland auf unbestimmt Zeit vertagt.

17. Mai 2011

Nordkorea exportiert nach Angaben der UN für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete.

8. November 2011

Die Atomenergiebehörde IAEA in Wien veröffentlicht einen Bericht, nach dem der Iran an der Entwicklung der Atombombe gearbeitet hat. Teheran bestreitet das.

1. Januar 2012

Nach Angaben aus Teheran haben iranische Wissenschaftler erstmals einen eigenen Kernbrennstab entwickelt.

23. Januar 2012

Die EU will ihre Öleinfuhren aus dem Iran spätestens zum 1. Juli stoppen. Die EU-Außenminister beschließen in Brüssel zudem, die Konten der iranischen Zentralbank in Europa einzufrieren.

6. Februar 2012

US-Präsident Barack Obama lässt Eigentum und Vermögenswerte der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA blockieren. Betroffen sind auch alle iranischen Finanzinstitutionen.

20. & 21. Februar 2012

Kontrolleuren der IAEA wird der Zugang zur verdächtigen Militäranlage Parchin nahe Teheran verweigert.

31. März 2012

Obama billigt die bislang schärfsten Sanktionen gegen den Iran. Ziel ist es, die Importe von iranischem Öl weltweit so stark wie möglich zu kappen.

14. & 15. April 2012

Die Gespräche zwischen den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland sowie dem Iran werden in Istanbul wieder aufgenommen. Konkrete Ergebnisse gibt es nicht.

14. Mai 2012

Die IAEA verlangt Zugang zu Irans umstrittenen Forschungsanlagen. Auf der Kontrollliste steht die Anlage in Parchin nahe Teheran ganz oben. Dort werden nach Einschätzungen westlicher Geheimdienste Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

21. Mai 2012

IAEA-Chef Yukio Amano spricht in Teheran mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili über das umstrittene iranische Atomprogramm. Amano nennt seine Gespräche anschließend „nützlich“.

23. Mai 2012

Vom 23. Mai an verhandeln die fünf Veto-Mächte des Sicherheitsrates und Deutschland in Bagdad mit dem Iran über sein Atomprogramm.

30. Juli 2012

US-Präsident Barack Obama erlässt weitere Sanktionen gegen den Iran. Betroffen ist das Ölgeschäft des Landes. Im Februar 2013 verschärft das US-Finanzministerium die Maßnahmen.

3. Februar 2013

Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi teilt auf der Sicherheitskonferenz in München mit, dass sein Land unter bestimmten Bedingungen zu Verhandlungen mit den USA bereit sei.

17. Februar 2013

Der Oberste Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, knüpft direkte Atomverhandlungen mit den USA an Bedingungen. Die Äußerungen werden versöhnlicher als üblich gewertet.

21. Februar 2013

Der jüngste Bericht der IAEA zeigt, dass der Iran bisher 280 Kilogramm höher angereicherten Urans produziert hat. Davon wurden 113 Kilogramm weiterverarbeitet und so für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar gemacht.

26./27.2. 2013

Nach einer neun Monate langen Pause setzen Vertreter der 5+1-Gruppe und der Führung in Teheran in Almaty in Kasachstan ihre Gespräche fort. Ein neuer Vorschlag an Teheran soll Bewegung in den festgefahrenen Streit bringen. Angeblich hat die Gruppe angeboten, einige Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Dafür soll Teheran Entgegenkommen signalisieren. Es wird ein weiteres Treffen für den 5./6. April verabredet.

20./21.3. 2013

US-Präsident Barack Obama unterstreicht bei einem Besuch in Israel, dass die USA notfalls auch mit Waffengewalt eine nukleare Aufrüstung des Irans verhindern wollen.

27. September

Die Internationale Atomenergiebehörde teilt mit, dass in Wien die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden sollen.

Doch angesichts der im Juni anstehenden Präsidentschaftswahl im Iran ist die Wahrscheinlichkeit einer Lösung gering. Die iranischen Unterhändler seien mit eigenen Vorschlägen in die kasachische Hauptstadt Almaty gereist, berichteten iranische Medien, ohne Details zu nennen.

Vor den Gesprächen im kasachischen Almaty hatte der iranische Chefunterhändler Said Dschalili erneut auf das Recht seines Landes auf Urananreicherung gepocht. Ende Februar hatte die 5+1-Gruppe aus USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland dem Iran einen Vorschlag unterbreitet, der nicht mehr die Einstellung, sondern die Aussetzung der Urananreicherung vorsieht. Im Gegenzug sollen internationale Handelssanktionen gelockert werden. Dies lehnt die Regierung in Teheran ab.

Ankündigung: Iran will 3000 modernere Uran-Zentrifugen bauen

Ankündigung

Iran will 3000 modernere Uran-Zentrifugen bauen

Ohne auf die internationalen Forderung nach einem Stopp der Anreicherung einzugehen, hat der Iran nun den Bau von tausenden effektiveren Uran-Zentrifugen verkündet.

In ihrem jüngsten Vorschlag verzichtet die Gruppe angeblich auf ihre bisherige Forderung, der Iran müsse seine Uran-Anreicherungsanlage in Fordo schließen. Stattdessen solle lediglich die Leistung reduziert werden. „Der Iran sollte der internationalen Gemeinschaft versichern, dass es nur an friedlicher Atomnutzung interessiert ist, ohne militärische Hintergedanken“, forderte Mann.

Doch genau dieser Punkt ist es, der das Umfeld für die Verhandlungen schwierig gestaltet. Internationale Experten vermuten, dass bei dem nordkoreanischen Atomwaffen-Test vom 12. Februar eine Bombe mit angereichertem Uran gezündet wurde. Das Regime in Pjöngjang kann aber selbst nicht die nötigen Mengen von angereichertem Uran herstellen, ist aber wohl im Besitz von bis zu zehn Plutonium-Gefechtsköpfen. Alleine die Vermutung, dass Nordkorea eine Uran-Bombe zur Explosion gebracht hat, nährt den Verdacht der Zusammenarbeit von Pjöngjang und Teheran, das seit Jahren Uran anreichert. Beweise für eine solche Atom-Kooperation gibt es bislang jedoch nicht.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle und sein iranischer Amtskollege Ali-Akbar Salehi hätten am Vorabend miteinander telefoniert, meldete die Teheraner Agentur Fars. Dabei hätten die Politiker betont, dass sie auf konstruktive Ergebnisse bei den Gesprächen in Almaty hofften sowie einen „Start zu einem Schritt vorwärts“, hieß es.

Der Iran zeigte sich vor den Verhandlungen in Almaty zunächst aufgeschlossen, wies aber andere Forderungen – wie etwa die Schließung seiner Urananreicherungsanlage Fordo – entschieden zurück. Dem Iran wird vorgeworfen, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, was Teheran allerdings zurückweist.

Sollte es bei den Verhandlungen keine Fortschritte geben, drohen dem Iran vermutlich neue Sanktionen.

Kommentare (5)

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Hagbard_Celine

05.04.2013, 11:13 Uhr

Israels Gulliver Energy erhält Schürfrechte für Uran in Israel das wohl letztlich für den Bau von Bomben vergesehen ist da das Land über kein ziviles Atomprogramm verfügt.

[...]

Und das obwohl Israel bereits über gut 100 Atombomben verfügen dürfte.

Und davon sollen sich seine Nachbarn nicht bedroht fühlen ?

Wenn nicht für sie, für wen sind denn dann diesen Bomben bestimmt ?

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long-metr-revolution@dynip.name

05.04.2013, 11:42 Uhr

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armedjihad@dynip.name

05.04.2013, 11:54 Uhr

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